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„Falk“ im Ersten

Der Dandy von heute trägt auch als Anwalt Samtjackett

Von Heike Hupertz
 - 18:15

Serien über Anwälte mit Menschlichkeitsmission gibt es wahrlich genügend im Fernsehen. Je krummer der eigene Lebensweg, umso verständnisvoller schlagen sie sich im Dienst der Gerechtigkeit. Bei „Falk“ liegen die Dinge etwas anders. Zweimal hat dieser Jurist schon berufliche Bruchlandungen hingelegt. Ist während einer Anhörung vor Gericht einfach aufgestanden und hinausspaziert. Hat in der noblen Düsseldorfer Kanzlei Offergeld den Bettel von jetzt auf gleich hingeschmissen. Um dann ein Restaurant mit Traumküche zu eröffnen und zielsicher in die Pleite zu führen.

Das Kaufmännische ist eben nicht sein Ding. Genauso wenig wie langweilige Mandanten mit viel Geld oder Routinemandate. „Ich kann den Beruf nicht leiden“, vertraut er seinem Haustier, einer Landschildkröte mit Lebenserfahrung, an. Da hat ihm Seniorpartner Offergeld (Peter Prager) gerade ein eindeutig unwiderstehliches Angebot gemacht. Für ein paar Fälle nur soll er in die Kanzlei zurückkehren, dann könne er sich mit neuem, solventem Geldgeber im Hintergrund wieder ganz dem Kochen widmen. Dass er mit Menschen nicht zurechtkommt, hält Offergeld für ein von Falk gezielt genährtes Gerücht. Auch wenn dieser einst gedroht hatte, die Katze einer Mandantin anzuzünden. Und im Auftaktfall dieser neuen, heiter bis lustig gemeinten Dienstagsserie der ARD erst einmal Wasser aus dem Aquarium des Ministerpräsidenten trinkt. Falks Methoden sind speziell bis skurril. Genau wie sein exzentrisches Erscheinungsbild mit farbigen Samtjacketts, Taschenuhr und schrillbunt gemusterten Socken.

Ein Tick freundlicher als die Konkurrenz

Nach dem multipräsenten Schmunzelkrimi nun die Schmunzelanwaltsserie. Vom Sender wird „Falk“ angepriesen wie die Neuerfindung des Genres, was selbstverständlich grober Unfug ist. Dass die Serie aber ihre Momente hat, liegt vor allem an Fritz Karl, der den genialischen Dandy-Anwalt hübsch blasiert auf alles Gewöhnliche herabschauen lässt wie ein Wiedergänger Oscar Wildes, um ihn umgehend auf Sherlock-Holmes-Betriebstemperatur zu bringen, sobald ein Fall nur ausreichend aussichtslos scheint.

Fernsehtrailer
„Falk“

Das Buch von Peter Güde (Regie Pia Strietmann, Kamera Eeva Fleig) stellt ihm mit der Juniorchefin Sophie Offergeld (Mira Bartuschek) eine Negativ-Blaupause zur Seite, wie sie in den Dienstagsserien der ARD obligatorisch scheint. Eine grundsolide Person, überaus strukturiert, langweilig wie ihre nichtssagenden Businesskleider, ansonsten Paragraphenreiterin mit Kontrollzwang, die schon Luftknappheit bekommt, wenn sie sich Falks Gegenwart nur vorstellt. Unangenehm berührt von der Rückkehr des Anwalts ist auch Kollege Bitz (Moritz Führmann), Fleißbiene und Schleimer von Gnaden. Komplettiert wird das Hauptpersonal durch Falks unkonventionelle Assistentin Trulla (Alessija Lause), die im neuen Büro erst einmal sämtliche Fachliteratur abräumt, um Platz für ein geschmacksfrei gemaltes Justitia-Nacktbild zu schaffen. Dass die Serie humoristische Ambitionen hat, zeigt sich in solchen Szenen arg überdeutlich.

Zum Auftakt gilt es, den nach der letzten Kommunalwahl politisch angeschlagenen Ministerpräsidenten Stein (Arved Birnbaum) vor einem Komplott zu retten. Es könnte bald jeder Wähler wissen, dass er bei seinen Landtagsreden rote Strapse und Hüfthalter unterm Anzug trägt. Anonym eingesendete Fotos aus der Umkleidekabine eines Dessousgeschäfts führen Falk zu seinem ersten Fall und einschlägigen Nachforschungen im Unterwäschebereich. Der Parteivorsitzende Weigand (Martin Armknecht) scheint ihm merkwürdig gut informiert. Bis zur Lösung des pikanten Falls gelingt es Falk, nicht nur ihn, sondern alle Beteiligten gründlich vor den Kopf zu stoßen.

Das Prinzip hat auch in den weiteren Folgen Methode. Ob Nacktbade-Nachbarschaftsstreit oder die Vertretung des Sängers Roberto Blanco (von ihm selbst gespielt) gegen einen Nachahmer, Lösungen sucht Falk dabei am liebsten außergerichtlich. Was ihn am Ende vielleicht noch einen seltsamen Tick menschenfreundlicher aussehen lässt als andere Fernseh-Anwälte. Es bleibt eben doch das meiste beim Alten am Seriendienstag im Ersten.

Falk, heute, Dienstag 15. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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