Scherbaums Börse

Harley wird zum Tesla auf zwei Rädern

14.05.2021
, 09:42
Filmklassiker Easy Rider: Die Schauspieler Dennis Hopper und Peter Fonda ridern mit ihren Harleys easy durch die Wüste.
Elektromobilität ist an der Börse angesagt und für Tesla-Aktionäre ein echter Glücksgriff. Nun wagt die aus dem Filmklassiker „Easy Rider“ bekannte Marke Harley-Davidson den Sprung ins zweirädrige Elektrosegment. Ist die reine Motorrad-Aktie damit ein sinnvolles Investment oder nur etwas für absolute Fans?
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Die amerikanische Kult-Motorradmarke Harley-Davidson geht mit der Zeit und traut sich, in der Branche voranzugehen. Hatte der Film „Easy Rider" das Image des Unternehmens mehr als fünf Jahrzehnte getragen und die grenzenlose Freiheit auf zwei Rädern in die weite (Biker-)Welt gefahren, so ist ab Sommer 2021 damit zwar nicht Schluss, aber Harley-Davidson geht neue Wege.

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Das Unternehmen will künftig ein bisschen den Tesla-Geist unter den Motorrad-Produzenten geben und gründet zu diesem Zweck eine eigenständige Marke für Elektromotorräder. Diese heißt wie das erste Harley-Modell ohne Verbrennungsmotor LiveWire. Damit möchte das Unternehmen seinen Führungsanspruch auf dem Feld der elektrischen Zweiräder untermauern.

E-Mobilität für Motorräder – lässt sich damit wirklich Geld verdienen? Die Frage hat sich die Unternehmensführung von Harley-Davidson um Vorstandschef Jochen Zeitz wohl klar beantwortet. Das Traditionsunternehmen soll mit E-Modellen fit für die Zukunft gemacht werden. Das vielleicht angestaubte Image und die ältere konservative Stammkundschaft könnte der Vergangenheit angehören. Jüngere Käufergruppen sind nicht nur aus Umsatzgründen willkommen, wenngleich das erste Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum sehr gute Zahlen aufwies.

Eine Harley ist für viele Ältere das Statussymbol auf zwei Rädern. Dafür hat die junge Generation keinen Platz im Alltag, sie sieht ein Motorrad vor allem als das, was es ist: Ein Transportmittel, das einen von A nach B bringt und dies noch am Ende ohne Parkplatzsuche. Wenn das künftig mit einem Elektro-Modell geht, um so besser. Es könnte für Harley also passen. Mit Jochen Zeitz hat das Unternehmen einen Chef an der Spitze stehen, der weiß, wie mal Lifestyle den Kunden näher bringt und entsprechend vermarktet. Seine Vergangenheit bei der deutschen Sportartikelmarke Puma lässt grüßen.

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Solide Kursentwicklung

Einmal mehr müsste sich ein Anleger jetzt fragen, ob es sich lohnt, eine solche Geschichte näher anzuschauen. Denn E-Mobilität wird in den nächsten Jahren eines der großen Themen an der Börse sein. Da könnte eine Harley-Aktie im Depot vielleicht sogar (wieder) Gas geben, schließlich wird ja an der Börse die Zukunft gehandelt, wie es immer so schön heißt.

Aktuell ist das Papier mit einem 2021er-KGV von 15 bewertet und auf Sicht der vergangenen zwölf Monate hat sich ein Investment in Harley schon einmal sehr gut gelohnt: Die Position hat sich im Depot verdoppelt. Und selbst auf Sicht von zehn Jahren wurden aus 10.000 Euro bis heute mehr als 15.000 Euro.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Privat

Damit braucht sich die Harley-Aktie als reines Motorrad-Wertpapier im Vergleich mit anderen Motorrad-Wertpapieren nicht verstecken – auch wenn ein Vergleich etwas hinkt. Harley ist ein reiner Zweirad-Produzent, während die meisten Konkurrenz-Marken in der Branche meist an einem großen Automobilkonzern angebunden sind.

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Wenn die Motorrad-Sparten von BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki oder die zur VW-Gruppe gehörende Edelmarke Ducati mal nicht so gut laufen, werden Aktionäre der Muttergesellschaften dies erst einmal nicht sofort merken. BMW, als größter Motorrad-Produzent Europas, setzte beispielsweise vergangenes Jahr mit seinen Bikes zwar knapp 2,3 Milliarden Euro um, mit dem Automobilsegment wiederum waren es mehr als 80 Milliarden Euro. Bei einem Harley-Anteilseigner ist die Erwartungshaltung entsprechend eine andere.

Ein bisschen „Tesla-Spirit“ könnte nicht schaden

Generell muss sich die Branche – neben dem Trend zur E-Mobilität – neu aufstellen. Ist heute Europa noch für viele Hersteller der wichtigste Absatzmarkt, so dürfte in den nächsten Jahren vor allem Asien wegen der großen Wachstumspotenziale eine wichtige Rolle spielen. Ob aber eine große E-Harley es schafft, in China zum Statussymbol zu werden oder ob nicht doch das Geschäft mit kleineren Rollern, wie sie Konkurrent BMW schon seit Jahren im Segment hat, besser läuft – die Verbraucher werden die Antwort geben.

Auf der anderen Seite ist ein Preis von mehr 32.000 Euro (laut deutscher Preisliste) für ein hippes E-Motorrad wie das aktuelle LiveWire-E-Modell ein stolzer, für den erst einmal die Masse an Kunden gefunden werden muss. Sollte Harley es aber schaffen, sich quasi neu zu erfinden und den „Tesla-Spirit“ mit dem augenscheinlich gewissen Coolness-Faktor auf seine E-Modelle zu übertragen, könnte sich Anlegergeschichte durchaus spannend werden. Für den ersten Tesla-Roadster haben die Kunden auch ohne zu überlegen, mehr als 100.000 Dollar gezahlt.

Quelle: FAZ.NET
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