Aktienanleihen

Aktienanleihen tragen einen bewussten Geburtsfehler

25.02.2002
, 18:16
Aktienanleihen: Begrenzte Chance, hohes Risiko
Bei den bald auslaufenden "Aktienanleihen" müssen die Inhaber massive Verluste einstecken. Viele Geschädigte sehen sich getäuscht.
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Dieser Tage spüren die Inhaber von Aktienanleihen schmerzlich am eigenen Leib, dass ihre Papiere mit "Anleihen" der ausgebenden Banken wenig gemein haben.

Bei den Ende Februar auslaufenden Papieren müssen sie massive Verluste einstecken. In den meisten Fällen bekommen die Anleger nämlich die zu Grunde liegenden Aktien angedient, deren Wert weit unter dem ihres eingesetzten Kapitals liegt. Da nützt auch der meist hohe Zinskupon wenig, der nichts anderes ist als eine Optionsprämie.

Nicht nur Neuer Markt-Werte betroffen

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Aus den Unterlagen einer deutschen Bank geht hervor, dass es nur bei zwei von 16 Anleihen zu einer Rückzahlung des Nominalbetrages gekommen ist. Die Verluste sind vor allem bei unterlegten Werten des Neuen Marktes massiv: Ein ehemaliger Anlagebetrag von 5.000 Euro ist nach Auszahlung mit Intershop- oder Heyde-Aktien auf 117 beziehungsweise 146 Euro geschrumpft. Beinahe ein Totalverlust.

Getroffen hat es aber nicht nur Werte vom Neuen Markt. Auch in Aktienanleihen auf Commerzbank- oder Epcos-Aktien investierte 5.000 Euro sind auf rund 3.000 beziehungsweise 2.000 Euro zusammengeschmolzen. Der genaue Wert der jeweiligen Rückzahlungen variiert je nach Ausstattung der Anleihen durch die verschiedenen Emissionshäuser. Tendenziell betroffen sind wegen der Baisse aber alle Aktienanleihen, die in diesem Frühjahr auslaufen.

Bewusster Geburtsfehler: der Name

So hat die Baisse sinnfällig offengelegt, dass das einst so modische Trendprodukt "Aktienanleihe" eine hochriskante Anlageform ist. Was an sich kein Problem darstellt, gibt es doch genügend andere Produkte mit ähnlichem Rendite-Risiko-Profil.

Der Geburtsfehler des Produktes - und, so muss man unterstellen, ein bewusster - liegt jedoch in seinem Namen. So geschickt sich die Emittenten mit dem Hinweis auf Risiken und die Notwendigkeit eingehender Beratung abgesichert haben, so sehr auch einzelne Medien wie FAZ.NET vor den Risiken gewarnt haben (vgl. "Aktienanleihen sind Etikettenschwindel") - den Anlegern wurde mit dem hohen Kupon und der Bezeichnung "Anleihe" suggeriert, eine relativ sichere Anlage mit hoher Verzinsung vor sich zu haben.

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Obwohl sie faktisch Stillhalter einer Verkaufsoption geworden sind, gilt der Termineinwand für geschädigte Anleger nach bisherigem Rechtsstand nicht (vgl. "Rechtsstreit zu Aktienanleihen"). Bleibt den Getäuschten nur die Erkenntnis, dass auf dem Finanzmarkt wie auf jedem anderen Markt zuweilen nicht dasselbe drin ist, was außen draufsteht.

Quelle: @la
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