Mozartjahr

Wie der Biß auf eine Mozartkugel

Von Hans Ulrich Gumbrecht
Aktualisiert am 31.12.2005
 - 19:38
Nur Hostien wurden mehr verzehrt: Mozartkugel
Das Mozartjahr hat noch nicht richtig angefangen, da nervt es schon so sehr, daß man mit Mozartkugeln um sich werfen möchte. 250 Jahre nach seiner Geburt heißt die Frage: Wird Mozart das Mozartjahr überstehen?

Eineinhalb Milliarden Mozartkugeln nach etwa dreißig verschiedenen Rezepten sollen bis heute produziert und gegessen worden sein, was wohl nur übertroffen wird von der Zahl der Hostien, die von katholischen Priestern ihren Gläubigen seit der Erfindung der Mozartkugel auf die Zunge oder in die Hand gelegt worden sind. Doch nicht um die Zahlen geht es, sondern um die einerseits in theologischen Begriffen verhüllte und andererseits einfach verkaufsfördernde Begierde, sich das einzuverleiben, was man für göttlich hält. Denn Mozart ist mehr als der „Weltmeister“ aller Komponisten, wie es definitiv der Pianist Friedrich Gulda einmal konstatierte. Nur Mozarts Musik finden wir „übermenschlich schön“, „seligmachend“ und „tröstlich“. Wenn der Papst feststellt, daß „Mozart schön ist, wie die Schöpfung schön ist“, dann wird ihn niemand der Blasphemie bezichtigen oder gar unterstellen wollen, er mißbrauche die Universalität seines Amts, um einen Giganten der (im historischen Sinn) deutschen Kultur ins nachhaltige Licht einer religiösen Aura zu rücken. Selbst der „Spiegel“ dekretiert, ganz ohne Ironie, daß Mozart „das größte Geschenk ist, das die deutsche Kultur der Welt gemacht“ habe, und unterbietet dabei doch Wolfgang Hildesheimer, der Mozart „ein unverdientes Geschenk an die Menschheit“ schlechthin nannte.

Auf Mozarts Musik angewandt, gehört das Wort „göttlich“ nicht zum Repertoire verbrauchten rhetorischen Pomps, sondern deutet auf eine Ahnung von Glück, die sich ohne weiteres einstellen kann, auch ohne musikalische Vorbildung und ohne die von Gedenkjahren vervielfachten Fingerzeige auf das Klassische. Pompös und eher kitschig wirken nur die Bemühungen zur interpretatorischen und inszenatorischen Aktualisierung, deren Mozarts Werke nicht bedürfen, weil ihre Schönheit bei aller Komplexität so einfach und arglos ist, wie wir uns den Himmel auf Erden wünschen. Eben diesen Effekt des göttlich Beglückenden zu durchdenken ist die intellektuelle Herausforderung von Mozarts Musik, welche das Gedenkjahr paradoxerweise deshalb noch steigert, weil die Qualität dieser Musik aller Gedenkjahresbeflissenheit spottet.

Die Welt ist Brennstoff

Sie spottet aber auch der Standardreaktion vieler musikalisch Gebildeter, die Mozart hintanstellen wollen, weil sich kein kulturelles Kapital daraus schlagen läßt, seine Musik - so wie das alle musikalisch Ungebildeten auch tun - zu lieben. Denn auf philosophische und also begrifflich auslotbare Tiefen wird man in ihr nicht stoßen, was erklärt, warum Mozarts Kurswert immer dann sank, wenn eine kulturelle Gegenwart - wie zum Beispiel das späte neunzehnte Jahrhundert - dazu neigte, der Musik zuzumuten, was sie nicht sein kann und sein soll: nämlich der Ausdruck von hehren oder, schlimmer noch, von bloß komplizierten Gedanken.

