FAZ plus ArtikelSprachkritik am Totalitarismus

Wem dient meine Übersetzung?

Von Olga Radetzkaja
10.01.2022
, 13:16
Sprachauswahl der Simultanübersetzungen bei einer internationalen Konferenz im Auswärtigen Amt in Berlin
Alles Klischee? Wer das Spiel totalitärer Macht nicht mitspielen will, kommt als Übersetzer ohne Sprachkritik nicht aus. Ein Gastbeitrag.
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Im Juni 2021 zirkulieren im Netz Fragmente eines Videos. Ein junger Mann, kunstvoll ausgeleuchtet vor dunklem Hintergrund, spricht, beantwortet die Fragen eines ernst dreinblickenden Gegenübers, schlägt die Hände vors Gesicht, atmet mühsam, weint. Der emigrierte belarussische Journalist Raman Pratassewitsch, von „Sicherheitskräften“ seines Heimatlandes entführt und jetzt in Minsk gefangengehalten, bekennt Fehler, spricht dem Diktator seinen Respekt aus, bricht zusammen.

Das Video, produziert für das belarussische Staatsfernsehen, wird auf einem riesigen Bildschirm auf einem zentralen Platz der Hauptstadt Minsk gezeigt. Kein Bild von Raman Pratassewitsch, er ist darin als Person nicht anwesend. An seiner Stelle sprechen: Gewalt, Lüge, Verrat, Manipulation. Dies ist das Selbstporträt eines Re­gimes, das die Bürger als sein Eigentum betrachtet. Und es ist ein Bild, ja das Inbild der Propaganda.

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