Zum Tod von Willi Resetarits

Er war der „Ostbahn-Kurti“

Von Martin Lhotzky
25.04.2022
, 20:40
Willi Resetarits alias Dr. Kurt Ostbahn
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Mit der Interpretation hauptsächlich amerikanischer Rockmusik im wienerischen Dialekt - etwa der von Bruce Springsteen - startete Willi Resetarits als „Ostbahn-Kurti“ durch. Jetzt ist der Wiener Sänger gestorben.
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Zunächst wollte der kurz vor Weihnachten 1948 im burgenländischen Stinatz geborene Wilhelm Thomas „Willi“ Resetarits Lehrer werden. Schon lange bevor er das Lehramtsstudium schließlich aufgab, entdeckte er jedoch seine Liebe zur Musik, spielte in diversen kleinen Bands mit und übernahm immer öfter das Singen. 1969 schloss er sich der Politrockgruppe Die Schmetterlinge an, in deren Chor bisweilen auch sein älterer Bruder Lukas mitmischte, der als (dritter) „Kottan“ in der gleichnamigen Krimiserie bekannt wurde und bis heute als Kabarettist und Schauspieler unterwegs ist.

Mit der von Heinz R. Unger (1938 bis 2018) verfassten „Proletenpassion“, der Leidensgeschichte des arbeitenden Volkes mit einem kleinen Lichtblick („Wir wollen mehr . . . Demokratie!“), feierten die Schmetterlinge von 1976 an im damals unter Bundeskanzler Kreisky erstaunlich fortschrittlichen Österreich ihren größten Erfolg. Das progressive Klima im Land änderte sich dann ab Mitte der Achtzigerjahre, und Resetarits verließ die Band, blieb aber der Musik und seiner linken Gesinnung treu.

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Mit der Interpretation hauptsächlich amerikanischer Rockmusik, etwa der von Bruce Springsteen, im wienerischen Dialekt – als er klein war, war die Familie in den zehnten Wiener Ge­meindebezirk, Favoriten, gezogen – startete er nun als „Ostbahn-Kurti“ durch. Für die bald anlaufende Radiosendung „Trost & Rat“ zu „Dr. Kurt Ostbahn“ veredelt und mit seiner neuen Band Die Chefpartie (der Name ist nur schwer ins Hochdeutsche zu übersetzen) förderte er daneben auch junge österreichische Musik.

© opus

Damit nicht genug, bewies der umtriebige Willi Resetarits stets gegen den Zeitgeist gerichteten Mut, gründete 1994, nur ein halbes Jahr nach dem berühmt gewordenen „Lichtermeer“ am Heldenplatz gegen Fremdenfeindlichkeit, das „Integrationshaus Wien“ für Flüchtlinge aus aller Welt. Am Sonntag ist er im Alter von 73 Jahren gestorben.

Quelle: lhotz
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