Amerika

Öl-Aktien und Banken-Titel ragen aus „Big 20“ heraus

Von John Dorfman, Bloomberg News
29.09.2004
, 11:03
„Diese Kolumne dürfte für all jene von Interesse sein, die ein Faible für die Stützpfeiler des amerikanischen Aktienmarktes haben“, meint Bloomberg-Kolumnist John Dorfman. Er empfiehlt Exxon und Pfizer, rät von Cisco und Intel ab.

Jedes Jahr gebe ich zu den 20 größten gelisteten amerikanischen Unternehmen entsprechende Kauf- bzw. Verkaufseinschätzungen ab. Die von mir im vergangenen Jahr empfohlenen sechs Unternehmen - Exxon Mobil, Citigroup, Merck & Co., Bank of America, Verizon Communications und Wells Fargo & Co. - konnten sich um 22 Prozent verbessern.

Die neun Titel, die ich zu meiden empfohlen haben, verloren im Schnitt 5,2 Prozent, während die fünf von mir als neutral eingestuften Einzelwerte ein Plus von 8,3 Prozent verzeichneten. Die angegebenen Performancezahlen verstehen sich inklusive Dividenden und beziehen sich auf den Zeitraum 11. September 2003 bis einschließlich 24. September 2004. Der Standard & Poor's 500 Index legte im gleichen Zeitraum um elf Prozent zu. Hier nun meine aktualisierten Einschätzungen für die „Big 20“:

General Electric zu teuer, Exxon Mobil profitiert vom Ölpreis

General Electric: Meiden. Die von trüben Perspektiven geplagte Finanzdienstleistungssparte stellt den größten Bereich von GE dar. Die meisten Analysten stufen GE als Kaufempfehlung ein, während sie das Wachstum des Unternehmens mit 9,4 Prozent beziffern. Für mich rechtfertigt das allerdings nicht das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie von 21.

Exxon Mobil: Kaufen. Das größte Energieunternehmen in den USA dürfte beträchtliche Gewinne einfahren - selbst wenn der Ölpreis gegenüber seinem Rekordniveau von über 50 Dollar je Barrel um zehn Dollar fallen sollte. Exxon notiert mit einem KGV von 16.

Microsoft: Meiden. In den vergangenen fünf Jahren wuchsen die Gewinne bei Microsoft mit einer überaus dürftigen Rate von 0,97 Prozent. Dies sollte sich aber zum Besseren wenden. Doch erscheint mir der Titel bei einem aktuellen Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von acht und einem KGV von 22 ein wenig überteuert.

Citigroup erwartet Ertragssteigerungen, Pfizer steigert Gewinn

Citigroup: Kaufen. Mit einer Dividendenrendite von 3,7 Prozent und einem KGV von weniger als zwölf empfinde ich Citigroup als wirklich gute Wette. Der Mutterkonzern von Citibank und Smith Barney wird aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem und im nächsten Jahr mit Ertragssteigerungen glänzen.

Wal-Mart Stores: Meiden. Das Gewinnwachstum hat sich von rasant (über 25 Prozent Ende der neunziger Jahre) auf sehr gut (ungefähr 17 Prozent in diesem Jahr) abgeschwächt. Die Gewinnmargen des Unternehmens scheinen sich nach unten zu entwickeln. Das aktuelle KGV von 23 sehe ich als Schwachpunkt.

Pfizer: Kaufen. Seit drei Jahren habe ich empfohlen, Pfizer zu meiden. Der Titel hat sich zwischenzeitlich jedoch verbilligt, während das Unternehmen gleichzeitig seinen Gewinn steigern konnte. Derzeit notiert der Pharmakonzern mit einem KGV von 15, was ihn in meinen Augen attraktiv erscheinen läßt.

Banken mit guten Aussichten

American International Group: Neutral. Die Prämieneinnahmen und der Nettogewinn des Versicherers sind in den vergangenen fünf Jahren mit einer Rate von 17 Prozent gestiegen. Die Anlagerendite hat sich in den vergangenen zehn Jahren indes rückläufig entwickelt. Die Aktie wird Zugewinne verbuchen, allerdings nur in geringfügigem Maße.

