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Finale im Börsenspiel

Deswegen haben wir das Börsenspiel verloren

Von Georg Meck
 - 16:17
Das Luxushotel „Schloss Elmau“ wartet auf den Sieger des Börsenspiels.

Es hilft alles nichts: Wir geben uns geschlagen. Im Börsenspiel hat die Sonntagszeitung die Leser dazu aufgerufen, gegen mich, den Redakteur, anzutreten. Wer macht mehr aus 25000 Euro? So lautete die Wette von „Schlag den Meck“, deren dritte Staffel im Herbst 2018 begonnen hat. Unser Geld war echt, das der anderen Teilnehmer fiktiv, nur virtuell auf dem Online-Konto zu sehen. Und ja, wir haben alles gegeben, haben noch ausgiebiger als sonst die einschlägigen Börsenbriefe gelesen, haben Gurus und echten Experten zugehört. Es hat alles nichts gebracht: Wir landeten abgeschlagen auf Platz 238, mehr war nicht drin. Das heißt: 237 Leser waren besser. Hut ab!

So viel Respekt muss sein, den Erfolg gönnen wir jedem oder jeder. Was weh tut, ist das, was hinten rauskommt: die erwirtschaftete Rendite. Die besten 25 F.A.S.-Leser haben allesamt mehr als 20 Prozent Gewinn eingefahren, die besten acht haben ihren Einsatz gar mehr als verdoppelt – und das unter erschwerten Umständen in diesen anstrengenden Zeiten. Der Herbst war gruselig an der Börse. Kaum ging es im Oktober los mit dem Börsenspiel, ist der Dax um 1000 Punkte nach unten gerauscht.

Die traurige Wahrheit ist: Wir, also unser Depot, haben dem Druck der Finanzmärkte nicht standgehalten. Das Vermögen ist geschrumpft. 744 Euro – wohlgemerkt, echte Euro – haben wir heute dort weniger stehen als zum Start des Spiels vorigen Oktober; exakt 24256 statt 25000 Euro. Nun ist das erst mal nur eine Zahl auf dem Papier, das Vermögen vermindert sich erst, wenn wir die Verluste realisieren und die Verliereraktien abstoßen.

Was also lief schief bei unseren drei Underperformern?

Noch aber halten wir die Stellung, hoffen darauf, dass sich die Lage wieder bessert, auch in diesen hitzigen Tagen mit Handelskrieger Donald Trump und der chinesischen Gegenwehr, als die Börsenmenschen zu Wochenbeginn mal wieder alle Absturz-Metaphern zum Einsatz bringen. Jetzt, wenige Tage später, als der Dax der Kurve kriegt und wieder Richtung 12000 Punkte marschiert, sieht die Welt schon wieder freundlicher aus. „Aktien bleiben eine wichtige, diversifizierende Komponente im Anlegerportfolio“, dichtet eine Fondsgesellschaft. Haben wir das nicht immer gesagt?

Erfolg oder Misserfolg unserer Aktienkäufe, so trösten wir uns, sind erst auf längere Sicht zu bewerten. Wir investieren für die Ewigkeit oder wenigstens bis zu dem Zeitpunkt, wenn die halbwüchsigen Kinder das Geld brauchen. Keine Frage, wir gehören zu den Guten, sind keine Spekulanten, sondern Langfristanleger, wie Warren Buffett (nur mit kleineren Beträgen). Solche Typen behalten die Nerven, wenn es draußen stürmt und kracht. Also: Ruhe bewahren, wenn es im Depot rot leuchtet. Alles nur eine Momentaufnahme. Ärgerlich ist es trotzdem, verdammt. Es macht schlechte Laune, die Kurse zu studieren. Was also lief schief bei unseren drei Underperformern?

