Techno-Museum in Frankfurt

Nach sieben Jahren endlich eröffnet: das MOMEM

Von Christian Riethmüller
06.04.2022
, 22:31
Sieben Jahre nach der offiziellen Ankündigung ist in Frankfurt das Museum of Modern Electronic Music (MOMEM) mit einem Festakt in der Paulskirche und mit einer Party an der Hauptwache eröffnet worden. Die erste Schau ist DJ Sven Väth gewidmet.
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Ein neues Frankfurter Museum ist zwar kein Berliner Flughafen, aber Parallelen drängen sich doch auf: Wie es in der Hauptstadt viele Eröffnungstermine und noch mehr Verschiebungen gab, bis endlich ein Flieger von „BER“ abhob, ist auch erhebliche Zeit verstrichen, bis das Museum of Modern Electronic Music, kurz MOMEM, am Mittwochabend mit einem Festakt in der Paulskirche und einer Party an der Hauptwache eröffnet werden konnte. Ziemlich genau sieben Jahre sind vergangen, seit das Projekt während der Musikmesse 2015 öffentlich vorgestellt wurde. Allerhand ungeklärte Fragen, Querelen und nicht zuletzt Corona verhinderten die rasche Verwirklichung des Plans, der elektronischen Musik, die in Form von Techno Frankfurt für einige Jahre auf die popmusikalische Landkarte gehoben hatte, eine Gedenkstätte zu setzen.

Denn ein Museum, das man vielleicht ein, zwei Mal im Jahr besucht, soll das MOMEM nicht sein, wünschen sich die Macher um Leiter Alex Azary. Das in den früheren Räumen des Kindermuseums beheimatete Ausstellungshaus will vielmehr als eine Art Club funktionieren und mit Workshops, Diskussionsveranstaltungen oder Filmabenden nicht nur auf eine Musikbewegung zurückblicken, sondern auch die aktuellen Entwicklungen in der elektronischen Musik spiegeln.

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Und das Museum soll ein Kulturtreffpunkt in der Frankfurter Innenstadt sein, betonte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in ihrer Ansprache in der Paulskirche. „Das MOMEM soll kulturelle Zusammenhänge auf neuartige und attraktive Weise vermitteln“, wünscht sie sich. Das neue Museum hat dieses Potenzial, ist sich Alex Azary sicher: „Es belebt unsere Stadt mit einer allseits verständlichen und verbindlichen Kultursparte: Musik“, sagte er in seiner Rede, in der sich auch ausdrücklich bei Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für dessen Einsatz zur Verwirklichung des Museums bedankte. Das Frankfurter Stadtoberhaupt, Schirmherr des Museums, war ebenfalls in der Paulskirche anwesend, hielt dort aber keine Ansprache. Feldmann hatte nach der Anklage gegen ihn im Zusammenhang mit der AWO-Affäre erklärt, bei öffentlichen Terminen „Augenmaß walten zu lassen“. Allerdings trat der Oberbürgermeister später bei der Party an der Hauptwache auf die Bühne, um dort einige Worte an die viele Besucher - rund 3000 nach Polizeiangaben - zu richten.

Der Jubel der Feiernden gehörte allerdings dem Star des Abends, dem in Offenbach geborenen, in Obertshausen aufgewachsenen und in Frankfurt berühmt gewordenen DJ Sven Väth, der es sich nicht nehmen ließ, selbst an die Turntables und Regler zu treten und das Publikum zum Tanzen zu bringen.

Unter dem Titel „It’s simple to tell what saved us from hell“ ist die erste Ausstellung im MOMEM Sven Väth gewidmet, der durchaus als Brückenbauer zwischen den goldenen Frankfurter Zeiten in den Neunzigerjahren und dem Jetzt der elektronischen Musik, das sich eher in Städten wie Berlin abspielt, fungiert. Die von dem Künstler und Städelschule-Professor Tobias Rehberger konzipierte und Torben Giese (StadtPalais Stuttgart) kuratierte Schau zeigt Kunstwerke etwa von Banksy, Rehberger oder Andreas Gursky, dazu eine Auswahl von Väths gewaltiger privater Plattensammlung und zahlreiche Fotos aus allen Lebensphasen des DJs.

Eine besondere Attraktion der Ausstellung ist „Spot“, ein äußerst agiler vierbeiniger Roboter oder vielmehr eine Drohne auf vier Beinen, die der südkoreanische Konzern Hyundai bei der Eröffnung tanzen ließ. Der Autobauer will das Museum als Sponsor unterstützen, kündigte er am Mittwoch an.

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Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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