Biotechnologie

Bittere Medizin für die Aktie von Serono

06.04.2005
, 09:25
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Serono.
Das Biotech-Unternehmen Serono muß einen Doppelschlag verkraften: Die Studie für zwei neue Medikamente sind in der späten Phase abgebrochen worden. Dies dürfte die Chance zunichte machen, den langfristigen Abwärtstrend zu verlassen.
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Am Mittwoch morgen einen Analysten für ein Gespräch über das Schweizer Biotechnologie-Unternehmen Serono zu gewinnen, hat sich als fast unmöglich herausgestellt. Die Ansprechpartner in Frankfurt, London und Zürich zeigten sich schmallippig und hektisch, sofern sie überhaupt zu sprechen waren. Der Grund: Serono hat die Studien zu zwei neuen Medikamenten in der wichtigen Phase III abgebrochen.

Mithin wartet Serono mit schlechten Nachrichten auf, die den Markt akut beunruhigen dürften. Das hat die Aktie vorbörslich zu spüren bekommen: Um 4,3 Prozent ist es mit ihr nach Angaben von Bloomberg News abwärts gegangen. Am Dienstag war sie mit 867 Franken aus dem Handel gegangen. Im frühen Handel geht um knapp fünf Prozent auf 824 Franken abwärts. Auch auf dem Frankfurter Parkett wird Serono verkauft: Das Papier verliert 3,1 Prozent auf 532,10 Euro nach 549,10 Euro am Dienstag. Die Chance, aus dem langfristigen, seit dem Spätsommer 2000 ausgebildeten Abwärtstrend auszubrechen, ist fürs erste dahin.

„Keine signifikante Erhöhung der Überlebensrate“

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Es geht um die Medikamente Onercept gegen Psoriasis und Canvaxin für Stage IV-Melanom ab. Der Studienabbruch erfolge auf Grund der Empfehlungen von zwei unabhängigen Kontrollkommissionen, gab Serono am Mittwoch bekannt. Bei der 2004 begonnenen Phase-III-Studie zu Onercept habe es zwei Fälle von Sepsis gegeben, ein Patient sei gestorben, wie Dow Jones-vwd berichtet. Zudem sei die Wirksamkeit des Mittels gegen Schuppenflechte in der Studie hinter den in der Phase II beobachteten Ergebnissen und der Effizienz vorhandener Medikamente zurückgeblieben. Wegen des ungünstigen Chance-Risikoverhältnisses werde die Entwicklung des Mittels eingestellt.

Bei Canvaxin habe sich bei einer zweiten Auswertung der vorläufigen Daten keine signifikante Erhöhung der Überlebensrate der an Hautkrebs der Phase IV erkrankten Patienten gezeigt, weshalb die Studie abgebrochen werde. Die ebenfalls aktuell laufende Studie zur Behandlung von an Melanom der Phase III erkrankten Menschen werde hingegen auf Anraten der externen Kommission fortgesetzt. Eine endgültige Analyse der Daten sei Mitte 2006 zu erwarten.

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DZ Bank sah schon im Februar hohes Risiko bei Canvaxin

Schon vor der schlechten Nachricht zu Canvaxin hatte es kritische Stimmen zu diesem Mittel gegeben: „Hohes Risiko bei einem kleinen Wert-Beitrag“ sah die DZ Bank schon in einer Ende Februar veröffentlichten Studie. Wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs und das Bankhaus Vontobel hebt das Frankfurter Institut die Bedeutung des Multiple Sklerose-Medikaments Rebif für Serono hervor, die nach dem Rückzug eines Konkurrenzmittels von Elan und Biogen gestiegen sei. Deshalb war der Kurs von Serono Ende Februar von 718 Franken auf 855 Franken hochgeschossen. Zuletzt habe Rebif schon ein Umsatzwachstum von gut 33 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar erzielt. Und mit dem ersten biologischen Schuppenflechte-Mittel Raptiva habe das Unternehmen ein „neues As“ vorzuweisen, das die Erlöse treiben könne.

Vor diesem Hintergrund sind die genannten Analysehäuser grundsätzlich positiv zu Serono eingestellt. Die Deutsche Bank hat das Kursziel für den den Titel Anfang März von 725 Franken auf 950 Franken heraufgesetzt zum das Papier zum Kauf empfohlen. Die DZ Bank sieht einen fairen Wert von 780 Franken. Goldman Sachs sieht in Serono einen „Outperformer“, ebenso wie das Bankhaus Vontobel, das zudem seit Februar 1.091 Franken als fairen Wert nennt.

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Vontobel: Kein Beinbruch

Das Schweizer Institut bleibt aber bei dieser Einschätzung. Vontobel-Analyst Tilman Dumrese sagte, es sei immer eine schlechte Nachricht, wenn reife Projekte noch scheiterten. Deshalb sei es kein Wunder, daß die Börse den Titel nun abstrafe. Allerdings habe er die Markteinführung für Canvaxin frühestens für 2009 gesehen, jene von Onercept erst für 2007. So sei mittelfristig ausgerichtete Umsatzphantasie weggebrochen. Er gehe aber davon aus, daß Serono seine Forschungspipeline nun verstärken werden und den Schaden ausgleichen könne. Entsprechendes habe Serono in der Vergangenheit stets bewiesen. Der Titel dürfte weiter besser laufen als der Durchschnitt der Biotechs, meint Dumrese.

Das heißt indes nicht, daß Serono gut läuft. Aktuell errechnet sich ein Jahreskursgewinn von etwa 3,4 Prozent. Damit hat sich der Titel zwar besser entwickelt als der Swiss Market Index (SMI) mit einem Plus von 2,2 Prozent - aber berauschend ist die Performance nicht. Dabei ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20 für einen profitablen und wachstumsstarken Biotech-Titel gewiß nicht teuer. Das charttechnische Bild ist aber nicht gerade vorteilhaft. Durch den Kursrutsch ist die Notiz unter die Unterstützung bei 840 Franken gefallen und hat auch den schwächeren Haltepunkte bei 830 Franken unterlaufen. Doch bewegt sich der Kurs noch deutlich über der bei etwa 770 Franken verlaufenden 200-Tage-Linie.

Risikofreudige Anleger können sich vor diesem Hintergrund über die seit Ende Februar verbliebenen Kursgewinne freuen und darauf wetten, daß die Anleger die schlechte Nachricht bald verdaut haben und Aktie nicht über eine längere Phase abgestraft wird. Andere dürften nicht schlecht damit beraten sein, angesichts des übergeordneten Trends Gewinne zu sichern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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