Biotechnologie

Aktie von GPC Biotech bleibt eine Wette auf die Zukunft

04.08.2005
, 13:54
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von GPC Biotech in den vergangenen drei Jahren.
Schlechte Ergebnisse für das erste Halbjahr präsentierte GPC Biotech am Donnerstag, verursacht durch den Hoffnungsträger Satraplatin. Nur der kann auch die Anleger retten.
ANZEIGE

Anleger, die lange Zeit in Aktien von GPC Biotech investiert sind, müssen einen stabilen Kreislauf haben. Denn wer sich diese Aktie ins Depot legt, muß sich an Achterbahnfahrten gewöhnen. Schon im Sommer 2000 schoß die Aktie erst von 24,52 Euro auf 70, nur um zum Jahresende wieder bei 22,78 zu enden.

Die Kursbewegungen am Mittwoch und Donnerstag aber waren besonders extrem. Am Mittwoch ging es 9,5 Prozent nach oben, am Donnerstag bislang 6,5 Prozent wieder nach unten. Schuld am heutigen Kursrutsch sind die Ergebnisse, die das Unternehmen für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres präsentierte.

Weniger Umsatz, mehr Verlust

ANZEIGE

Der Umsatz des auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten spezialisierten Unternehmens hat im zweiten Halbjahr nicht nur den Nettoverlust ausgeweitet, sondern mußte auch einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnen.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von GPC Biotech in den vergangenen fünf Jahren.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von GPC Biotech in den vergangenen fünf Jahren. Bild:

Verzeichneten die Bücher des am bayerischen Biotech-Standort Martinsried ansässigen Unternehmens im ersten Halbjahr 2004 noch Umsätze in Höhe von 6,6 Millionen Euro, waren es im ersten Halbjahr des laufenden Jahres nur noch 4,4 Millionen Euro - ein Drittel weniger.

Dafür stieg der Periodenfehlbetrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 25,8 Millionen Euro. Vor allem das zweite Quartal schlug sich negativ nieder, in dem sich der Fehlbetrag um 42 Prozent auf 13,3 Millionen verschlechterte.

Allerdings ist das Unternehmen derzeit noch satt finanziert. Die flüssigen Mittel nahmen zwar um rund zehn Millionen seit Jahresbeginn ab. Doch in den zum Bersten gefüllten Kassen liegen immer noch 121,6 Millionen Euro zurück. Dies würde bei der aktuellen Verbrennungsrate immer noch ausreichen, das Unternehmen zweieinhalb Jahre lang in Betrieb zu halten.

ANZEIGE

Erfolgreich am Kapitalmarkt

Allerdings ist dabei etwas Vorsicht angebracht. Denn die liquiden Mittel im engeren Sinne schmolzen dahin wie Butter in der Sonne. innerhalb eines Jahres sank der Bestand um 76 Prozent oder 45 Millionen Euro auf 14,1 Millionen Euro. Nahezu ausgeglichen wurde diese Entwicklung jedoch durch einen Anstieg der Position „Wertpapiere des Umlaufvermögens“ um 36,7 Millionen Euro bzw. 53 Prozent auf 106 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht für das Jahr 2004 handelt es sich dabei um „verzinsliche Wertpapiere hoher Bonität und Terminanlagen“. Diese Position kann sich natürlich wieder verändern, je nachdem wie gut die Finanzabteilung von GPC Biotech wirtschaftet.

Die hohen Kosten, die hinter der finanziellen Entwicklung stehen, wurden dadurch verursacht, daß letzte Studien zum Krebsmittel Satraplatin in diesem Jahr noch einmal zu Buche schlagen. Für das Mittel soll im kommenden Jahr die Marktzulassung beantragt werden. Allerdings geht es dabei nur um die Anwendung als Nachfolgebehandlung für Hormon-resistenten Prostatakrebs.

ANZEIGE

Auf der Umsatzseite hingegen ist GPC Biotech vollkommen von den Erlösen aus einer Allianz mit dem Pharmaunternehmen Altana abhängig, die die einzige Quelle darstellen. GPC Biotech arbeitet im Rahmen dieser Allianz mit dem Altana Research Institute in den Vereinigten Staaten zusammen. Diese Allianz bilde für GPC Biotech „eine Umsatzbasis bis Mitte 2007.“

Abhängig von Altanas Gnade

Altana ist auch der Anlaß für den gestrigen Kursanstieg der Aktie von GPC Biotech gewesen. Denn Altana-Chef Schweickart will im Zuge der Neustrukturierung des Konzerns und der Ausgliederung der Pharmasparte dieselbe durch Akquisitionen, Kooperationen und Allianzen stärken zu wollen.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte er überdies: „Wenn ich sage, daß wir unsere Partnerschaften stärken wollen, dann schließt das die Erhöhung unsere Kapitalspritzen in Biotechnologie-Unternehmen mit ein.“ Eine Möglichkeit sei die Beteiligung von derzeit 8,2 Prozent an GPC Biotech zu erhöhen. Doch die Frage stelle sich momentan nicht - vielleicht im nächsten Jahr, wenn abzusehen sei, wie weit GPC mit der Entwicklung seiner Produkte gekommen sei. Deutlicher kann die Aussage nicht sein. Für Altana ist GPC Biotech offenbar nur eine von vielen Spielwiesen, auf die man einen Fuß gesetzt hat.

ANZEIGE

GPC Biotech hat derzeit nur Satraplatin in der Anwendung gegen Prostatakrebs im zulassungsnahen Stadium. Sollte das Medikament scheitern - und diese Möglichkeit ist bei allen Medikamenten stets gegeben - würde das GPC Biotech weit zurückwerfen. Unter Umständen läßt Altana dann GPC auch fallen. Dies macht die Aktie hochriskant.

Bewertung jenseits der Vernunft

Sollte sich hingegen ein Erfolg abzeichnen, ist es durchaus möglich, daß Altana zuschlägt und GPC im Altana-Konzern als Forschungsabteilung aufgeht wie zuletzt Girindus im Solvay-Konzern. Das ist letztlich das beste, was Anlegern passieren kann, da sie dann in der Regel gut abgefunden werden. Andererseits sollte man sich nicht darauf verlassen, daß dies zu Kursen über zehn Euro geschieht. Das wäre Kaffeesatzleserei.

Bewertet ist die Aktie von GPC Biotech derzeit auf Basis der optimistisch hochgerechneten Umsätze für das laufende Jahr mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von ungefähr 32. Das ist jenseits irgendeiner fundamental zu rechtfertigenden Bewertung.

Charttechnisch liegt die Aktie seit ihrem Drei-Jahres-Hoch vom Frühjahr 2004 in einem nun fast anderthalbjährigen Abwärtstrend, hat aber bei acht Euro eine nicht sehr ausgeprägte Unterstützung. Seit Mai hat sie einen volatilen Aufwärtstrend eingeschlagen, zeigt aber Neigung in einen Seitwärtstrend einzuschwenken. Unter diesen Umständen ist ein Investment wirklich nur Anlegern zu empfehlen, denen es nicht ausmacht, auch mal aus der Achterbahn zu fallen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Strom-Vergleich: Sparen mit günstigem Strompreis
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Hypothekenrechner
Jetzt Zinsen vergleichen
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
ANZEIGE