Nicht einmal Mozarts faszinierendes Leben hat ästhetisch belangvolle Spuren in den Werken hinterlassen. Die einleuchtende Formel des amerikanischen Historikers Peter Gay, wonach Mozarts Genie über seine Rolle als Wunderkind triumphiert hat, bedeutet ja auch, daß sich diese Werke in ihrer Abfolge dem wohlbekannten biographischen Bogen nicht fügen, welcher sonst von der Jugend über Reife zur Vollendung führen soll. Wie sein Leben, das fast entwicklungslos die Erscheinung, Dauer und Entrückung von Genie war, so weist auch Mozarts Musik die üblichen Kontextkoordinaten der Kunst- und Musikgeschichte ab. Kaum eine wichtige kompositorische Innovation, bilanzieren konsterniert die Spezialisten, kann man Mozart zuschreiben. Zum Typ des „genialen Vorläufers“ gehörte er nicht. Daß Mozart es unter seiner Geniewürde fand, wie ein typisch romantischer Künstler etwas vor der romantischen Zeit, einem sehr provinziellen Erzbischof zu dienen, während ihm daran lag, als „deutscher Musiker“ zu gelten, blieb am Ende nebensächlich. Denn ohne weiteres nahm er bald eine (eher bescheiden dotierte) Stelle am Hof Josephs II. an und komponierte ganz selbstverständlich Opernmusik auch für italienische Libretti.

Nie nahm Mozart die Konventionen seiner Lebenszeit ernst als Orientierung für sein Werk. Die Welt, in der er lebte, mit den oft opulenten, aber immer schon im voraus ausgegebenen Honoraren, mit seiner Spiel- und Wettsucht, mit seiner ganzen Familie und selbst der eigenen physischen Existenz, war für ihn nichts als eine Oberfläche ohne Tiefe. Die Welt war für Mozart der Brennstoff seines Werks, eine Substanz, die, von ihm geformt, immer und unausweichlich zu schönster Musik wurde. Selbst dem Tod im fünfunddreißigsten Jahr seines Lebens an „hitzigem Frieselfieber“ stemmte er sich kaum entgegen, und der Zufall, daß ausgerechnet jene Wochen der Agonie zum Anfang eines Requiems wurden, wirkt wie ein Wahrheitsemblem auf den ebenso hemmungs- wie bedingungslosen Weltstoffwechsel von Mozarts Schaffen.

Was immer in den Strahl seiner Aufmerksamkeit fiel, wurde zum Anlaß und zur Substanz für eine Verwandlung in die Formen von Rhythmus, musikalischer Variation und Spiel. Nirgends ist dieser Mechanismus deutlicher greifbar als in den verbalen Kaskaden seiner Briefe an die Augsburger Cousine, das „Bäsle“, wo die Wörter weniger vergangene erotische Erfahrungen und skatologische Späße beschreiben, als immer nur andere, neue, manchmal nie gehörte Wörter heraufbeschwören. Noch im Medium der Schrift erzeugt der vorgestellte Klang jeden Worts wieder ein Wort, ein in Verballhornung variiertes Wort - und ganz wörtlich gibt es kein Wort-Einhalten: „Allerliebstes Bäsle, Häsle! Ich habe dero mir so wertes Schreiben richtig erhalten - falten, und daraus ersehen - drehen, daß der Herr Vetter - Retter und die Frau Bas - Has, und Sie - wie recht wohl auf sind - Rind; wir sind auch Gott Lob und Dank recht gesund - Hund. Ich habe heute den Brief - schief von meinem Papa - haha! auch richtig in meine Klauen bekommen - strommen. Ich hoffe, Sie werden auch meinen Brief, - trief, welchen ich Ihnen aus Mannheim geschrieben, erhalten haben - schaben. Desto besser, besser desto! - Nun aber etwas Gescheutes. Mir ist sehr leid, daß der Hr. Praelat - Salat, schon wieder vom Schlag getroffen worden ist - fist; doch hoffe ich, mit der Hülfe Gottes wird es von keinen Folgen sein - Schwein. Sie schreiben mir - Stier, das Sie Ihr Versprechen, welches Sie vor meiner Abreise von Augsburg getan haben, halten werden und das bald - kalt; nu, das wird mich gewiß freuen - reuen.“

