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Propaganda gegen den Weltuntergang

Von Nicola Rost
27.07.2021
, 07:22
Sie sang seine Lieder: Zarah Leander mit Bruno Balz (1902 bis 1988) Mitte der sechziger Jahre
Nur ein nationalsozialistisches Durchhaltelied für den Wettbewerb optimistischer Schlager? Nein, „Davon geht die Welt nicht unter“ ist hintergründiger – so wie die Geschichte seines Verfassers Bruno Balz, den dieses Werk vor der Deportation rettete. Ein Gastbeitrag.
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Davon geht die Welt nicht unter“, sang meine Oma manchmal – wobei mit dem Wort „Welt“ nicht nur die aufsteigende Melodie gipfelte, sondern auch der Moment erreicht war, in dem der obligatorische Knuff in die Rippen kam. Ab dann gab es kein Entkommen: mitschunkeln. Zu diesem Refrain, der sich seit achtzig Jahren hartnäckig in irgendeiner Ecke des kollektiven Gedächtnisses in Deutschland hält und dessen wenig bekannte Geschichte zwischen Glamour und Folterkeller spielt.

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Veröffentlicht im Juni 1942, mitten im Krieg, wurde „Davon geht die Welt nicht unter“ von Zarah Leander in „Die große Liebe“ gesungen – dem kommerziell erfolgreichsten Film des Dritten Reichs mit 27 Millionen Zuschauern. Die Handlung war ein propagandistisches Lehrstück für die deutschen Frauen: das kleine private Glück zurückstellen für die große nationale Aufgabe, tapfer sein, auch wenn der Mann, Sohn oder Vater vielleicht nicht wiederkehrt von der Front. Davon geht die Welt nicht unter.

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Davon geht die Welt nicht unter (M: Michael Jary/T: Bruno Balz)

Wenn mal mein Herz unglücklich liebt

Ist es vor Kummer unsagbar betrübt

Dann denk' ich immer

Alles ist aus

Ich bin so allein

Wo ist ein Mensch der mich versteht

So hab ich manchmal voll Sehnsucht gefleht

Tja, aber dann gewöhnt' ich mich dran

Und ich sah es ein

Davon geht die Welt nicht unter

Sieht man sie manchmal auch grau

Einmal wird sie wieder bunter

Einmal wird sie wieder himmelblau

Geht mal drüber und mal drunter

Wenn uns der Schädel auch graut

Davon geht die Welt nicht unter

Sie wird ja noch gebraucht

Quelle: F.A.Z.
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