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Seppelt darf zur WM

Bei Einreise droht Verhör

Von Michael Hanfeld
 - 18:17

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) schaut sich etwas bei Donald Trump ab: Wichtige Dinge werden im Handumdrehen per Twitter mitgeteilt. Wichtig war am Dienstag, dass die russische Regierung das gegen den ARD-Doping-Rechercheur Hajo Seppelt zur Fußball-Weltmeisterschaft verhängte Einreiseverbot aufgehoben habe. Ob das bedeutet, dass der Journalist von der WM berichten kann, schien allerdings noch unklar. Heiko Maas sprach von einem „Zwischenerfolg“. Die russische Seite habe mitgeteilt, dass Seppelt „zur WM einreisen darf. Setzen wir uns weiter für freie Berichterstattung ein“, schrieb Maas.

Nach freier Berichterstattung klingt die wenig später bekundete Absicht der russischen Justiz, man wolle Seppelt vernehmen, falls er einreise, nicht. Es gehe um laufende Ermittlungen gegen den Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow, sagte die Sprecherin des Staatlichen Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko. Man habe Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über „angebliches“ Doping zu befragen. Die deutsche Seite habe stets darauf verwiesen, dass der Journalist von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch mache. „Sollte Seppelt jetzt das Gebiet der Russischen Föderation betreten, wird das Staatliche Ermittlungskomitee abermals Mittel ergreifen, um ihn zu befragen“, sagte Swetlana Petrenko in Moskau.

Die russische Botschaft in Berlin gab zu Protokoll, Seppelt sei gerichtlich zur unerwünschten Person erklärt worden. Die Reise zur WM sei „eine Ausnahme“, bedingt durch die Akkreditierung des Fußballverbands Fifa, sagte Botschaftssprecher Denis Mikerin der Agentur Tass zufolge. Seppelt könne bei der WM ungehindert journalistisch arbeiten. Die Fifa teilte mit, für Seppelt sei ein Visum genehmigt worden. Fifa und „Gastgeber Russland“ würden „für alle akkreditierten Medienvertreter die bestmöglichen Arbeitsbedingungen bieten“.

Hajo Seppelt hatte 2014 mit seinem Bericht „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ maßgeblich zur Aufklärung des russischen Staatsdoping-Systems beigetragen. 2015 legte er mit der Sendung „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ nach, im Jahr darauf folgten der dritte und vierte Teil mit den Untertiteln „Russlands Täuschungsmanöver“ sowie „ Showdown für Russland“.

In den Dokumentationen legte Seppelt mit seinen Ko-Autoren dar, wie russische Funktionäre und Sportler in ein Doping-System verstrickt sind. Eine Folge der Enthüllungen war, dass ein Großteil der russischen Athleten von den Olympischen Sommerspielen 2016 ausgeschlossen wurde. Auch danach blieben Seppelt und die Doping-Rechercheure am Ball. 2017 legten sie einen Bericht zu Doping im russischen Fußball vor, Anfang dieses Jahres ging es darum, dass sich das Internationale Olympische Komitee eher der Form halber mit dem russischen Staats-Doping beschäftigt habe. Die Informanten und Hajo Seppelt waren immer wieder Nachstellungen von russischer Seite ausgesetzt. Russland bestreitet, dass es ein staatlich organisiertes Doping-System gegeben habe.

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ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky äußerte sich abwartend: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns noch keine offiziellen Informationen vor. Aus diesem Grund können wir uns dazu im Moment nicht weiter äußern.“ Seppelt selbst bleibt ebenfalls vorsichtig: „Für mich ist das überraschend“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich habe nicht erwartet, dass sich das so schnell wieder ändern würde. Jetzt müssen wir in der ARD intern abstimmen, wie wir damit umgehen. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass man mich vor einem Staatlichen Untersuchungskomitee vernehmen will. Dass ich das als Journalist einigermaßen befremdlich finde, können Sie sich vorstellen.“

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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