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Serie „Why Women Kill“

Ich will dich leiden sehen

Von Julia Bähr
 - 18:25
Manche Frauen sollte man nicht verärgern: Lucy Liu hat als Societylady Simone gleich mehrere heikle Männergeschichten am Hals.

In der zweiten Folge von „Why Women Kill“ spricht plötzlich der Sohn der Nachbarn jenes Hauses, in dem die ganze Serie spielt. 1963 ist er noch klein und erfährt, dass jemand im Haus erschossen wurde. Er fragt seine Mutter, wie das sein könne, und sie antwortet: „Verheiratet sein ist nicht leicht.“ 1984 geschieht wieder ein Mord, er steht mit seiner Verlobten vorm Haus, die ihm erklärt: „Der Tod ist billiger als eine Scheidung.“ Und dann 2019, seine Verlobte ist inzwischen seine Frau, beide beobachten den Abtransport einer neuen Leiche vom gleichen Tatort, er sagt: „Und wieder endet eine Liebesgeschichte in Mord, ich verstehe das einfach nicht.“ Daraufhin schaut seine Frau ihn an und sagt: „Ich schon.“

Genau so wunderschön elegant wie diese Szene ist die ganze Serie von „Desperate Housewives“-Erfinder Marc Cherry aufgebaut. Sie erzählt von der Hausfrau Beth Ann (Ginnifer Goodwin) und ihrem Mann, die 1963 in das Haus in Pasadena ziehen, von der Society-Lady Simone (Lucy Liu), die mit ihrem dritten Ehemann 1984 dort lebt, und von der Rechtsanwältin Taylor Harding (Kirby Howell-Baptiste), die im Jahr 2019 mit ihrem Mann eine unkonventionelle Ehe im gleichen Haus führt. Aber nicht nur das Haus verbindet die drei Geschichten, sondern auch die Eifersucht. In jeder der drei Ehen spielt plötzlicher Betrug eine Rolle, Misstrauen und Lügen. Es sind nicht die Seitensprünge, die am Ende zu drei Toten führen – es ist alles drumherum. Zum Glück, denn die Frage, warum Frauen töten, wäre mit Eifersucht dann doch deutlich zu schlicht beantwortet. Überhaupt bieten die Morde am Ende noch einige Überraschungen in Bezug auf Täter und Opfer.

Wer macht hier wen kalt?

Auf dem Weg dorthin stehen Dialoge wie Schusswechsel und jede Menge grelle Farben: Die Serie umarmt jede Ära, in der sie spielt. Das Diner in den Sechzigern ist genau so liebevoll ausgestattet wie der Kleiderschrank in den Achtzigern – die wütende Lucy Liu in absurden Schulterpolstern ist wirklich sehenswert. Doch die Reaktionen der Frauen auf die Affären ihrer Männer sind sehr unterschiedlich. Eher verhalten agiert Beth Ann, die zuvor noch ihrer Nachbarin sagte: „Rob ist ein ganz fabelhafter Ernährer. Es ist eine Ehre, mich um ihn kümmern zu dürfen.“ Als sie erfährt, dass dieser fabelhafte Ernährer mit der Kellnerin des Diners schläft, kommt es am Abendbrottisch zu folgendem Dialog: „Ich frage mich, wann du stirbst.“ – „Was, wie bitte?“ – „Ob es eher früher oder später geschieht.“ Sie freundet sich zunächst sogar inkognito mit der Geliebten an, um ihren Mann zurückzugewinnen.

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Simone dagegen ist fuchsteufelswild, als sie Fotos von ihrem Mann mit einem anderen Mann findet. Sofort schmeißt sie ihn raus: „Ich will dich in einem Wohnzelt neben dem Busbahnhof leiden sehen, und ich lasse nicht zu, dass du mir diesen Spaß ruinierst!“ Doch dann kommt alles anders, die beiden arrangieren sich. Vorübergehend. Trotzdem ist immer klar, wer hier wen früher oder später kaltmacht, auch wenn die Gründe wechseln. Im Jahr 2019 ist das anders. Denn Taylor und ihr Mann Eli, ein Drehbuchautor mit Schreibblockade, führen eine offene Beziehung. Taylor bringt ihre Liebhaberin Jade mit nach Hause, weil die von ihrem Ex gestalkt wird, und als Eli sie ansieht, setzen sofort Streicher ein. Sie räumt das chaotische Haus auf und macht Pancakes zum Dank fürs Obdach. Beide sind ganz verzaubert von ihr und beginnen um sie zu konkurrieren. Taylor und Eli kämpfen beide mit ihrer Eifersucht, vor allem als noch ein anderes Paar auftaucht, zu dem Jade eine sexuelle Beziehung pflegt.

Das Feuer ist gelegt, aber wer kommt darin um? Das bleibt lange unklar, zum Glück, schließlich muss etwas Spannung bleiben. Aber eigentlich ist es nicht die Spannung, die den Zuschauer an diese Serie fesselt. Es sind die starken Kontraste, die durch die Zeitebenen und die unterschiedlichen Charaktere erzeugt werden. Simone würde den fabelhaften Ernährer Rob sofort in der Luft zerreißen, aber sie ist eben 1963 noch ein Kind. Und Beth Ann wäre wahrscheinlich begeistert und entsetzt davon, wie Taylor und Eli 2019 ihre Ehe führen. Die Zeiten ändern sich, sogar Menschen ändern sich, aber die Ehe ist immer ein verdammt gefährliches Unterfangen. Das bietet jede Menge Material für weitere Drehbücher: Die zweite Staffel hat CBS All Access bereits bestellt.

Why Women Kill läuft bei TVNow.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bähr, Julia
Julia Bähr
Redakteurin im Feuilleton.
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