FAZ plus ArtikelSängerin Jessica Pratt

Die Stimme aus dem Elfenwald

Von Philipp Krohn
05.05.2019
, 13:29
Lange zweifelten Musikmanager an Jessica Pratt – wegen der Kinderstimme. Heute gilt sie als eine der spannendsten Folk-Künstlerinnen. Und hat gerade ein Meisterwerk vorgelegt.

Früher war alles besser. Ausgerechnet von der Generation Rock, die sich gegen das damalige Establishment auflehnte, klingt dieser Gedanke einigermaßen absurd, ist aber häufig zu hören. All die Menschen, die nach „Physical Graffiti“ von Led Zeppelin aufgehört haben, neue Musik zu sammeln, haben viel verpasst. Vor allem entgehen diesen Ewiggestrigen immer wieder spannende Weiterentwicklungen. So zum Beispiel die Fortschreibung des Folk-Rocks der ersten Generation von Künstlern wie David Crosby und Joni Mitchell ins Märchenhaft-Träumerische. Bei der Waliserin Cate Le Bon oder der Amerikanerin Angel Olson klingt das noch recht handfest. Bei Jessica Pratt, die seit einem halben Jahrzehnt in der Popmetropole Los Angeles lebt, vermutet man den Ursprung der Musik dagegen eher in einer unbekannten Zwischenwelt.

Mysteriös und meditativ

Ihr Album „Quiet Signs“, im Februar erschienen, nicht einmal 28 Minuten lang und ein heißer Kandidat für die vorderen Plätze der Alben des Jahres, ist das Ergebnis einer künstlerischen Reifung. Es beginnt mit einem instrumentalen Intro auf einem verstimmten Piano, das klingt, als habe man ein altes Tonband in der hintersten Ecke eines Aufnahmestudios gefunden. Die acht Songs, die danach folgen, muten ein bisschen so an, als sei Joni Mitchell nach Fertigstellung von „Court and Spark“ für ein Jahr in einem Elfenwald verschwunden und habe von dort diese Botschaft der Stille mitgebracht. Was der Hörer intuitiv erlebt, bestätigt sich durch Aussagen Pratts zu ihrer Songwriting-Technik, bei der sie sich in einen geistigen Raum versetzt, in dem nichts anderes existiere als diese Musik. Musik aus einer Zwischenwelt.

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Quelle: F.A.Z.-Woche
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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