Meghan und Harry bei Oprah

Die Wahrheiten der Herzogin

EIN KOMMENTAR Von Ursula Scheer
08.03.2021
, 17:04
Zeugen der Anklage in eigener Sache: Prinz Harry und Meghan Markle bei Oprah Winfrey
Meghan Markle und Prinz Harry haben bei Oprah Winfrey ausgepackt. Die Frage ist nur, ob man den Schilderungen vorbehaltlos Glauben schenken soll.

Jetzt reden die Sussexes – und in den traditionellen Medien wie auf den Social-Media-Plattformen schlagen die Wellen hoch um diese neue Eskalationsstufe des „Megxit“. Der Erkenntnisgewinn freilich, so man solcherlei vom Reality-Spinoff von „The Crown“, das wir hier gewissermaßen erleben, tatsächlich erwartet, liegt bei null.

Was Meghan Markle, seit ihrer Eheschließung mit Prinz Harry Herzogin von Sussex, bei Oprah Winfrey zum Teil unter Tränen vor großem Fernsehpublikum kundtut, bestätigt nur längst gefestigte öffentliche Meinungen über die Ex-Schauspielerin und den Mann an ihrer Seite, ob nun positive oder negative.

Sie sei vom Palast der Yellow Press schutzlos preisgegeben worden, es habe rassistische Ressentiments gegeben, sie habe nicht mehr leben wollen, sagt Meghan. Sein Vater habe ihn nicht ausreichend unterstützt, auch finanziell nicht, gibt Harry zu Protokoll.

Wer „Team Meghan“ ist, so verrät ein Blick in die Presseberichte und Kommentare dies- und jenseits des Atlantiks, nickt bestürzt und applaudiert. Wer dem Narrativ der Sussexes dagegen misstraut, markiert mit Fragezeichen die Aussagen des Paars und fragt nach der Berechtigung zum Klagen auf solch hohem Niveau.

Dass jede Geschichte mindestens zwei Seiten hat, ist klar; dass die Wahrheit nur die Beteiligten kennen und sie niemals das globale Publikum erreicht, ebenso. Für Letzteres sind die medial maximal ausgeschlachteten Familieninterna der Windsors, die in jeder Generation skandalträchtige Neuauflagen erleben, ohnehin nur Entertainment. Man stelle sich vor, wir hätten solchen Ärger mit irgendwelchen Hohenzollern-Abkömmlingen. Nein, lieber nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Scheer, Ursula
Ursula Scheer
Redakteurin im Feuilleton.
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