FAZ plus ArtikelHip-Hop aus Deutschland

Anleitungen zur Bosstransformation

Von Florentin Schumacher
08.11.2021
, 07:54
Konzert von Sabrina Setlur in der Hugenottenhalle Neu-Isenburg am 12. September 1997
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Der Hip-Hop aus Deutschland erzählt sich gern seine eigene Erfolgsgeschichte. Aber warum tun die Akteure immer noch so, als müssten sie sich beweisen? Und wer stellt ihnen die unbequemen Fragen nach Antisemitismus und Frauenhass?
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Im doppelten Sinn hat Deutschrap als das begonnen, was man heute kulturelle Aneignung nennt, wobei die Frage wäre, ob kulturelle Verehrung besser passt. Klar, deutsche Jugendliche übernahmen die schwarze Jugendkultur aus der Bronx. Es waren aber nicht die Hip-Hop-Fans in Deutschland, aus deren Breakdance- und Graffitiszene die ersten deutschsprachigen „Rapper“ kamen – ein Vorabendunterhalter im Öffentlich-Rechtlichen namens Thomas Gottschalk („Rapper’s Deutsch“) und der Wiener Falco („Der Kommissar“) stürmten mit deutsch-englischen Nonsense-Reimen Anfang der Achtzigerjahre die Hitparaden. Bevor es Deutschrap als Begriff gab, hatten die Gutelaunekinder das Genre gekapert. Lange würden reale deutsche Rapper lieber englisch rappen, als sich der Peinlichkeit weiterer Haus-Maus-Reime auszusetzen.

Womöglich liegt es an dieser Herkunft und natürlich an der Herkunft seiner Protagonisten von den Rändern der Gesellschaft, dass Hip-Hop eine irre Obsession damit hat, ernst genommen zu werden und Respekt zu kriegen. Wurde man, bekam man lange nicht. Erst mit dem Erfolg wurde der Respekt erzwungen. Und erst die Dominanz während der letzten Jahre hat Leute aus der Szene in die Position gebracht, die Geschichte des Hip-Hop selbst zu erzählen; was sie seither in vielen fiktiven und dokumentarischen Formaten tun.

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„Dichtung und Wahrheit“ ist in der ARD-Mediathek zu sehen, „We wear the Crown“ in der von Arte. „Erfolgsformel Hip-Hop“ ist bei Campus erschienen und kostet 29,95 Euro.

Quelle: F.A.S.
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