Fehlschlag Nummer eins: Continental, einer unserer Lieblingskonzerne im Dax. Ein solider Autozulieferer, technologisch tiptop, immer auf der Höhe der Zeit, so dachten wir. An der Spitze mit Elmar Degenhart ein Vorstandschef, obendrein ein Manager, wie unsereins ihn sich wünscht: mit ernsthafter Leidenschaft und schnörkelloser Eleganz. Keiner dieser Bullshit-CEOs mit Hang zum Personenkult. Trotzdem, der Markt ist unerbittlich: Da der Conti-Chef seit vergangenem Herbst mit seinen Zahlen ein ums andere Mal schlechte Laune verbreitet, reagiert die Börse böse.

Wir haben viele Fehler gemacht

Wir hielten die Kursabschläge anfangs für übertrieben, deswegen haben wir zum Start des Börsenspiels für knapp 4000 Euro Conti-Aktien gekauft. Das kam uns teuer; jetzt, da die Ansagen aus Hannover immer noch düsterer werden, ist offensichtlich: Conti hat ein echtes Problem. Und wir 15 Prozent Verlust, es braucht Geduld, bis die Papiere dieses Minus wieder aufholen, wenn überhaupt. Und was lernen wir daraus?

Lektion Nummer eins: Du kannst dir gerne einbilden, alles besser zu wissen als der Rest der Welt – aber verwette lieber kein Geld darauf! Denn kaum etwas, so lesen wir in unserem Lieblings-Börsenbrief, kostet an der Börse so viel Geld wie die Hybris, die in der Meinung besteht, man sei schlauer als die anderen Marktteilnehmer.

Damit kommen wir zu unserem zweiten Fehlschlag, der BASF. Noch so ein Wert, von dem wir im Herbst geglaubt hatten, dass der Markt übertreibt in seiner schlechten Laune, als er die BASF-Aktie auf Talfahrt geschickt hatte. Als wir dann noch sahen, dass die Top-Manager des Konzerns sich mit Aktien eindeckten, hatten wir die Zeugen für unsere Meinung, die wir suchten: Wenn Vorstandschef Martin Brudermüller und sein Chefaufseher Jürgen Hambrecht BASF-Aktien kaufen, dann lassen wir uns nicht lumpen! BASF ins Depot! Wenn solch hochkarätige Insider an ihren Laden glauben und dies mit eigenem Geld untermauern, warum sollten wir dann zweifeln?

1400 Euro davon gingen verloren

Dieser Gedanke führte schnurstracks zu 17 Prozent Verlust sowie zu den Lektionen zwei und drei: Greife nie in ein fallendes Messer! Und hüte dich davor, blind Managern hinterherzurennen, wenn sie Aktien ihres eigenen Unternehmens kaufen. Womöglich sind sie vertraglich dazu verpflichtet, oder sie überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten, oder aber sie verfolgen damit andere, nicht-monetäre Interessen, etwa indem sie eine Art Treuebekenntnis zur Firma ablegen, wenn die Moral der Mitarbeiter im Keller ist. Ganz im Ernst: Glaubt jemand, die Deutsche Bank sei demnächst wieder ein blühendes Unternehmen, nur weil Aufsichtsratschef Paul Achleitner jüngst für eine Million Aktien gekauft hat? Wir nicht! An der Deutschen Bank haben wir uns einmal schon die Finger verbrannt, das reicht.

Damit wären wir beim letzten Fehlschlag im Börsenspiel angelangt, der holländischen ING Groep, hierzulande eingeführt als ING Diba. Wenn schon eine Bank, dann die, das war die Idee. Nicht Deutsche Bank oder Commerzbank, die eine Spur der Verwüstung in den Depots ihrer Eigentümer hinterlassen haben. Als im Frühjahr blaue und gelbe Bank in Frankfurt ihre Fusion ausloteten, hielten wir es daher für besonders schlau, auf die orange Karte zu setzen. Knapp 5000 Euro betrug der Einsatz. 1400 Euro davon gingen verloren. 28 Prozent Verlust. Schöne Holländer sind mir das. Ein Debakel, wenngleich wir weiterhin überzeugt sind, einen zugkräftigen, für die Digitalisierung gewappneten Finanzkonzern erwischt zu haben.

