Aktienmarkt

Stimmung der US-Verbraucher erschreckt die Märkte

29.10.2002
, 22:24
Die Kassen klingeln leiser
Die amerikanischen Konsumenten haben deutlich weniger Zuversicht als erwartet - das könnte die Börsen nachhaltig belasten.
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Einen gehörigen Schreck jagte der um 16.00 Uhr MEZ veröffentlichte Index des US-Verbrauchervertrauens den Börsianern am Dienstag ein: Der Wert für Oktober lag mit 79,4 Punkten drastisch unter dem von Volkswirten erwarteten Wert von rund 90 Zählern. Damit fiel der vom Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board berechnete Index noch unter das Niveau nach den Septemberanschlägen 2001 - auf den tiefsten Stand seit November 1993. Im September hatte der Wert noch 93,3 betragen.

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Der Dax brach sofort deutlich ein und schloss 5,53 Prozent tiefer bei 3.022 Punkten. Der Nemax All Share verlor 2,93 Prozent auf 461 Zähler. Auch der Dollar geriet verständlicherweise unter Druck, und die Rentenmärkte profitierten.

Wall Street reagiert robust

Viel interessanter aber die gelassene Reaktion der Wall Street: Zunächst hatte der Dow Jones zwar bis zu zwei Prozent eingebüßt, schaffte es aber bis zum Handelsschluss sogar noch mit 0,90 Punkten ins Plus auf 8.368,94 Zähler. Der Nasdaq Composite verlor nur moderate 1,16 Prozent auf 1.300,54 Punkte. Ein beeindruckendes Zeichen der Stärke. Und eine erneute Erinnerung, dass Börsen auch überraschend schlechte Nachrichten verdauen können - wenn nur das Sentiment gut genug ist, um sich dagegen zu stemmen.

Leider ist aber sehr fraglich, ob diese Robustheit in den kommenden Wochen anhält. Zwar dürften nun einige Marktteilnehmer argumentieren, dass die Börse die Zukunft handelt, und es eben schlechter kaum werden könne.

Nachhaltiger Druck auf Gewinnerwartungen

Aber gerade ein Stimmungsindikator wie der zum Verbrauchervertrauen taugt zu dieser Argumentation wenig. Gilt er doch als Frühindikator für das künftige Ausgabeverhalten der Konsumenten. Und weist unmissverständlich darauf hin, dass die Amerikaner vor allem angesichts eines schwächeren Arbeitsmarkts und geopolitischer Unsicherheiten den Gürtel enger schnallen wollen. Darauf hatten auch bereits der Vertrauensindex der Universität Michigan und die jüngste Umfrage von ABC/Money Magazine hingedeutet, die sich ebenfalls auf acht- beziehungsweise Neun-Jahres-Tiefs befinden.

Mit dem Konsum wankt die neben dem noch stabilen US-Immobilienmarkt letzte tragende Säule der US-Konjunktur bedenklich, was sich in weiteren Korrekturen der Gewinnschätzungen für die Unternehmen niederschlagen wird - und damit wahrscheinlich auch nachhaltig an der Börse.

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Privater Konsum wichtige Stütze

Kommentatoren vermuten, dass die Verunsicherung durch den „Sniper“ in der Umgebung von Washington, D.C. für das besonders schwache Ergebnis aus der Region „Mid-Atlantic“ verantwortlich war. Doch lässt sich daraus kaum Hoffnung für die nächste Umfrage ableiten, zumal die Erhebungen Anfang Oktober auch bereits in einem günstigeren Aktienmarktumfeld stattfanden, das sich offenbar kaum positiv auswirkte.

Mit rund zwei Dritteln Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat der private Konsum in den Vereinigten Staaten ein besonders hohes Gewicht. Die Kapitalmarktexperten von Standard & Poor's weisen besonders auf die deutlich gesunkene Bereitschaft der Konsumenten hin, ein Auto oder ein Eigenheim zu erwerben.

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Druck auf die Fed

Damit dürften auch die Hoffnungen auf ein besseres Weihnachtsgeschäft einen spürbaren Dämpfer erhalten. Was sich nahtlos in die schon lange diskutierten Szenarien von Investitionszurückhaltung und Deflationsgefahr einfügt.

Die S&P-Analysten erwarten nun erhöhten Druck auf die amerikanische Notenbank Fed, bei ihrer Sitzung am 6. November den Leitzins von derzeit 1,75 Prozent noch weiter zu senken. Der Markt für Fed Funds Futures suggeriere einen solchen Schritt bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Und eine neue Zinssenkung dürfte vornehmlich als Beweis für den Ernst der Lage gedeutet werden.

Quelle: @la
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