Bergbau

Kupferboom treibt Aktie von Minengesellschaften

09.08.2005
, 19:19
Kupferkathoden - Rohstoff für die Produktion.
Kupfer gehört immer noch zu den gefragtesten Rohstoffen. In einer Studie bezeichnete die Deutsche Bank unlängst die Lage auf dem Kupfermarkt als den größten Bullenmarkt seit den 70er Jahren. Davon profitieren naturgemäß auch die Aktien der Bergbauunternehmen.

Der Kupferpreis steigt und steigt und steigt. Lag der Preis für eine Tonne des rotbraunen Metalls Mitte Mai diesen Jahres noch knapp über 3.100 Dollar, so notierte der Preis in den Vereinigten Staaten zuletzt bei 3,760,50 Dollar. Das entspricht einer Preissteigerung von 21 Prozent in nur drei Monaten.

Daran vermag auch ein eher bröckelndes Wachstum der Weltwirtschaft derzeit nichts zu ändern. Die Lagerhaltung ist deutlich zurückgegangen, die Nachfrage ist allen Unkenrufen zum Trotz weiter stark. Chinas Netto-Einfuhren stiegen im ersten Halbjahr abermals um neun Prozent, die Verwendung legte um 14 Prozent zu. Gleichzeitig hat die Produktion in Chile, dem Hauptproduzenten von Kupfer weltweit, in der Tendenz abgenommen. Und aktuell verknappen obendrein Streiks in Sambia und beim amerikanischen Produzenten Asarco das Angebot.

Billiges Zusatzgeschäft mit Molybdän

Auch der Preis von Molybdän ist nach oben geschossen. Molybdän wird vor allem in Legierungsform immer dann eingesetzt, wenn es auf Korrosions- und Hitzebeständigkeit ankommt - zum Beispiel auch in Hitzeschilden wie denen der Raumfähre „Discovery“. Allein im vergangenen Jahr verdreifachten sich die Molybdän-Preise. Und in diesem Jahr haben sie sich bereits mehr als verdoppelt.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Antofagasta in Pence in den vergangenen fünf Jahren.
Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Antofagasta in Pence in den vergangenen fünf Jahren. Bild:

Was Verbraucher und die produzierende Industrie wenig freuen dürfte, schlägt sich dagegen positiv in den Bilanzen der Unternehmen aus dem Kupferbergbau nieder. Besonders treibt es die „Pure-Plays“, also die Aktien derjenigen Bergbaugesellschaften, die auf den Abbau von Kupfer und seiner Nebenprodukte wie Molybdän spezialisiert sind. Das zur Verhüttung kommende Molybdänit entsteht als vorwiegend als Nebenprodukt im Kupferbergbau.

Die britische Antofagasta hält Mehrheitsanteile an drei Minen in Chile. Die jüngste davon ist Los Palambres, in der Kupferkonzentrat abgebaut wird. Kupferkonzentrat entsteht aus Kupfererz, enthält generell 25 bis 30 Prozent Kupfer. Das Konzentrat wird eingeschmolzen und zu Anoden verarbeitet, aus denen wiederum Kupferkathoden hergestellt werden. Letztere stellen den Rohstoff dar, aus denen Kupferdraht, -röhren und andere Produkte gefertigt und an den Rohstoffbörsen gehandelt werden.

Negative Nettoförderkosten

Kupferkathoden stellt Antofagasta ebenfalls her, und zwar in den beiden anderen Minen, El Tesoro und Michilla. Das vergangene Jahr verlief für Antofagasta sehr erfolgreich. Der Umsatz stieg um 75 Prozent auf 1,03 Milliarden britische Pfund, der Vorsteuergewinn (Ebitda) um 124 Prozent auf 719,9 Millionen. Der Gewinn je Aktie stieg um 173 Prozent auf 153,4 Pence.

