Aktien

Ölaktien bleiben von Rekordgewinnen unberührt

12.05.2003
, 18:27
Die Ölkonzerne haben in den ersten drei Monaten des Jahres Rekordgewinne eingefahren. An den Aktienmärkten ist das kaum auf Widerhall gestoßen. Investoren sprechen von einem Einmaleffekt.

Die in den ersten drei Monaten dieses Jahres eingefahrenen Rekordgewinne der großen Ölkonzerne sind an den Aktienmärkten kaum auf Widerhall gestoßen. Investoren sprechen von einem Einmaleffekt, der an der Bewertung der Branche insgesamt nichts ändere. Diese Zurückhaltung drückt sich nicht nur in den moderaten Kursaufschlägen aus. Kaufempfehlungen von Analysten sind weiter eher die Ausnahme. Von den sogenannten "großen Fünf" - Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, BP, Chevron-Texaco und Total Fina Elf - verzeichnen seit Jahresbeginn lediglich die beiden amerikanischen Konzerne Exxon und Chevron leichte Kursaufschläge von rund einem Prozent.

Dabei hat etwa der größte Ölkonzern der Welt, Exxon Mobil, seinen Nettogewinn im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von 2,1 auf 7 Milliarden Dollar gesteigert. Royal Dutch/Shell und BP verdoppelten ihren Nettogewinn auf 3,9 beziehungsweise 3,3 Milliarden Euro. Diese ausgeprägten Ergebnissprünge sind vor allem auf den im Berichtszeitraum zeitweise deutlich über 30 Dollar je Barrel (159 Liter) angestiegenen Rohölpreis zurückzuführen. Ende des vergangenen Jahres hatte er noch bei 21,15 Dollar gelegen.

Doch so schnell, wie der Ölpreis angestiegen war, so schnell ist er seit dem Ende des Irak-Krieges wieder gefallen. Derzeit pendelt ein Barrel der Nordseesorte Brent bei rund 25 Dollar. Mit ihrem zurückhaltenden Engagement in Ölaktien nehmen Investoren offensichtlich einen weiteren Einbruch des Ölpreises vorweg. Auf jeden Fall zeigt die Marktentwicklung seit Mitte März, daß schon die Zurückhaltung der Investoren im vergangenen Jahr, als sich der Ölpreis von den Aktienkursen abkoppelte, angebracht war (siehe Grafik). Seitdem gilt die Regel nicht mehr, daß Ölpreis und Ölaktien stark miteinander korrelieren. Die Analysten der Deutsche Bank gehen für das kommende Jahr von einem Ölpreis um die 20 Dollar aus. Dieses Szenario bedeute für die fünf Konzerne, daß deren Gewinne nicht wachsen, allerdings auch nicht fallen.

Insgesamt sollte eine Mischung aus Zurückhaltung bei den Chemieaktivitäten und Investitionen in die Förderung genügen, um die Gewinne zu stützen. Hierbei wird deutlich, daß der Ölpreis nicht der einzige bedeutende Einflußfaktor für die Ölwerte ist. Die integrierten Konzerne machen ihr Geschäft sowohl in der Förderung (Upstream) als auch in der Verarbeitung (Downstream). Während auf der einen Seite der gestiegene Ölpreis im ersten Quartal die Gewinne steigen ließ, sind auf der anderen Seite die Margen im Raffineriegeschäft unter Druck. "Das Downstream-Geschäft ist das Schlüsselrisiko", schreiben die Analysten der Deutschen Bank.

Wie sich beide Felder gegenseitig neutralisieren, machte kürzlich die Investmentbank Credit Suisse First Boston an den Quartalszahlen von Exxon Mobil deutlich. Während die Gewinne im Fördergeschäft 250 Millionen Dollar über den Erwartungen gelegen hätten, sei der Ertrag aus dem Chemiegeschäft 200 Millionen Dollar niedriger als erwartet ausgefallen. Folgerichtig wird die Aktie mit "Neutral" eingestuft.

"Das Ertragsmomentum zeigt nach unten", faßt Ralph Herre, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, die Mischung aus sinkendem Ölpreis und Margendruck bei den Raffinerien zusammen. In diesem Jahr werde noch eine Gewinnsteigerung bei den integrierten Ölkonzernen zu sehen sein. Doch im kommenden Jahr sei mit einem Gewinnrückgang zu rechnen. Aus Sicht des Analysten müßte es zu einer nachhaltigen konjunkturellen Belebung bei gleichzeitig verbesserter Stimmung an den Aktienbörsen kommen, um die Kurse der Ölwerte nachhaltig zu beleben.

Quelle: sfu., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2003, Nr. 110 / Seite 21
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot