Apple-Aktie

Jobs Rückzug wirkt sich höchstens langfristig aus

Von Martin Hock
25.08.2011
, 13:31
Jobs kann Apple nicht mehr führen
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Der Rückzug von Steve Jobs kommt für Anleger ungelegen, aber nicht überraschend. Die Nachfolge scheint geordnet. Ob Nachfolger Tim Cook der Aufgabe gewachsen ist, wird sich frühsten 2012 zeigen.
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Auch wenn es letztlich nicht überraschen kann, so war es für Apple-Jünger und -Aktionäre doch ein Schock, als der Gründer und Vorstandsvorsitzende Steve Jobs am Mittwoch nach Börsenschluss so unvermittelt seinen Rücktritt erklärte. Nachdem die Aktie zunächst vom Handel ausgesetzt war, fiel der Kurs schließlich um deutliche 5,1 Prozent auf 357,02 Dollar. In Deutschland fällt der Kurs am Donnerstag um mehr als 4 Prozent.

Jobs begründet den Rückzug damit, dass er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen könne. Das öffnet Tür und Tor für Spekulationen, vor allem weil naheliegt, dass sein Gesundheitszustand weitaus schlechter sein könnte als zuletzt angenommen. Jobs' hagere Erscheinung hatte in der Vergangenheit wiederholt Spekulationen über dessen Gesundheitszustand ausgelöst, nachdem er schon einmal wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt worden war. Wegen seiner langjährigen Krankheit war Jobs bereits seit Januar freigestellt worden.

Böse Erinnerungen an die Achtziger Jahre beunruhigen

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Eine andere Erklärung bietet sich auch kaum an. Sollte Jobs wirklich zu krank sein, um das Unternehmen zu leiten, so dürfte auch wohl sein Verbleib als Verwaltungsratsvorsitzender wenig mehr als eine Beruhigungsmaßnahme sein. Die Nach-Jobs-Ära hat damit begonnen. Der neue Apple-Chef ist Tim Cook, der bislang das operative Geschäft geleitet hat. Das spricht nach Analystenmeinung für Kontinuität.

Bild: F.A.Z.

Viele Anleger sehen das anders.„Apple ist Steve Jobs, und ohne Steve Jobs ist Apple nicht mehr Apple“, fasst ein Händler zusammen. „Für viele Anleger heißt das, sie trennen sich von den Aktien.“ Erinnerungen werden wach an den Niedergang des Unternehmens ab Mitte der Achtziger Jahre, nachdem Jobs aus dem Unternehmen gedrängt worden war. Als Apple 1997 vor dem Ruin stand, wurde Jobs zurückgeholt - und brachte ein bei seiner Firma Next entwickeltes Betriebssystem mit, auf dem auch die heutige Software der iPhones und Mac-Computer basiert. Dies war der Start für ein fulminantes Comeback, das 1998 mit dem iMac, dem ersten bunten PC begann und seinen jüngsten Erfolg mit dem iPad hatte.

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„Ruhe bewahren“

Nun ist die Frage, wie es weitergeht. „Keine Panik, Ruhe bewahren: Es ist genau die richtige Entscheidung“, sagt etwa Analyst Colin Gillis von Lane Partners. Allerdings rechnet Gillis weiter mit Steve Jobs als Verwaltungsratsvorsitzendem. UBS-Analyste Maynard Um sieht keine Probleme durch den Führungswechsel, da Cook das tägliche Geschäft bereits als Interims-Vorstandschef geführt habe. Wegen der unverändert starken Fundamentaldaten eröffneten mögliche Kursschwäche günstige Kaufgelegenheiten.

Tatsächlich wird sich aber erst weisen müssen, ob Cook Jobs auf Dauer wird ersetzen können. Denn eine Vertretung ist etwas anders, als wenn man das Ruder selbst übernehmen muss. Auch bleibt abzuwarten, wie viel Jobs als Verwaltungsratsvorsitzender noch beitragen wird.

