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Rolle in „Kir Royal“

Schauspielerin Billie Zöckler gestorben

Von Axel Weidemann
 - 17:30
Die Schauspielerin Billie Zöckler,  geboren am 18. Januar 1949 in Celle, gestorben am 20. Oktober 2019 in München.

Ein Allgemeinplatz zwar, doch kann es gar nicht oft genug wiederholt werden: Sekretärinnen halten die Welt zusammen. Selbst, wenn es sich dabei um eine schrecklich schöne Scheinwelt handelt, wie in Helmut Dietls Serie „Kir Royal“ (1986), die von den Eskapaden des Münchner Klatschreporters Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) erzählte.

Der wiederum wäre nicht mal der halbe Mann gewesen, der er war, hätte ihm nicht Billie Zöckler als seine Sekretärin Edda Pfaff zur Seite gestanden, die nicht nur so hieß, sondern auch in die Tasten hauen konnte wie eine Nähmaschine. „Aber Bibi so was schreibt man doch nicht“, hauchte sie zart ins Telefon, wenn Schimmerlos mal wieder brüllend einen seiner Scoops durch den Hörer diktierte, als beispielsweise „Prinzessin Kathi von Mandalia“ im „durchsichtigen Nachthemd“ und „bei Champagner“ von einem berüchtigten Schweizer Waffenschieber Kampfhubschrauber geordert hatte. Billie Zöckler versah ihre Rolle mit einem soliden Flor der Ordnung und der Moral, durch den jedoch stets der Schalk stach.

Geboren am 18. Januar 1949 im niedersächsischen Celle, zog es Billie Zöckler bald nach Süden. In München ließ sie sich am Münchner Prozessionstheater ausbilden und spielte danach unter anderem in Basel. Ihr Bildschirm-Debüt gab sie 1982 in Helmer von Lützelburgs „Die Nacht des Schicksals“ und „Neonstadt“. Unter dem klingenden Rollennamen Mimi Schrillmann sang sie in „Im Himmel ist die Hölle los“ dem Showmaster Willi Wunder (Dirk Bach) vor, wie es ist, eine Zitrone zu sein – nebst eines Textes, der es heute vermutlich so nicht ins öffentlich-rechtliche Fernsehen schaffen würde.

Dieser skurrile Auftritt machte sie deutschlandweit bekannt. Bald darauf war sie in „Kir Royal“ zu sehen und als hemdsärmelige Gaunerin in Doris Dörries „Geld“ (1989). Den meisten dürfte das markante Gesicht mit den neugierigen, großen Augen allerdings aus diversen Nebenrollen in den Vorabendserien der neunziger Jahre bekannt sein.

Billie Zöckler meisterte die „Tücken des Alltags“, betreute ein „Heim für Tiere“, tauchte in „Liebling Kreuzberg“ auf und gab Schwester Platania in der italienisch-deutschen Serie „Die Kinderklinik“. Auch später noch setzte sie in Kinokomödien wie Michael „Bully“ Herbigs „Wickie und die starken Männer“ (2009) sowie zuletzt in der Funk-Serie „Patchwork Gangsta“ blitzende Akzente im Kleinen. Darin war die 1,54 Meter große Schauspielerin aus Celle eine Meisterin. Am vergangenen Sonntag ist Billie Zöckler in ihrer Wohnung in München-Schwabing gestorben. Sie wurde siebzig Jahre alt.

Quelle: faz.net
Autorenporträt / Weidemann, Axel
Axel Weidemann
Redakteur im Feuilleton.
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