FAZ plus ArtikelPatricia Highsmith

Frei von Realität und Bedenken

Von Andreas Platthaus
19.01.2021
, 11:19
Woher hat Patricia Highsmith ihren unnachahmlichen Stil? Aus den Comics, denn die Krimi-Meisterin begann in den vierziger Jahren als Szenaristin.

Wer würde erwarten, in einem Comic wie dem hier abgebildeten eine Geschichte von Patricia Highsmith zu finden? Doch das dreizehnte Heft der 1941 begründeten „Real Life Comics“ enthält eine – sogar die erste, die Highsmith als Szenario für einen Comic schrieb, angefertigt im Frühjahr 1943. Die heute vor hundert Jahren im texanischen Fort Worth geborene Schriftstellerin war kurz zuvor vom New Yorker Comicstudio Sangor-Pines angestellt worden. Arbeit gab es dort genug: Amerikas Superhelden zogen damals in ihren Heftserien geschlossen in den Krieg.

Aber es sollten auch patriotische Angebote fürs jugendliche Zielpublikum an die Kioske kommen, die als pädagogisch wertvoll verkauft werden konnten. So etwa die „Real Life Comics“, eine zweimonatlich erscheinende Serie, die in jeder Ausgabe heroische true stories zu bieten hatte. Im dreizehnten Heft war die Titelerzählung eine mentalitätsgeschichtliche: Angelehnt am „Ewigen Juden“, wurde vom „Eternal Yank“ erzählt als einem Typus des Nordamerikaners, der vom Unabhängigkeits- über Bürger- und Ersten Weltkrieg bis 1943 nur gerechte Kämpfe geführt und natürlich gewonnen hatte. Auf nicht einmal einem Dutzend Seiten las man die Phänomenologie einer streitbaren Siegernation.

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Andreas Platthaus - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.
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