Der Klang ist eine Tatsache

Ob es zutrifft, wie der „Spiegel“ suggeriert, daß Mozart am Tourette-Syndrom litt, einer „psychischen Störung mit einer ganzen Reihe von Tics, wie dem Grimassenschneiden, dem Grunzen, dem Ausstoßen schmutziger Worte“, die am besten durch automatisierte Bewegungen, etwa die Bewegungen eines Klaviervirtuosen, in Ruhe zu halten sind, werden wir nie mit Sicherheit wissen. Als gewiß kann aber gelten, daß die in Musik überspielten Produkte von Mozarts Welt-Stoffwechsel seine Kollegen und Rivalen zur Verzweiflung trieben. Zwar ist es bloß eine Legende, daß der sechs Jahre ältere, Mozart nicht nur heimlich bewundernde und ansonsten in Wien noch viel erfolgreichere Hofkomponist Antonio Salieri seinen Kollegen mit unters Essen gemischten Quecksilberdosen zum Tod gebracht haben soll. Doch daß ein Musiker vom Kaliber Salieris mit seinem Gott gehadert haben könnte, wie es uns Milos Formans wunderbarer Film „Amadeus“ vorstellen läßt, weil er Gott unterstellte, die unter ihrer gelblichen Haut und mit ihren dummen Späßen so unwürdig wirkende zwergenhafte „Kreatur“ Mozart zum Schöpfer der vollkommensten Musik erwählt zu haben, das ist allemal plausibel.

Aber was an Mozarts Musik macht ihre einzigartige Schönheit aus? Und warum verführt sie selbst die Agnostiker und Atheisten unter uns zu Assoziationen mit dem Göttlichen, wenn es nicht Innovationskraft ist, nicht zum Ausdruck gebrachte Gedankentiefe und schon gar nicht durchklingende menschliche Größe oder gar die literarische Qualität von Opernlibretti, welche - mit „Figaros Hochzeit“, „Don Giovanni“ und „Cosi fan tutte“ - höchstens den banalen Durchschnitt anderer Libretti überbietet, um am Ende in der „Zauberflöte“, allen gelehrten und auch sachlich zutreffenden Interpretationen zum Trotz, den Bodensatz der Trivial-Aufklärung zu erreichen? Mozarts Musik läßt uns erleben, was Musik am besten und vielleicht allein bewirken kann. Im Hören macht sie uns wieder zu einem Teil der materiellen Welt. Auch wenn wir Klänge nie sehen, sind sie doch eine materielle Realität, die nicht nur unser Gehör, sondern unseren gesamten Körper affiziert. In Klängen berührt uns die materielle Welt, doch sie berührt uns in der leichtesten, unaufdringlichsten Weise. Klänge, die Musik sind, hüllen uns - anders als Klänge, die wir als Lärm registrieren - in eine Form der materiellen Welt ein, welche angenehme Komplexität und Bewegung hat.

Solange wir - mit unserem ganzen Körper - Musik hören, sind wir entlastet von der Verpflichtung zur permanenten Mobilmachung unserer Körper. Für einen kurzen Zeitraum dürfen wir Körper „sein“, wie es der Philosoph Helmuth Plessner beschrieben hat, ohne unsere Körper wie Instrumente „haben“ und benutzen zu müssen. Unserem Bewußtsein aber, das darin besteht und sich damit erhält, all dem, was der Körper wahrnimmt, Sinn und Bedeutung zuzuschreiben, verweigert Musik genau diese Sinngebungsmöglichkeit.