Bank of America: Kaufen. Bei einem derzeitigen KGV von elf und einer Dividendenrendite von 4,1 Prozent macht der Titel einen soliden Eindruck auf mich. Der Bestand an notleidenden Krediten scheint unter Kontrolle, die Profitabilität ist als gut zu bezeichnen, und die Spanne zwischen Soll- und Habenzins ist angenehm hoch.

Johnson & Johnson: Neutral. Dieses Unternehmen genießt meine Bewunderung, doch ist es mir mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV, Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten eines Unternehmens je Aktie) von 5,6, einem KUV von 3,8 und einem KGV von 19 ein bißchen zu teuer.

JPMorgan Chase: Kaufen. Im Vergleich zu Bank of America schätze ich das Wachstum und die Profitabilität von JPMorgan als geringer ein. Ich bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, daß die Aktie bei einem KGV von weniger als elf einen guten Gegenwert bietet.

Berkshire Hathaway bietet unzählige Beteiligungen, Intel zu teuer

International Business Machines (IBM): Neutral. Das Umsatzwachstum hat in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt weniger als zwei Prozent betragen, beim Gewinnwachstum sind es weniger als vier Prozent. Eine Verbesserung ist zu erwarten, doch ist die Aktie bei einem KGV von 18 in meinen Augen angemessen bewertet.

Proctor & Gamble: Meiden. Dieser Titel besticht durch stetiges Wachstum; aber warum sollte man für eine elfprozentige Zuwachsrate ein KGV von 23 und ein KBV von fast neun bezahlen?

Berkshire Hathaway: Kaufen. Das von Warren Buffett gegründete und aufgebaute Unternehmen ist wegen seiner unzähligen Beteiligungen an anderen Firmen - von Washington Post Co. (22 Prozent) bis hin zu Coca-Cola Co. (8,2 Prozent) - günstiger, als es bei einem KGV von 24 den Anschein macht.

Intel: Meiden. Mit einem Abschlag in Höhe von 38 Prozent seit Jahresbeginn dürfte die Intel-Aktie innerhalb der nächsten zwölf Monate wieder ein Kaufkandidat sein - momentan ist das meiner Meinung nach aber noch nicht der Fall. Vergessen wir nicht, daß dieser Titel im vergangenen Jahr um das Doppelte gestiegen ist.

ChevronTexaco moderat bewertet, Merck mit hoher Rendite

Cisco Systems: Meiden. Nach den dunklen Jahren 2001 und 2002 befindet sich Cisco derzeit auf dem Weg für ein Comeback. Ich befürchte nur, daß die Aktie mit einem KUV von 5,4 und einem KGV von 24 ihrer Zeit etwas voraus ist.

ChevronTexaco: Kaufen. Das Unternehmen ist beim aktuellen KGV von zwölf moderat bewertet und bietet außerdem eine dreiprozentige Dividendenrendite. Die von Analysten angegebene Wachstumsrate von 6,5 Prozent ist in meinen Augen zu konservativ geschätzt.

Verizon Communications: Neutral. Verizon bietet eine Dividendenrendite in Höhe von 3,9 Prozent, scheint aber ausgereift und könnte im Internetbereich auf herbe Konkurrenz stoßen.

Wells Fargo: Kaufen. Diese Bank zeichnet sich durch eine überdurchschnittlich hohe Anlagerendite und Nettozinsspanne sowie einen eher kleinen Bestand an notleidenden Krediten aus. Die Aktie notiert mit einem KGV von 15 und wirft eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent ab.

Merck & Co.: Kaufen. Merck erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 40 Prozent, hat eine große Forschungstradition und beim aktuellen KGV von 15 an Beliebtheit verloren. Veröffentlichungsnotiz: Ich halte Merck für viele meiner Kunden im Bestand.
Coca-Cola: Meiden. Coke weist für die vergangenen fünf Jahre eine Gewinnwachstumsrate von 4,2 Prozent aus, während die Umsätze des Unternehmens mit einer Rate von 2,3 Prozent gestiegen sind. Die Aktie wird derzeit mit einem KGV von 19 gehandelt, was ich in Anbetracht der trägen Wachstumsverhältnisse als zu teuer empfinde.

Quelle: Bearbeitung: @thwi
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