Aktien-Analyse

Rekordquartal schützt Samsung-Aktie nicht vor Tagesverlusten

07.07.2010
, 16:51
Der weltgrößte Elektronik-Konzern Samsung überzeugt mit Rekordzahlen. Doch auf den Aktienkurs färbt dieser Glanz am Mittwoch nicht ab. Der Grund: Analysten befürchten demnächst schwächer laufende Geschäfte.

Mit überraschend guten Nachrichten konnte am Mittwochmorgen Samsung Electronics aufwarten. Von April bis Juni sei ein nahezu verdoppeltes Betriebsergebnis von umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro erwirtschaftet worden, teilte der weltgrößte Elektronik-Konzern mit. Beim Umsatz würden zwischen 23,3 Milliarden und 24,6 Milliarden Euro zu Buche stehen, was ein Plus von knapp 14 Prozent bedeuten würde, hieß es unter Berufung auf vorläufige Zahlen.

Unter dem Strich würde es sich dabei um einen Rekordgewinn handeln und das sollte eigentlich auch aus Anlegersicht genügend Grund zum Jubeln geben. Doch die Anleger reagieren überhaupt nicht euphorisch auf die Zahlen. Im Gegenteil: Im Frankfurter Handel fallen die GDRs des südkoreanischen Unternehmens am Nachmittag um 3,39 Prozent auf 168 Euro.

Ausblick dämpft die Freude über das Rekordquartal

Erklären lässt sich das damit, dass die Analysten bereits eine bevorstehende Stagnation im zweiten Halbjahr in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen rücken. Vor allem in Europa sei konjunkturell bedingt mit einem Dämpfer der Nachfrage nach Unterhaltungselektronik und IT-Komponenten zu rechnen, sagte etwa Analyst Michael On von Beyond Asset Management. „Die zweite Jahreshälfte könnte ein Problem werden, da die Nachfrage in Europa sich verlangsamen könnte und darunter der Absatz von Speicherchips und Flachbildschirmen leidet“, sagte er. „Samsungs Gewinn dürften im zweiten Halbjahr nicht mehr so hoch ausfallen wie im ersten.“

Als weltgrößter Hersteller von Speicherchips und Flachbildfernsehern sowie als Nummer zwei bei Handys nach Nokia muss Samsung aber nicht bange sein vor einem zunehmenden Konkurrenzkampf. Die Südkoreaner heizen den Wettbewerb in diesem Jahr mit Rekordinvestitionen vielmehr selbst weiter an. Insgesamt 18 Billionen Won (etwa 11,7 Milliarden Euro) sollen investiert werden. Der Großteil davon soll mit 11 Billionen Won in die Chip-Sparte fließen, um sich für den Wettbewerb mit den heimischen Rivalen LG und Hynix zu rüsten. Samsungs Verwaltungsratschef Lee Kun-hee hat seinem Haus eine Erneuerung verordnet, da die meisten der aktuellen Produkte nach seiner Einschätzung in zehn Jahren keine Rolle mehr spielen würden.

Aktie steckt 2010 in einem Seitwärtstrend fest

Angesichts dieses Weitblicks und der sehr guten Marktstellung sollte die Börse das eigentlich honorieren. Doch beim aktuellen Aktienkurs wird dem Titel nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter acht zugebilligt. Für einen Technologiegiganten wie Samsung scheint das relativ wenig zu sein.

Wegen der allgemein schwachen Weltbörsen dürfte sich an dieser vermeintlichen Unterbewertung zunächst aber vermutlich nichts ändern. Dafür spricht auch die Erfahrung, dass schon die Ende April gemeldeten Erstquartalszahlen der Notiz keinen Schub geben konnten, obwohl auch damals Rekordergebnisse vorgelegt worden waren. Der Aktienkurs wird trotzdem derzeit unter dem damals gültigen Niveau gehandelt.

Charttechnisch gesehen hat sich dadurch ein mittelfristiger Seitwärtstrend herausgebildet, aus dem es ohne Mithilfe von wieder freundlicheren Weltbörsen schwierig werden dürfte, nach oben hin auszubrechen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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