Gewiß, das Hören von Musik kann Flüge von Gedanken und Assoziationen auslösen - aber diese Flüge werden immer zu individuellen Fluchtbewegungen weg von der Musik. Musik selbst ist keine Sprache, an deren Formen stabile Bedeutungen hängen, und weil sie keine Sprache ist und mithin als Gegenstand des Bewußtseins dessen Sinngebungsaktivität unterbricht, reagiert das Bewußtsein, solange es auf Musik konzentriert bleibt, stets mit dem, was wir „Gefühle“ nennen können. Das heißt, unser Bewußtsein reagiert auf Musik mit einer Konzentration auf die wechselnden Zustände unserer Körper und überbrückt damit jene Momente, in denen es nicht sich selbst aus Sinngebungsaktivität erhalten kann. So bringt uns Musik dahin, unsere Körper wieder zu bewohnen und mit unseren Körpern die Welt der Dinge. Darin wohl liegt das Glück, welches nur Musik uns schenkt.

Aber dies ist noch immer nicht mozartspezifisch. Eher handelt es sich um fast selbstverständliche und deshalb von den sinngeschäftigen Musikkritikern gerne übersehene Fakten aus der Selbstbeoachtung jedes Musikhörens. Mozartspezifisch an Mozarts Musik könnte sein, daß sie ausschließlich auf diese grundlegenden Möglichkeiten konzentriert ist und sie mit schier grenzenloser Produktivität nutzt. Wir haben gesagt, daß Mozarts Musik uns die Substanz der Welt zurückgibt, aus der sie entsteht, indem uns seine Werke in die komplexen Formen ihrer unsichtbar-leichten Klangmaterialität einhüllen. Die einzelnen Formen aber, aus denen diese Formkomplexität in Mozarts Werken entsteht, sind durchaus elementar.

Denken Sie an jene Momente in seinen Symphonien, Streichquintetten oder Arien, wo der Klang für einen Sekundenbruchteil aussetzt und dann zurückkehrt mit dem Anheben von einem oder mehreren Instrumenten, das so zart und bestimmt auf unsere Körper fällt wie die Berührung einer liebenden Hand. Erinnern Sie sich an den Auftakt von Ouvertüren, die Sie mit physischer Gewalt attackieren, um sich rasch in Klangräume umzukehren, deren Wärme uns anzieht. Sie wissen, wie sehr man sich nach den Mustern von Rhythmus und Melodie sehnen kann, welche am Beginn von Mozartwerken aufscheinen, so daß der Fortgang der Musik und des Hörens zu einem Spiel mit dieser Sehnsucht wird, ohne je die Erfüllung des Wunsches nach Wiederkehr bis zum Ende zu verweigern, wo spätestens das ersehnte Motiv verändert, komplexer und doch als dasselbe wiederkehrt.

Einer meiner Freunde liebt nichts mehr als jene Momente bei Mozart, wo sich eine von der Oboe ausgehende Klangform über die anderen Töne hebt und die Begierde weckt, mit dem Oboen-Ton wie eine Lerche zu fliegen. Selbst fürchte und genieße ich am meisten das Drama der kalten Moll-Klänge, welche nie das Versprechen und die Sehnsucht ganz unterdrücken, zu einer Dur-Stimmung zu gelangen, in der man ganz wach ruhen könnte.

Die Seele ist im Ellenbogen

Sollte aber tatsächlich eine solche Konzentration auf elementare Möglichkeiten der Musik das sein, was Mozart unüberbietbar (und auch gedenkjahrresistent) macht, warum gehört dazu die Versuchung, seine Werke mit allerhand überirdischen Dimensionen zu assoziieren? Ein junger Kollege aus der Musikologie sagt mir, zutreffend wohl und ganz unmetaphorisch, daß Mozart eben etwas von der Liebe verstand. Für ältere und spirituell minderbegabte Hörer bietet sich als Antwort auf dieselbe Frage der Vorschlag an, den Eindruck des „Himmlischen“ oder „Göttlichen“ zu übersetzen in den Begriff von der „Anmut des Seins“. Was immer Martin Heidegger genau gemeint haben mag, wenn er vom „Sein“ sprach, das sich dem menschlichen Dasein in raren und nicht zu erzwingenden „Wahrheits-Ereignissen entbergen“ soll. „Sein“ gehört jedenfalls nicht zur immateriellen Dimension der platonischen Ideen oder gar der Bedeutungen. „Entborgenes Sein“, glaube ich, meint Dinge, individuelle Dinge, Dinge, die Raum einnehmen und Formen haben - und zwar während jener ereignishaften Momente, in denen sich unser eigenes Dasein, das für Heidegger immer auch körperliches Dasein im Raum ist, in ein Verhältnis zur Welt der anderen Dinge setzt und sich als ihr zugehörig erlebt. Entborgenes Sein, das ist die Welt der Dinge, wenn wir ihr Teil sind, statt ihr - wie Subjekte einem Objekt - gegenüberzustehen.

