Meghan Markles Medientour

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EIN KOMMENTAR Von Nina Rehfeld
23.11.2021
, 07:34
Ein Herz und eine Seele: Meghan Markle und Ellen DeGeneres.
Auf ihrer PR-Tour in eigener Sache hat Meghan Markle zuletzt Station bei ihrer Freundin Ellen DeGeneres gemacht. Das war sehr peinlich. Was kommt als nächstes?
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„Gewieft langweilig“, schrieb die Washington Post über den Auftritt von Meghan Markle bei Ellen DeGeneres in der vergangenen Woche. Es war der Gegenentwurf zu dem Aufschlag bei Oprah Winfrey im März, als Meghan und Harry, Herzogin und Herzog von Sussex, die britische Monarchie angriffen. Sie beklagten angeblichen Rassismus, eine Hetzjagd der Presse, wiesen den Vorwurf zurück, Markle habe Mitarbeiter schlecht behandelt. Es war ein lukratives Ereignis: Die Rechte an der Show wurden für 1,7 Millionen Pfund an den englischen Sender ITV verkauft.

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Meghan Markle pflegte ihre Marke hernach mit Auftritten für gute Zwecke (Impfkampagne, Besuch afghanischer Flüchtlinge), die Geburt ihres zweiten Kindes wurde ohne Fotoveröffentlichung verkündet. Zu ihrem 40. Geburtstag produzierte Markle einen selbstironischen Videochat mit Melissa McCarthy. Als Herzogin von Sussex wiederum wendete sie sich an die amerikanische Politik, insbesondere die Demokraten, um für bezahlte Elternzeit zu plädieren, gespickt mit Ausführungen über ihr eigenes Aufwachsen unter angeblich prekären Bedingungen.

Harry liebt Kalifornien

Und nun also das Gespräch mit Ellen DeGeneres. Der Inhalt? Meghans Kinder hatten keine Lust auf Halloweenkostüme. Harry liebt Kalifornien, Archie liebt Hühner und Tanzen. Ellen und Me­ghan sind alte Freundinnen und haben schon gemeinsam Hunde adoptiert. Meghan liebt Tanzen und Kochen. All dies war Gegenstand einer Talkshow, deren Ende Ellen DeGeneres kürzlich bekannt geben musste, nachdem Mitarbeiter ein toxisches Arbeitsumfeld beklagt hatten.

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Wie viel schöner ist es doch, noch einmal über Meghan Markles Kinderbuch „The Bench“ zu sprechen, das, wie sie sagte, eine Ode an ihren Ehemann Harry in seiner Rolle als Vater sei. Unter dem Motto „Kindness“, also Güte, tritt wiederum Ellen DeGeneres auf. Eine Rubrik ihrer Show heißt „Cash for Kindness“. Da geht es nicht wirklich gütig zu: Normale Menschen, die nicht wissen, dass man sie filmt, werden an der Nase herumgeführt und dafür mit einem Geldpreis „entlohnt“. In der Episode mit Meghan Markle waren es Händler, die auf dem Studiogelände der Show Kristalle oder scharfe Soßen feilboten, während Markle über versteckte Kopfhörer von DeGeneres aus dem Studio angewiesen wurde, sich möglichst seltsam zu benehmen.

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Manche fanden das lustig („herrlich komisch“, schrieb Harper’s Bazaar, Marie Claire attestierte der Herzogin „Anmut und Humor“). Anderen erschien es unwürdig. Markle „hat nie den Unterschied zwischen Berühmtheit und Hoheit begriffen, wie dieses erstaunlich fürchterliche und geschmacklose Interview beweist“, sagte Anna Pasternak, Autorin eines Buchs über Wallis Simpson (die „stets würdevolle“ Amerikanerin, deretwegen König Edward VIII. 1936 abdankte), bei Fox News. Die Washington Post dagegen meinte, es sei ganz geschickt, wie sich Meghan Markle als Durchschnittsamerikanerin zu verkaufen suche, die nur den Dienst an der Gemeinschaft im Sinn habe. Am Ende feierten DeGeneres und Markle ihre eigene Wohltätigkeit mit einer Spende von vierzigtausend Dollar an eine alleinerziehende Mutter mit drei Jobs, die in ihrer Freizeit Kindern gratis die Haare schneidet. DeGeneres stellte dem jubelnden Publikum üppige Weihnachtsgeschenke in Aussicht.

Derweil erinnert die Daily Mail an einen Zusatz der amerikanischen Verfassung aus dem Jahr 1810: Ihm zufolge darf niemand Präsident werden, der einen Adelstitel einer fremden Macht trägt. Da muss sich die Herzogin von Sussex, der höchste Ambitionen nachgesagt werden, wohl etwas einfallen lassen.

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Quelle: F.A.Z.
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