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Das Videospiel „Legend of Zelda“

Drück doch endlich die Schultertaste!

Von Tilman Spreckelsen
 - 07:47
Noch mal in Farbe: Waldläufer Link in der Wiederauflage von „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“

„Es war Ostern 93 oder 94, und ich zwar auf dem Höhepunkt pubertärer Ablehnung. Ich hatte ,Legend of Zelda: Link’s Awakening‘ im Apfelbaum hängend vorgefunden, und mein Vater und ich saßen noch auf der Sitzgruppe unter der Eiche in unserem Garten. Ich war stumm über mein Spiel gebeugt, Papa über molekularbiologische Fachliteratur; schweigende Eintracht.“ Dann fängt es an zu regnen: „Mein Vater hielt heldenhaft sein Buch über meinen Gameboy, während ich mich bemühte, meinen Spielstand noch zu speichern.“ So erinnert sich die Erzählerin von Raphaela Edelbauers Roman „Das flüssige Land“, der jüngst als Finalist ins Rennen um den Deutschen Buchpreis ging, an eine Episode aus ihrer Jugend.

Die Situation ist jedenfalls geradezu klassisch für die damalige Zeit (übrigens muss es 1994 gewesen sein, denn „Link’s Awakening“ erschien erst im Sommer 1993): Das pubertierende Kind spielt mit dem Gameboy und versinkt förmlich darin, inklusive der Sorge, das Erreichte nicht speichern zu können. Der Vater sitzt mit einem Buch daneben, versteht nicht, worum es im Spiel geht, meckert aber immerhin nicht über den blinkenden Bildschirm, sondern versucht sogar, ihn vor Regen zu schützen (und opfert dafür sein Buch, das stattdessen durchweicht wird).

Damit sich auch Eltern wieder in diesem Kosmos zurechtfinden

Ob es das wert ist, lässt sich jetzt zeitgemäß nachprüfen. Denn „Link’s Awakening“, eine frühe Episode der 1986 gestarteten, bis heute weltweit sensationell erfolgreichen Computerspielserie „Zelda“um die titelgebende Prinzessin und den ihr meist treu ergebenen jungen Helfer Link, wurde in diesem Herbst für die Switch neu aufbereitet.

Damit wird nicht nur eine Lücke gefüllt – der bislang letzte Ableger des Spiels, „Breath of the Wild“, erschien bereits 2017, bis zur Fortsetzung wird es unbestimmte Zeit dauern –, sondern die Adaption des frühen Spiels vom Gameboy auf die Switch verspricht auch Eltern, die seit „Space Invaders“ wenig Spielzeit vor dem Bildschirm verbracht haben und vor den Anforderungen heutiger Spiele rasch kapitulieren, dass sie sich möglicherweise auf diese Weise leichter in diesen Kosmos hineinfinden können.

Und das umso eher, je mehr Hilfe man hat. „Du hältst den Controller mit zwei Zeigefingern an den Schultertasten“, erklären unsere Kinder geduldig, als ich das Spiel ausprobiere. Am Anfang muss ich ohnehin nichts machen, der Vorspann zeigt ein Schiff, das durch einen Sturm fährt und entfernt an die Ästhetik der „Wickie“-Zeichentrickserie erinnert.

„Du machst Fortschritte“, sagen die Kinder

Das ändert sich, als das eigentliche Spiel beginnt. Ich steuere Link, der an einen Strand gespült wurde und den nun ein Mädchen findet. Im Hintergrund ist ein Dorf, dessen Hütten ich bald einzeln besuchen werde und wo ich alle möglichen Hinweise erhalte, die mir teils sofort helfen, teils eher kryptisch erscheinen. Und wenn ich im Dorf auf ein Kind stoße und neben uns die Schrift „a – reden“ erscheint („du musst den Knopf ,a‘ drücken“, rufen die Mitspieler neben mir ungeduldig, nur dass der Knopf vom vielen Drücken schon ganz abgewetzt ist und die Aufschrift „a“ fast eingebüßt hat), dann bekomme ich Warnungen oder Ratschläge, die offenbar dem Hinweisgeber selbst rätselhaft sind: „Warum? Ich hab keine Ahnung, ich bin noch ein Kind.“

Schneller, als mir lieb und gut für mich ist, muss ich mich meiner Haut wehren. Weil ich mich dabei so ungeschickt anstelle, liegt Link bald erschlagen am Boden. Oder er stirbt an Elektroschocks, die er im Vorbeilaufen erhält. Nachdem er ein Schwert und einen Schild bekommen hat, geht die Sache etwas besser, aber nicht viel („Drück die Schultertaste! Drück doch endlich die Schultertaste!“). Irgendwann kriege ich es hin, den Schild zu heben und mit dem Schwert wüst um mich zu schlagen. Eine Fee heilt meine Wunden, dann erwischt mich wieder ein Elektroschock. „Du machst Fortschritte“, sagen die Kinder, „du bist nicht so schnell gestorben wie davor.“ Besten Dank auch!

Als ich im Wald einen Pilz finde und zu einer Hexe bringe, die in einer der Hütten in einem großen Kessel herumrührt, bekomme ich ein Pulver. Das bringt sogar die fiesen Geschöpfe mit dem Elektroschocker zum Reden – es gebe „drei Lieder auf der Insel, denen ein Zauber innewohnt“, sagen sie, und dann erwischt mich der nächste keulenschwingende Gegner.

Dass es trotzdem vorangeht, merke ich an den Helfern, die mich weiter durch die bei allem Ärger doch recht hübsche Landschaft lotsen. Eine Eule kommt geflogen und schickt mich zu einem Palast, in dem ein Musikinstrument auf mich wartet, von dem ich später erfahre, dass es eines von mehreren ist, die ich finden muss, um die Insel wieder verlassen zu können. Ich kämpfe in Verliesen gegen Fledermäuse, hüpfe über rollende, nagelbewehrte Achsen und kann meine neue Fähigkeit, zu springen, erst einsetzen, nachdem ich die Tasten auf dem Controller neu belegt habe („du hast schon wieder falsch gedrückt!“), und ein Spiel im Verließ verlangt mir soviel Koordination ab, dass Link tausend Tode stirbt, buchstäblich.

Sollte ich nicht endlich abspeichern? Wie soll ich speichern, wenn ich noch immer keinen Weg gefunden habe, die Truhe am Ende des Raums zu erreichen? Und vielleicht ist das unter all den Lehren dieses Spiels die beste: So also ist das, wenn man unbedingt weitermachen möchte und die anderen das nicht einsehen.

The Legend of Zelda: Link's Awakening ist für Nintendo Switch erhältlich und kostet etwa 50 Euro.

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Computerspiel
„The Legend of Zelda: Link's Awakening“

Quelle: F.A.Z.
Tilman Spreckelsen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Tilman Spreckelsen
Redakteur im Feuilleton.
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