Neuer Trend

Aktie statt Giro-Guthaben

Von Martin Hock
25.05.2022
, 13:56
Nicht mehr unter der Lupe: Der Depotauszug ist wichtiger geworden.
Das Interesse an Aktien ist bei den Bürgern während der Pandemie deutlich gewachsen. Zahlen der Deutschen Bank zeigen eine massive Veränderung des Sparverhaltens im Lauf des vergangenen Jahres.
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Jahrelang hatten die Deutschen die Negativzinsen ignoriert. Sie packten ihr Geld weiter auf Konten, die kaum oder keine Zinsen brachten. Das hat sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres drastisch geändert. Hatten private Haushalte in Deutschland in den ersten sechs Monaten ihre Bankeinlagen noch um mehr als 70 Milliarden Euro erhöht, waren es im zweiten Halbjahr nur noch 13,4 Milliarden. Im dritten Quartal zogen Privathaushalte sogar erstmals seit 15 Jahren unter dem Strich Mittel in Höhe von 3,1 Milliarden Euro ab. Das normalerweise starke Schlussquartal es sei dann mit einem Plus von 16,5 Milliarden Euro deutlich unterdurchschnittlich ausgefallen. Dies berichtet die Deutsche Bank Research in der jüngsten Ausgabe ihres Deutschland-Monitors zu den Finanzen der privaten Haushalte. Insgesamt habe sich der Anstieg der Bankeinlagen halbiert und sei damit so niedrig gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Ein Grund für die Trendwende dürften die pandemiebedingten Einschränkungen und später deren Lockerungen gewesen sein, schreibt Analystin Heike Mai. Eingeschränkte Konsummöglichkeiten dürften zunächst zur Einlagenbildung beigetragen haben, aber schon im zweiten Quartal seien die Konsumausgaben wieder emporgeschnellt. Allerdings könne die Pandemie das Sparverhalten nicht vollständig erklären.

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Aktienfonds statt Girokonten

Vielmehr habe sich auch die Ersparnisbildung verschoben. Die sogenannten Verwahrentgelte seien offensichtlicher, gleichzeitig die Inflation zum Thema geworden. Weniger vermögende Haushalte dürften daher am Ende des Monats weniger Geld zurückgelegt oder übrig gehabt haben. Außerdem lasse eine deutlich höhere Anzahl von Internet-Suchanfragen zum Stichwort „Inflation“ vermuten, dass sich viele Menschen Gedanken um reale Verluste ihrer Geldanlagen gemacht hätten.

Dies spiegele sich in den hohen Summen wider, die Privathaushalte in Finanzanlagen investiert hätten. Insgesamt seien diese im Jahr 2021 netto noch einmal um 52,1 Milliarden Euro über den Spitzenwert des Vorjahres gestiegen. Vor allem in Investmentfonds sei eine Rekordsumme von 104,6 Milliarden Euro geflossen - mehr als doppelt so viel wie der bisher größte Zufluss von 50,9 Milliarden Euro im Jahr 2000. Aktienfonds und Mischfonds seien besonders gefragt gewesen, auch die Zahl der neuen Fondssparpläne sei besonders stark gestiegen. Viele Privatanleger hätten auch direkt Aktien gekauft und darin 31,7 Milliarden Euro investiert.

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Mehr Wohnungsbaukredite

Die Kreditaufnahme sei mit netto 76 Milliarden Euro zum siebten Mal in Folge auf Rekordhöhe gestiegen. Das ausstehende Kreditvolumen bei Banken belaufe sich jetzt auf 1,4 Billionen Euro, 84 Prozent davon seien Wohnungsbaudarlehen. Diese hätten mit einem Zuwachs von 77,9 Milliarden Euro abermals stark zugenommen. Seit 2015 nähmen Privathaushalte Jahr für Jahr immer größere Kreditsummen auf, die Wachstumsraten seien von knapp 2 auf 7 Prozent gestiegen.

Dagegen sei der Bestand an Konsumentenkrediten leicht gesunken. Das dynamische Wachstum der Jahre vor der Pandemie sei vollständig zum Erliegen gekommen. Neben einem geringeren Bedarf dank höherer Ersparnis hätten wohl die eingeschränkten Konsummöglichkeiten die entscheidende Rolle gespielt. Während des weniger beschränkten Sommerquartals seien mehr Kredite aufgenommen worden. Auch die Unsicherheit aufgrund der Pandemie dürfte für Zurückhaltung gesorgt haben.

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Weitere Abschwächung in diesem Jahr erwartet

Für 2022 rechnet Mai aufgrund des Schocks durch den russischen Angriff auf die Ukraine und der eingetrübten Aussichten auf eine kräftige Erholung sowie der Inflationsaussichten mit einem weiteren Rückgang der Einlagenbildung, nicht aber mit einem abermaligen Einbruch.

Zu Jahresbeginn habe das Einlagenwachstum im langjährigen Durchschnitt gelegen, zum anderen könne durch die unsichere geopolitische Lage das Bedürfnis nach liquidem Vermögen zunehmen. Auch dürften die Zinsen auch im Euroraum perspektivisch spürbar steigen. Der Löwenanteil der Ersparnisbildung werde wohl abermals in Investmentfonds, Lebensversicherungen oder Aktien fließen. Aufgrund steigender Renditen könnten zudem die Anleihemärkte wieder interessant werden. Allerdings sei auch da insgesamt ein geringerer Zuwachs zu erwarten.

Das Volumen neuer Wohnungsbaukredite dürfte auch 2022 wieder sehr hoch ausfallen, aber deutlich unter dem Rekordwert des vergangenen Jahres liegen. Steigende Hauspreise würden nicht mehr durch sinkende Kreditzinsen kompensiert. Auch die Verpflichtung der Banken, zusätzliche Eigenkapitalpuffer aufzubauen, dürfte Immobilienfinanzierungen weiter verteuern. Zudem sei mittelfristig ein Ende des Hauspreiszyklus zu erwarten, da die Angebotsknappheit nachlasse und die Bewertungen zunehmend als unattraktiv gälten.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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