Doku-Serie „The Jinx“ bei Sky

Ich habe alle umgebracht

Von Nina Rehfeld
14.05.2015
, 20:01
Auf dem Weg Gefängnis von New Orleans: Robert Durst im März
Drei Menschen soll der Immobilien-Mogul Robert Durst auf dem Gewissen haben. Belangt wurde er nie. Dann hat er sich verplappert: bei den Dreharbeiten zu einer Doku-Serie, die jetzt bei Sky zu sehen ist.
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Als der Filmemacher Andrew Jarecki 2010 einen Anruf von Robert Durst bekam, hielt er das zunächst für einen Witz. Durst gilt als eine der rätselhaftesten Figuren der amerikanischen Kriminalgeschichte, ein exzentrischer New Yorker Milliardenerbe, der verdächtigt wird, drei Menschen ermordet zu haben, aber nie belangt wurde, der immer wieder mit bizarrem Verhalten in die Schlagzeilen geriet und sich ein ums andere Mal der Justiz zu entwinden vermochte. Aber Jarecki konnte dem Angebot Dursts, sich zur Verfügung zu stellen, nicht widerstehen. Vier Jahre lang hatte Jarecki die Geschichte von Durst recherchiert, um sie in seinem Kinofilm „All Good Things“ zu verfilmen. „Ich konnte unmöglich ein Gespräch mit einem Mann ablehnen, der sich dreißig Jahre lang den Medien gegenüber total verschlossen hatte“, sagte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Aber was sollte Dursts Kontaktaufnahme mit Jarecki, die zu dessen sechsteiliger HBO-Dokumentation „The Jinx“ führte? Sollte dies ein spätes Geständnis des Zweiundsiebzigjährigen werden? Eine Unschuldserklärung? Oder, wie sein Bruder Douglas befürchtete, eine medienwirksame Abrechnung mit der eigenen Familie? „Er wollte wohl nicht sterben, ohne seine Version der Geschichte erzählt zu haben“, sagt Jarecki, der in seiner oscarnominierten Dokumentation „Capturing the Friedmans“ schon einmal eine düstere Familiengeschichte nacherzählt hatte.

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„Nun ist es so weit. Sie haben dich“

Robert Durst, Sohn des New Yorker Immobilienmagnaten Seymour Durst, geriet 1982 in Verdacht, hinter dem Verschwinden seiner Ehefrau Kathie zu stecken. Erhärten ließ sich der Verdacht nicht. Als im Jahr 2000 Dursts Vertraute Susan Berman in Kalifornien ermordet aufgefunden wurde, fiel der Verdacht abermals auf ihn, angeklagt wurde er nicht. 2003 schließlich stand er vor Gericht, die Anklage: Er habe seinen Nachbarn ermordet. Durst wurde freigesprochen. Dass er die Leiche seines Nachbarn beseitigt hatte, erklärte er damit, er sei nach einem Unfall in Panik geraten.

Er habe diesen Menschen „erforschen“ wollen, sagte der Filmemacher Jarecki. Gelungen ist ihm dies nicht. Durst laviert sich mit ausdrucksloser Stimme und undurchsichtigem Mienenspiel durch die Gespräche und lässt den Filmemacher selbst Erklärungen aussprechen, denen er sich dann einfach anschließt. Als ein früher öffentlicher Gewaltausbruch Dursts gegen seine Frau auf einer Party zur Sprache kommt, sagt Durst: „Ich habe davon zwei Versionen gehört. Eine lautet, ich habe sie an den Haaren aus dem Haus gezogen. Die andere ist, dass ich so sehr an ihren Haaren gezogen habe, dass ich ihr ein großes Büschel ausriss. Beide Versionen sind ziemlich nah an der Wahrheit.“ Bisweilen scheint es, als vermenge Durst sein öffentliches Bild mit seinem eigenen Erleben und forme daraus eine Geschichte. Das ging auch Jarecki auf. „Ich musste mich fragen: Erzählt er eine Geschichte oder die Wahrheit? Und wann ist es eine Geschichte und wann die Wahrheit? Das veränderte sich dauernd.“

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Jareckis Dokumentation lässt zum Glück noch andere sprechen. Dursts Bruder Douglas etwa, der die Nachfolge im Konzern anstelle Roberts antrat und diesen fürchtet. Den Polizisten Cody Cazales, der es nicht verwindet, Durst nicht dingfest gemacht zu haben. Oder Dursts jetzige Ehefrau Debrah, „die Lady Macbeth der Geschichte“, wie Jarecki sagt. Ihren Erkenntnisgewinn verdankt die Doku-Serie „The Jinx“ einem Satz, den Robert Durst sagt, als er das Mikrofon abgeschaltet glaubt: „Nun ist es so weit. Sie haben dich. Was für ein Desaster. Was zur Hölle habe ich getan? Natürlich - ich habe sie alle umgebracht.“ Nach der Ausstrahlung der Serie im März bei HBO wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Anklage lautet auf Mord.

The Jinx - Der Unglücksbringer: Das Leben und die Tode des Robert Durst beginnt an diesem Donnerstag um 22 Uhr auf dem Abokanal Sky.

Quelle: F.A.Z.
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