FAZ plus Artikel„Top Gun: Maverick“

Einer muss es halt richten

Von Bert Rebhandl
22.05.2022
, 20:16
Da fliegt er wieder und zeigt, dass es nur einen richtigen Kerl braucht, um in der Welt aufzuräumen: Tom Cruise als Captain Pete „Maverick“ Mitchell.
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Der Flugzeugflüsterer: Tom Cruise poliert in „Top Gun: Maverick“ sein makelloses Heldenimage durch Bombenwerfen à la Hollywood, das als Nostalgie gelten muss.
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Mit Eliteeinheiten ist das so eine Sache. Sie sollten aus den Besten ihres Faches bestehen, männlich/weiblich/divers natürlich, aber wenn Hollywood eine solche Truppe aufstellt, dann zählen da auch noch ein paar andere Faktoren. So ist es wohl zu erklären, dass in der Fliegerschwadron, die Tom Cruise in seinem neuen Action-Abenteuer befehligt, nicht nur Kollegen mit verschiedenen Migrationshintergründen – und eine Quotenfrau – zu finden sind, sondern auch einer, dessen (dramaturgisches) Hauptmerkmal offenkundig darin besteht, dass er Brillenträger ist. Auch eine Auswahl der Besten der Besten braucht einen Nerd, so können wir das deuten. Und beim Formationsflug ist er dann nicht einmal der Letzte. Trotzdem ist dieser Robert „Bob“ Floyd in erster Linie Füllmaterial in einer maximal auf eine Person zugeschnittenen Heldengeschichte.

Denn „Top Gun: Maverick“ gehört einzig und allein Tom Cruise. Geld werden auch viele andere Menschen verdienen mit dieser Neuauflage eines paradigmatischen Hollywood-Films aus dem Jahr 1986: der Produzent Jerry Bruckheimer in erster Linie oder der chinesische Medienkonzern Tencent, der finanziell beteiligt ist. Für Cruise aber ist Geld längst Nebensache, für ihn geht es um den Mythos des erfolgreichsten amerikanischen Schauspielers seiner Generation. Und das bedeutet eben inzwischen bald vierzig Jahre, in denen er mit seiner Ausstrahlung nicht nur ein Bild von Männlichkeit prägt, sondern ein ganzes Genre von Filmen, in denen die Komplexitäten einer vielfach vernetzten und zunehmend agonal globalisierten Welt der Handlungsmacht eines Einzelnen unterworfen werden. Als Cruise 1986 zum ersten Mal den Piloten Pete Mitchell spielte, wirkte er jung und unbedarft, schon damals gehörte es aber zu seinem Image, dass er legitime Hierarchien überging. Militärische Operationen bedürfen der Abstimmung und der Planung, Cruise aber spielte Mitchell mit dem Ethos eines Westernhelden, der die wichtigen Dinge mit sich allein ausmacht.

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