In diesem Sinn ist es eine Seinserfahrung und auch eine Erfahrung der Liebe, sich von der komplexen materiellen Form, die Mozarts Musik ist, berührt, umhüllt und einbezogen zu fühlen. „Anmutig“, in der Bedeutung, mit der Heinrich von Kleist über die Anmut der Marionetten sprach, ist Mozarts Musik, weil sie uns zu sehr fasziniert, als daß wir an die Absichten ihres faszinierenden Erfinders denken wollen. Anmutig bleibt sie, solange wir ihre Klänge nicht als „Ausdruck“ einer Seele auffassen und deshalb auch nicht zwischen Seele und Klängen unterscheiden - darin Kleist folgend, der schrieb, daß die „Seele der anmutigen Marionetten“ wohl, sollte es sie überhaupt geben und sollte sie einen Ort haben, „in ihrem Ellenbogen“ stecken müsse.

Die Kugel ist göttlich

Wenn wir betonen, daß wir hinter der Anmut eines in seiner Materialität sich entbergenden Seins keine Absichten und auch kein anderes Sein vermuten wollen; wenn wir darauf bestehen, daß Mozarts Musik diese in prägnante Komplexität umgeformte und in prägnanter Komplexität variierte Materialität der Welt ist, welche alle Gedanken und noch das Leben ihres Erfinders verzehrte, dann mag verständlich werden, warum ausgerechnet das Jenseits, das „Göttliche“ oder das „Himmlische“, als Dimension der Beschreibung für diese Wirklichkeit sich aufdrängen. Denn so wie es kein Jenseits zum Himmel gibt, kann es auch kein Jenseits und kein Anderes geben zu der in der Eindimensionalität von Mozarts Musik endgültig entborgenen Anmut des Seins. Die dort gegenwärtig werdende Anmut des Seins ist die säkulare, irdische, sinnliche Version jener Letztendlichkeit, zu deren Vorstellung die Religionen das Jenseits mit all seinen Himmeln und Plato das Reich der Ideen erfunden haben.

Heute gilt es als ausgemacht, daß Mozart selbst eine Reihe seiner Kompositionen nie zu Gehör bekam. Denn die schon damals recht teuren Solisten und Orchester waren ja im späten achtzehnten Jahrhundert noch weit entfernt vom Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit ihrer Musik. Dieselbe Technologie, die es heute ermöglicht, unsere Körper - via CD und iPod - überall und zu fast jedem beliebigen Zeitpunkt etwa von Mozarts Musik einhüllen zu lassen, ist es natürlich auch, welche - per Computer und Handy zum Beispiel - unseren Alltag zu einer ortlosen Welt der unausgesetzten Kommunikationsflüsse gemacht hat, in der es für die Körper keine Funktion und für die Ruhe des Körper-Seins keine Zeit mehr gibt. Wohl intensiver als je zuvor sehnen wir uns im Informationswind dieser technisierten Welt nach der Anmut des Seins, die Mozarts Musik uns schenkt - und dank derselben Technologien können wir von der Anmut in Mozarts Musik auch wirklich mehr haben als je zuvor.

Deshalb ist das Gedenkjahr ebenso überflüssig und ebenso sehr ein Symptom unserer Existenz wie der Biß auf die göttliche und doch immer etwas zu süße Mozartkugel.

Der Autor ist Literaturwissenschaftler und lehrt an der Universität Stanford.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.01.2006, Nr. 52 / Seite 23
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