Münchens früherer Ballettchef

Ein Kind mit Putins Tochter

EIN KOMMENTAR Von Kerstin Holm
20.05.2022
, 17:11
Der ehemalige Ballettdirektor des Bayerischen Staatsballetts, Igor Zelensky
Doppelleben: Der frühere Münchener Ballettchef Igor Zelensky und Putins zweite Tochter Katerina Tichonowa sind liiert und haben ein gemeinsames Kind. Tichonowa ist eine der besten Partien in Russland.
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Auch in Sachen Diskretion waren die Tochter von Russlands Präsident Putin, Katerina Tichonowa, und der Startänzer Igor Zelensky – vor zehn Jahren Putins Vertrauensperson bei dessen Wiederwahl und bis vorigen Monat Chef des Bayerischen Staatsballetts – echte Profis. Dass Zelensky, der zufällig den gleichen Nachnamen trägt wie der ukrainische Präsident, Putins „De-facto-Schwiegersohn“ ist, wie das unabhängige Nachrichtenportal Medusa meldet, konnten er und die 35 Jahre alte Tichonowa, selbst eine Tänzerin, freilich in der Sparte akrobatischer Rock ’n’ Roll, über Jahre hinweg geheim halten.

Beide waren schon befreundet, als Zelensky von 2011 bis 2016 das Moskauer Stanislawski-Musiktheater leitete und Tichonowa den Sohn eines Putin-Freundes, Kirill Schamalow, heiratete, der in jener Zeit Anteilseigner des Petrochemie-Konzerns Sibur wurde. Die Tochter von Zelensky und Tichonowa, die im Frühjahr 2018 als Kind miteinander nicht verheirateter Eltern in Moskau registriert wurde, kam demnach Ende 2017 zur Welt, als ihre Mutter noch die Gattin von Schamalow war.

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Die Töchter von Putin sind so etwas wie die wertvollsten Firmen des Landes. Die erstgeborene, Maria Woronzowa, eine Fachärztin für Kinderendokrinologie, ist Miteigentümerin der medizinischen Forschungsgesellschaft Nemeko und leitet staatlich finanzierte Genforschungsprojekte. Tichonowa ist Chefin der Forschungsstiftung der Moskauer Staatsuniversität (MGU) „Innopraktika“, die Zugriff auf Staatsprojekte haben soll, außerdem leitet sie an der MGU ein KI-Institut, das mit dem Militär kooperieren soll.

Katerina Tichonowa
Katerina Tichonowa Bild: Reuters

Sowohl Woronzowa, die mit einem Niederländer verheiratet war, als auch Tichonowa stehen heute auf der europäischen Sanktionsliste, wussten aber zuvor das Leben in Westeuropa zu schätzen.

Woronzowa siedelte erst nach dem Abschuss der MH17-Passagiermaschine durch eine russische Buk-Rakete über dem Donbass 2014 aus Holland nach Moskau über, ihre Schwester Tichonowa pendelte, wie Rechercheure nachweisen konnten, jahrelang zwischen Moskau und München. Zelensky – von dem sein Landsmann, der Dirigent Wladimir Jurowski, feststellte, er habe sich stets bewusst aus der Politik herausgehalten – soll sich privat gegen den Krieg in der Ukraine ausgesprochen haben.

Da die Mutter seines Kindes die Tochter des Aggressors ist, konnte er das schwer öffentlich wiederholen. Zelensky, der als Ausnahmekünstler gilt, soll möglicherweise das neue Musiktheater in Sewastopol auf der annektierten Krim leiten, ein von Putin initiiertes Prestigeprojekt, dessen Bau sich noch in der Anfangsphase befindet. Sanktionen wären ihm dann garantiert. Aber er hatte ja schon sein Aufhören in München damit begründet, dass seine gesamte Zeit und Aufmerksamkeit künftig Familiendingen gehörten.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Holm, Kerstin
Kerstin Holm
Redakteurin im Feuilleton.
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