Oder wie Lektion Nummer vier besagt: Den richtigen Zeitpunkt erwischst du nie! Es gehört ein Übermaß Glück dazu, am Tiefpunkt zu kaufen und am Hoch sich wieder von der Aktie zu trennen. Das müssen wir aushalten. Außerdem hat die Saison 2018/19 auch einen Lichtblick in unserem Depot hervorgebracht: „The Trade Desk“, eine sagenhafte Firma aus Kalifornien, die Online-Werbung personalisiert. Darauf gestoßen hat uns ein Fondsmanager unseres Vertrauens.

Das nächste Börsenspiel kommt bestimmt

Im Herbst 2016 ging Jeff Green, so heißt der Gründer der Firma, an die Börse, seitdem hat er viele Menschen reich und glücklich gemacht: Insgesamt stieg die Aktie seither etwa 1000 Prozent, 30 Prozent Zuwachs haben wir allein in ein paar Monaten mitgenommen. Das kann ruhig so weitergehen, auch wenn wir – Lektion Nummer fünf – einsehen müssen: Der Markt ist nicht zu schlagen, die Praxis bestätigt darin die Theorie. Hätten wir stur auf den Dax gesetzt, etwa mittels langweiligen ETF, wären wir aus der Saison 2018/19 mit einem Mini-Plus gegangen und nicht mit 744 Euro Verlust.

Alles lächerliche Beträge freilich, verglichen mit dem Sieger im Börsenspiel. Jörg Vogelsberg heißt der Mann und ist ein 57 Jahre alter Berufsschullehrer aus Bayern. Triumphale 55172 Prozent Rendite hat er eingefahren. Wie, das verrät er im Interview unten. Unseren Hauptpreis, ein Wochenende im Luxushotel Schloss Elmau, hat er sich redlich verdient: Viel Spaß damit! Und das nächste Börsenspiel kommt bestimmt.

„So aggressiv und so riskant wie möglich“

Herr Vogelsberg, Glückwunsch zum Sieg im Börsenspiel. Wie schafft man 55000 Prozent Rendite?

Danke, so was geht nur im Spiel. Ich interessiere mich immer schon für die Börse, bin im richtigen Leben aber ein konservativer Anleger, da würde ich mich nie trauen, so aggressiv mit Geld umzugehen.

Sie haben gezockt auf Teufel komm raus?

Ja, ich wollte so riskant wie möglich investieren – und hatte dabei Glück. Gleich zu Anfang erwischte ich eine gute Strähne. Wenn ich mich richtig erinnere, lag ich deshalb von Beginn an auf Platz eins in Ihrem Börsenspiel. Als der Dax im Herbst nach unten ging, hat mir das sehr geholfen.

Sie haben auf den Absturz der Börsen gewettet?

Ja, anfangs habe ich nur Put-Zertifikate gekauft, Hebelprodukte auf die großen Indizes; hauptsächlich Dax, Dow Jones, Nasdaq.

Keine Einzelaktien?

Nur ein paar, und keine großen, ausschließlich solche in Nischen, im Lithium-Bereich etwa, das war aber kein gutes Geschäft. Gewonnen habe ich mit den Hebelprodukten.

Saßen Sie dazu permanent vor dem Rechner?

Nein, aber ich habe jeden Morgen die Zeitung gelesen, zwischendurch reingeschaut in die Nachrichten und so manchmal die Schwankungen unter Tag genutzt, um zu spekulieren. Die Twitterei von Herrn Trump eröffnet da manche Möglichkeit. Einmal, ich glaube im April, ging der Dax nach einem Tweet des Präsidenten gleich 200 Punkte sprunghaft nach oben. Den Schwung habe ich mit mehreren Call-Zertifikaten mitgenommen.

Sind Sie auch beruflich in der Finanzbranche tätig?

Nein, ich bin Lehrer an einer Ingolstädter Berufsschule für kaufmännische Auszubildende, großteils unterrichte ich Einzelhandels- und Bürokaufleute. Keine Banker.

Quelle: F.A.S.
Georg Meck - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Georg Meck
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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