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Nicht kassieren, investieren!

Von Helmut Hartung
30.06.2021
, 17:11
Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV+ und Disney+ könnten bald zu Abgaben verpflichtet werden.
Produzenten von Film und Fernsehen fordern, dass große Plattformen zu Abgaben verpflichtet werden. In Frankreich ist das Standard. Was geschieht bei uns?

Frankreich ist das große Vorbild für die deutsche Filmwirtschaft: Die Zahl der Kinobesucher war vor der Corona-Krise doppelt so hoch wie in Deutschland, die Filmförderung beträgt das Zweifache der hiesigen, an zwei Tagen in der Woche ist es den Fernsehsendern verboten, Kinofilme auszustrahlen – um den Kinobesuch zu fördern – und der Hilfsfonds für coronabedingte Produktionsausfälle kam Monate früher. Jetzt ist das Nachbarland erneut Vorreiter in Europa, um Video-on-Demand-Portale zu zwingen, mehr in einheimische Film- und Fernsehproduktionen zu investieren. Vom 1. Juli an bestehen in Frankreich umfangreiche Investitionspflichten für Fernsehveranstalter und non-lineare Anbieter, die per Gesetz französische und europäische Produktionen durch Rechteankauf oder Koproduktionen unterstützen müssen. Die Quoten für Fernsehveranstalter reichen dabei von 3,2 Prozent bis 27 Prozent des Vorjahresumsatzes bei Kinofilmen – letztere Quote für Anbieter, die schwerpunktmäßig Filme ausstrahlen – und 15 Prozent bei anderen audiovisuellen Werken. Bei VoD-Anbietern mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro beträgt die Investitionsquote 26 Prozent. Eine ähnliche Regelung streben auch die deutschen Produzenten an.

Die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste des Europaparlaments und des EU-Rats eröffnet sowohl die Möglichkeit einer Beitragspflicht in nationale Filmfonds als auch – zusätzlich – die Verpflichtung zu Direktinvestitionen der im Ausland ansässigen Anbieter in europäische Werke, solange auch die inländischen Anbieter zu entsprechenden Abgaben verpflichtet werden. Das Ziel sei, „angemessene Investitionen in europäische Werke“ sicherzustellen.

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