FAZ plus ArtikelDenkmalschutz in der Schweiz

Als gäbe es kein Gestern mehr

Von Matthias Alexander
17.11.2020
, 13:26
Demolierung des Erbes: In Zürich soll das Schauspielhaus entkernt werden, in Basel stehen bedeutende Industriebauten zur Disposition. Ob der Denkmalschutz trägt, ist mehr als ungewiss.

Das ist so, als würde man das Bauhaus abreißen.“ Bernd Nicolai übertreibt, wenn er über Abrisspläne in Basel spricht. Es ist eher so, als würde man das Dreischeibenhaus in Düsseldorf und außerdem die Tabakfabrik Linz beseitigen, zwei Ikonen der Moderne in Deutschland und Österreich. Schlimm genug also. Deshalb ist es gut, dass der Berner Kunsthistoriker Nicolai mittels Petition Alarm macht, um den Pharmariesen Roche von einem baukulturellen Frevel ersten Ranges abzuhalten.

Das erfolgreiche Unternehmen verfolgt auf seinem Stammareal ehrgeizige Baupläne: für immer mehr Mitarbeiter – statt derzeit etwa 6000 sollen es einmal 10.000 sein – werden auf dem beengten Areal im Wettsteinquartier, das nicht einmal einen Kilometer entfernt von der Basler Innenstadt gelegen ist, immer mehr Büros und Labore geschaffen. Für die Pflege des eigenen architektonischen Erbes ist da wenig Platz. Die neuesten Planungen des Unternehmens für den südlichen Teil des Areals sehen den Bau eines 221 Meter hohen Turms mit einem vorgelagerten Park für die Mitarbeiter vor. Ihnen soll unter anderem das Betriebsgebäude von 1936 weichen, ein auch im internationalen Vergleich herausragendes Beispiel des Neuen Bauens, entworfen von Otto Rudolf Salvisberg, damals Hausarchitekt von Roche. Äußerlich besticht es durch seine nüchterne Eleganz, im Inneren mit seinem Pilzstützen-Pfeilersystem, das es besonders flexibel und für Umnutzungen geeignet macht. Entbehrlich erscheint offenbar auch das schlanke Siebzig-Meter-Hochhaus von 1960, über Jahrzehnte eine Dominante des Südareals, entworfen von Salvisbergs Nachfolger Roland Rohn mit deutlichen Anleihen am International Style des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York.

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Quelle: F.A.Z.
Matthias Alexander - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Matthias Alexander
Redakteur im Feuilleton.
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