Wie geht es weiter im ZDF?

Das Erbe des Thomas Bellut

EIN KOMMENTAR Von Michael Hanfeld
02.03.2021
, 17:09
Der Intendant Thomas Bellut geht beim ZDF. Was hat er geleistet? Und wer kommt nun an die Spitze des Senders? Erste Namen werden schon gehandelt.

Thomas Bellut tritt nicht für eine dritte Amtszeit an. Das gab der Intendant des ZDF am Dienstag bekannt, zuerst den Mitarbeitern und den Mitgliedern des Fernsehrats, dann der Öffentlichkeit. Am 15. März 2022 sei es „nach vierzig spannenden Jahren im Mediengeschäft Zeit für einen neuen Lebensabschnitt“, sagte Bellut. Bis dahin stünden noch „zahlreiche Herausforderungen“ an: „Corona, Digitalisierung, die Finanzausstattung des ZDF, die Wahlberichterstattung, um nur einige zu nennen“.

Das wird Bellut, wie wir ihn kennen, mit links erledigen, scheinbar nebenbei, ohne Aufsehen, so wie er den Sender auf dem Mainzer Lerchenberg seit 2012 führt. Zweimal wurde er vom Fernsehrat gewählt, zweimal mit großer Mehrheit. Dass er eine solche für sich gewinnen kann, hat mit seinem jovialen Wesen zu tun.

Als er zehn Jahre zuvor, 2002, Programmdirektor wurde, begegneten ihm manche noch mit Skepsis: Ein gelernter Journalist, der sich bei einer Zeitung („Westfälische Nachrichten“) die ersten Sporen verdiente und zum Innenpolitikchef des ZDF aufstieg, ist verantwortlich für das ganze Programm, mit Kultur, Fiktion und Unterhaltung?

Die Skepsis verflog, Bellut zog große Projekte durch (etwa „Unsere Mütter, unsere Väter“, produziert von Nico Hofmann) und brachte neue Farbe ins Programm (etwa das, was freitagabends als Satire über den Sender geht). Damit machte er als Intendant im Verein mit dem jetzigen Programmdirektor Norbert Himmler weiter. Er setzte aufs Digitale, verordnete dem ZDF eine Schlankheitskur (zehn Prozent Stellenabbau mit jetzt rund 3500 Festangestellten) und vermochte es, in allen medienpolitischen Schlachten den damit verbundenen Lärm stets der föderalen ARD zu überlassen.

Bellut tariert den Einfluss der Politik auf seinen Sender, den es vor allem im Verwaltungsrat mit sichtbaren und getarnten Regierungs- und Parteivertretern gibt, fein aus; erträgt die Aspirationen aus der Mainzer Staatskanzlei, die in ZDF und SWR „Haussender“ sieht, und hält Vertreter der in FDP- oder CDU-Kreisen immer mal wieder lancierten Idee, das ZDF solle privatisiert werden, auf Distanz.

Bellut ist ein Moderator, vor allem aber auch ein Macher. Seinem Sinn für das Mögliche und Bestmögliche für seinen Sender entspricht, dass der Fünfundsechzigjährige jetzt sagt: Im nächsten Jahr ist Schluss.

Damit wäre der Bewerberreigen für seine Nachfolge eröffnet. Leonhard Dobusch, der an der Universität Innsbruck Betriebswirtschaft lehrt, im ZDF-Fernsehrat den Bereich „Internet“ vertritt und gern den inoffiziellen Sprecher des Aufsichts- und Wahlgremiums gibt, hat gleich mal zwei aus seiner Sicht naheliegende Kandidaten genannt: die Digital-Chefredakteurin von ARD-aktuell, Juliane Leopold, und den stellvertretenden ARD-Programmdirektor Florian Hager, der das von ARD und ZDF gemeinsam betriebene Online-Portal „funk“ mit aufgebaut hat.

Sähe man sich beim ZDF selbst um, könnte man auf die stellvertretende Chefredakteurin Bettina Schausten, die Kulturchefin Anne Reidt oder den erwähnten Programmdirektor Norbert Himmler kommen. Am 19. März will sich der Fernsehrat zum weiteren Verfahren äußern.

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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