Machtkampf mit Hedgefonds

Aareals Aufsichtsratsvorsitzende lehnt Rücktritt ab

Von Hanno Mußler
08.04.2021
, 18:37
Der Immobilienfinanzierer weist die Forderungen des unbequemen Aktionärs Petrus Advisers zurück. Doch die Hauptversammlung der Aareal Bank dürfte spannend werden. Denn Petrus ist mit seiner Kritik nicht allein.

Der Streit zwischen der Aareal Bank und ihrem Aktionär, dem 9,4 Prozent der Aareal-Aktien haltenden Hedgefonds Petrus Advisers, geht in die nächste Runde. Aareals Aufsichtsratsvorsitzende, die frühere Partnerin der Metzler-Bank Marija Korsch, lehnt in einer Pressemitteilung die Forderungen von Petrus nach ihrem und dem Rücktritt zweier weiterer Aufsichtsräte ab. „Es gibt weder rechtliche noch sonstige Gründe für eine Amtsniederlegung“, erklärte sie.

Korsch wurde 2013 erstmals durch die Hauptversammlung bestellt und 2018 mit 99,39 Prozent der Stimmen bestätigt. Ihre Amtszeit läuft bis 2023. Auch die anderen sieben Aufsichtsräte der Kapitalseite, Sylvia Seignette, Richard Peters, Christof von Dryander, Elisabeth Stheeman, Hermann Wagner und Jana Brendel, sind bis mindestens 2023 gewählt. Das heißt: Selbst im nächsten Jahr gäbe es keine reguläre Gelegenheit, für Petrus wenigstens einen Aufsichtsrat neu wählen zu lassen.

Petrus lässt nicht locker

Der Hedgefonds macht allerdings nicht den Eindruck, als wolle er schnell lockerlassen. Der Hedge-Fonds hat gerade seinen Anteil an den seit März nicht mehr im M-Dax, sondern im S-Dax enthaltenen Aareal-Bank-Aktien aufgestockt und drei neue Aufsichtsratsmitglieder für den Immobilienfinanzierer vorgeschlagen, darunter einen Vorsitzenden und Vertreter für bestimmte Unterausschüsse. Die Aareal Bank allerdings hat Wahlen zum Aufsichtsrat für ihre Hauptversammlung am 18. Mai 2021 nicht auf die Tagesordnung gesetzt hat. Doch Petrus hätte das Recht, Wahlen zum Aufsichtsrat noch auf die Tagesordnung bringen. Der Hedgefonds hatte schon der Commerzbank den Vollerwerb der Comdirect erschwert.

Anfang dieser Woche hatte Petrus-Partner Till Hufnagel der Aareal-Aufsichtsratsvorsitzenden Korsch indirekt vorgeworfen, kein Teamplayer zu sein, der mit den anderen Gremiumsmitgliedern und den wichtigen Investoren zusammenarbeite. „Das sehen wir bei Frau Korsch eher nicht“, sagte Hufnagel im Gespräch mit der F.A.Z. Der Immobilienfinanzierer Aareal kontert nun, vor der Hauptversammlung 2020 habe eine ausführliche Diskussion mit sämtlichen wesentlichen Investoren, darunter auch Petrus, über das Kompetenzprofil, die personelle Besetzung und die Amtszeiten des Aufsichtsrats stattgefunden. Das Ergebnis seien unter anderem eine Verkürzung der Amtszeiten sowie einige Neubesetzungen gewesen. Die erst im vergangenen Jahr gewählten und nun zum Rücktritt aufgeforderten Gremiumsmitglieder hätten damals ebenfalls jeweils mehr als 99 Prozent der Stimmen bekommen.

Die Kritik von Petrus wird allerdings dem Vernehmen nach auch von anderen Aktionären und Beobachtern der Aareal Bank zumindest teilweise unterstützt. So gilt der Vorstand mit sechs Personen für 1200 Mitarbeiter als überdimensioniert, und viele halten ihn auch für überbezahlt und unglücklich zusammen gesetzt, da nur wenige Bankvorstände „Marktverantwortung“ haben. Tatsächlich erscheint Aareal eher zu Änderungen im Vorstand als im Aufsichtsrat bereit. Das gilt nicht nur, weil der Vorstandsvorsitzende Hermann Merkens schwer erkrankt ist und seit November ausfällt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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