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Unsicherheit könnte Kauflust dämpfen

Grundsätzlich ist dem Urteil von David Goerz, dem Chefinvestor von Highmark Capital zuzustimmen. Apple habe diesen Schritt mit Sicherheit schon lange vorbereitet, da die Gesundheitsprobleme Jobs' nicht über Nacht kamen. Der Markt werde daher erst einmal abwarten. Kurzfristig werde sich das nicht auswirken, dafür sei Apple zu groß. Das schließt allerdings weitere Abgaben an der Wall Street am Nachmittag nicht aus.

Sicherlich negativ ist, dass es nunmehr eine gewisse Unsicherheit um Apple gibt und dies die Kaufimpulse dämpfen wird. Vom marktbedingten, zwischenzeitlichen Kursrückgängen abgesehen, befindet sich die Apple-Aktie seit gut acht Jahren im Aufwärtstrend. Ihr Werte ist seitdem um das 33-fache gestiegen, also um gut 55 Prozent im Jahresdurchschnitt.

Eine gedämpfte Lust auf Apple-Aktie würde sich auch auf die Technologiebörsen auswirken, ist Apple doch mit nicht weniger als 15 Prozent im Nasdaq 100 und 9,33 Prozent im Nasdaq Composite gewichtet.

Erst einmal wirkt Steve Jobs fort

Fundamental wird Apple indes jedenfalls von der Ära Jobs erst einmal weiter zehren können. Das gilt auch etwa für ein mögliches iPad 2 Premium oder iPad 3, über dessen Erscheinen im Herbst spekuliert wird und auch die neue Betriebssystemversion für das iPhone und das iPhone 5. Frühestens 2012 sollte sich dann zeigen, inwieweit Cook es versteht an die Erfolgsgeschichte von Jobs anzuknüpfen.

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Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,8 für das im September endende und 11,8 für das folgende Geschäftsjahr ist die Apple-Aktie nicht hoch bewertet. Sie dürfte vorerst auch unter den Computer-Aktien kaufenswert bleiben, solange sich der Übergang nicht als mühsam herausstellt.

Von Jobs' Rückzug profitiert am Donnerstag mit einem Plus von mehr als 2 Prozent der Aktienkurs von Samsung, bei Tablet-PCs und Smartphones noch der größte Rivale von Apple. Indes wird sich auch da erst langfristig zeigen, ob Samsung daraus wirklich Kapital schlagen kann. Seo Won Seok, Analyst bei NH Investment & Securities will das langfristig nicht ausschließen.

Samsung könnte ebenfalls profitieren

Kurzfristig hofft er darauf, dass Cook sich bemühen werde, das Kriegsbeil mit Samsung zu begraben. Derzeit überziehen sich beide Konzerne wechselseitig mit Patentklagen wegen der Samsung-Konkurrenzproduktserie Galaxy. In den Niederlanden zog Samsung gerade erst den Kürzeren. Ein Gericht verhängte ein landesweites Einfuhr- und Vertriebsverbot für das Galaxy S Smartphone. Die Richter teilten Apples Meinung, dass die Bedienungsmethode plagiiert wurde, auch wenn in einigen Details die Klage abgewiesen wurde. Am Donnerstag wird in Deutschland weiter über ein mögliches Vertriebsverbot für den Galaxy-Tablet-Computer verhandelt.

Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 8,5 für das laufende und 7 für das folgende Geschäftsjahr ist die Aktie von Samsung deutlich günstiger als die von Apple. Indes trauen die Analysten der UBS Apple auch 2012 einen Marktanteil von 60 Prozent im sprunghaft wachsenden Markt für Tablet-Computer zu, Samsung lediglich 8 Prozent - und das ohne die Auswirkungen von Patentklagen. Dennoch könnte auch die Samsung-Aktie längerfristig eine gute Wahl unter den Technologie-Aktien sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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