Nach Corona-Erkrankung

Talkshow-Moderator Larry King ist tot

23.01.2021
, 14:30
Der amerikanische Talkmaster lag nach einer Infektion mit dem Coronavirus im Krankenhaus. Jetzt ist Larry King im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Tod des Talkmasters in Los Angeles wurde am Samstag auf seinem offiziellen Twitter-Account bekannt gegeben. Larry King wurde 87 Jahre alt. In der Mitteilung heißt es, King habe in den 63 Jahren seiner aktiven Tätigkeit in verschiedenen Medien Tausende von Interviews geführt und damit globale Anerkennung erreicht. Als Fernseh- und Rundfunkpersönlichkeit habe er einzigartiges und bleibendes Talent bewiesen.

King hat über Jahre Prominente, Politiker und umstrittene Persönlichkeiten interviewt, 25 Jahre lang leitete er auf CNN die Show „Larry King Live“. Er war für seine kurzen, direkten und klaren Fragen bekannt.

Seine Interviewpartner habe er immer als die wahren Stars seiner Sendungen angesehen, so die Erklärung auf Twitter. Er selbst habe sich immer bemüht, einen möglichst unvoreingenommenen, unverfälschten Draht zu seinem Publikum zu spannen.

Larry King war als Lawrence Harvey Zeiger am 19. November 1933 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren worden. Sein Vater Eddie stammte aus Österreich, seine Mutter Jennie aus Weißrussland. Kings Vater betrieb ein Restaurant und verstarb, als King neun Jahre alt war. Die Mutter brachte ihre zwei Söhne mit Sozialhilfe und als Näherin durch.

King besuchte die Highschool, danach schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, er arbeitete als Paketfahrer und Fensterputzer. 1957 aber begann seine Rundfunkkarriere – eine Karriere, die prototypisch für den amerikanischen Traum vom Aufstieg stehen könnte. King durfte bei einem kleinen Radiosender in Miami einen ausgefallenen Ansager vertreten. Er blieb beim Radio, legte Platten auf, war Sportreporter und moderierte. Von 1960 auch die Fernsehsendung „Miami Undercover“ für den Sender WTVJ-TV (Channel 10). Weil seinem Chef der Nachname„Zeiger“ zu jüdisch klang, verpasste er ihm den Künstlernamen King.

King schrieb fortan für verschiedene Zeitungen wie den „Miami Herald“, „USA Today“ und die „Sporting News“. 1978 bekam der Mann mit der sonoren Stimme mit der „Larry King Show“ seine eigene Radiosendung.

Als ihn Ted Turner 1985 zum Nachrichtensender CNN holte, begann Kings größte Zeit. In der „Larry King Show“ empfing er werktags von 21 Uhr an Talkgäste. Die Talkshow wurde in 165 Länder übertragen, Zuschauer konnten telefonisch Fragen an die Gäste richten. King führte mehr als 40.000 Interviews, darunter mit allen Präsidenten seit Richard M. Nixon.

Zu ihren besten Zeiten hatte Kings Sendung mehr als 16 Millionen Zuschauer, während der Präsidentschaftswahl 2009 waren es noch 1,5 Millionen, danach sank der Zuspruch auf 700.000 Zuschauer. In der Branche hieß es damals, CNN wolle den bis 2011 laufenden und auf 56 Millionen Dollar geschätzten Vertrag von King nicht verlängern. Kurz nach der 25-Jahr-Jubiläums-Sendung im Juni 2010 gab King seinen Abschied bekannt. Mit ihm endete eine Ära. „Larry King Live“ schaffte es ins Guinness-Buch der Rekorde als die am längsten kontinuierlich an einem Sendeplatz ausgestrahlte Show.

Sogar ein Mann namens Donald Trump saß King gegenüber, allerdings 1999, als Trump noch Immobilienunternehmer war. Trump beeindruckte King: Mit einem Kommentar in der Sendung über Kings Mundgeruch habe er ihn überrascht, schrieb King in seinem Buch „Truth Be Told“ von 2011. Trump sei fast eine „Karikatur seiner selbst“ mit dem Konzept „Wahrnehmung ist Realität“. 2016 nannte King Trump einen „großartigen Freund“, zum Präsidenten wählen könne er ihn aber nicht.

Als „Gigant im Rundfunk“ bezeichnete der damalige Präsident Barack Obama King, als dieser 2010 nach 25 Jahren das Ende von „Larry King Live“ verkündete. CNN zufolge kam er in 53 Jahren im Radio und Fernsehen auf 50.000 Interviews und mehr als 6000 Sendungen im CNN-Archiv. Über seinen Kleidungsstil sagte King zum Abschied: „Was immer ich im Leben tue, die Hosenträger werden bleiben.“

Fast so turbulent wie in seiner Show ging es auch in Kings Privatleben zu: Achtmal heiratete er, darunter eine Frau zweimal, und wurde Vater von fünf Kindern, zwei davon starben vor ihm. 1997 heiratete er seine siebte Frau - die Ex-Sängerin und Fernsehmderatorin Shawn Southwick - in einem Krankenhauszimmer in Los Angeles, drei Tage vor einer Herzoperation. Schon 1987 hatte er einen Herzinfarkt erlitten und gab im Jahr darauf das Rauchen auf. Zuvor rauchte er bis zu drei Schachteln Zigaretten pro Tag.

In seinem Buch „Truth Be Told“ erinnert sich King an die Planung seiner letzten CNN-Show, und wie ihm ein Radiomoderator in den Sinn kam. „Ich habe alle Fragen gestellt und alle Antworten gehört“, sagte dieser zu seinem Abschied aus dem Radio. „Ich nicht“, schreibt King. „Nach 53 Jahren fallen mir immer noch Fragen ein.“

Verstorben ist Larry King den Angaben zufolge offenbar an einer Covid-19-Infektion. Kurz vor dem Jahreswechsel war er in ein Krankenhaus in Los Angeles eingeliefert worden.

Quelle: FAZ.NET mit dpa/Munzinger
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