Verantwortlich für die Entwicklung waren nicht nur die gute Verkaufpreisentwicklung, sondern auch eine um 5,6 Prozent gestiegene Kupferproduktion und eine gute Kostenentwicklung. Die Nettoförderkosten pro Tonne sanken um ein Drittel auf 24,3 amerikanische Cents pro Tonne.

Für das laufende Jahr liegen derzeit noch keine Geschäftszahlen vor. Indes zeigen die Produktionsberichte, daß sich der explosive Trend des vergangenen Jahres nicht auf allen Ebenen durchhalten läßt. So fiel die Kupferproduktion im ersten Halbjahr 8,7 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Das mag Taktik sein, um den Kupferpreis nicht durch ein hohes Angebot zu gefährden.

Kupfergehalt geht zurück

Allerdings ist auch der Kupfergehalt des in Los Pelambras produzierten Erzes im zweiten Quartal abermals gefallen und lag zuletzt bei 0,77 Prozent nach 0,88 im Durchschnitt des Vorjahres. Und auch dieser lag bereits unter den 0,91 Prozent des Jahres 2003. Die Produktion von im Konzentrat enthaltenen Feinkupfer ist damit auf den niedrigsten Stand seit fünf Quartalen gefallen. Auch die Bruttoförderkosten sind in der Mine deutlich gestiegen. Nach 53,7 Cents im Jahr 2004 waren es im ersten Quartal 64 und im zweiten Quartal bereits 76,2 Cents je Pfund. Allerdings wird diese Entwicklung derzeit durch die steigenden Molybdänpreise überkompensiert.

Gut entwickeln sich daher die Nettoförderkosten des Unternehmens. Aufgrund der steigenden Molybdänpreise sind sie aktuell sogar negativ, weil das sozusagen kostenlos anfallende Molybdän teurer verkauft wird als der Aufwand für die Kupferproduktion. Im zweiten Quartal wurde mit minus 9,6 Cents je Pfund ein Rekordtief erreicht.

Bewertet ist die Aktie von Antofagasta auf der Basis des laufenden Jahres mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund Neun. Das ist nicht wirklich teuer. So kommen die stärker diversifizierten Minengesellschaften wie BHP Billiton oder Rio Tinto aktuell auf ein KGV von 15 bzw. 12, was einem Abschlag von 40 bzw. 25 Prozent entspricht. Ein Abschlag ist wegen der einseitigen Ausrichtung durchaus gerechtfertigt, erscheint aber derzeit etwas hoch.

Alternative: Phelps Dodge

Charttechnisch ist gegen Antofagasta nicht viel einzuwenden. Seit der Kupferpreis marschiert, tut das auch die Aktie. Seit ihrem letzten Tief Ende des Jahres 2000 hat sie 270 Prozent zugelegt bzw. im Jahresdurchschnitt rund 31 Prozent und markierte am Dienstag bei zuletzt 1421 Pence ein neues Allzeithoch. Allerdings vollzieht die Aktie jede Spekulation und jede Preisänderung bei Kupfer nach und ist deswegen einigermaßen volatil.

Ähnlich volatil verhält sich die Aktie des stärker vertikal integrierten Konkurrenten Phelps Dodge, der außer im Bergbau auch in der Herstellung von Kupferkabeln und Metallpulvern sowie bei Gummi aktiv ist. Sie wird mit einem KGV von 7,2 deutlich günstiger gehandelt. Doch gerade die Diversifikation mit der industriellen Weiterverarbeitung und der Spezialchemie-Bereich, die für rund 32 Prozent der Umsätze stehen, entwickeln sich derzeit nicht so gut und verwässern die positive Entwicklung im Bergbau. Während sich der Bereich Kabel und Draht gut entwickelt, fiel das Betriebsergebnis im Bereich Spezialchemie im vergangenen Jahr um fast die Hälfte.

Das begründet auch den Bewertungsabschlag. Derzeit überlegt man bei Phelps Dodge eine Restrukturierung der industriellen Aktivitäten. Auf der positiven Seite verfügt man über eine komfortable Liquiditätsposition.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot