Biotechnologie

Vogelgrippe führt zu Fieber bei Biocryst-Aktie

11.10.2005
, 09:23
Gegen die Vogelgrippe gibt es noch kein Mittel
Biotech-Aktien sind immer für einen scharfen Kursanstieg gut. Es benötigt nur eine aktuelle Spekulation. Die Biocryst-Aktie profitiert vom Schreckgespenst der Vogelgrippe.

Biotech-Aktien kommen wieder in Mode. Am Montag legten an Wall Street nach Börsenschluß vor allem Werte zu, die bislang eine schwache Wertentwicklung aufwiesen - mit Ausnahme von Biocryst Pharmaceuticals. Die Aktie legte fast fünf Prozent auf 13,62 Dollar zu.

Dabei war sie auch schon vor der Schlußglocke mit einem Plus von 11,4 Prozent gut gelaufen. Auch auf dem deutschen Parkett gehörten Biocryst zu den Tagessiegern. 26 Prozent nach oben auf 10,93 Euro - das ist schön. Dabei war dieser Kursanstieg keine Eintagsfliege. Bereits seit Mai läuft das Papier steil nach oben. Damals notierte die Biocryst-Aktie noch bei 2,81 Euro. Das macht ein Plus von 290 Prozent innerhalb von sechs Monaten.

Die Normalität des Auf und Ab

Die Aktie hat damit eine Trendwende eingeleitet. Denn seit Mitte 2004 wies sie einen leichten Abwärtstrend auf, der sich an eine berauschende Bergfahrt des Jahres 2003 angeschlossen hatte, die die Aktie von 70 Cent auf über sieben Euro führte. Diese aber war auch nur eine Gegenreaktion auf eine katastrophale Talfahrt vom Fünf-Jahres-Hoch bei 21 Euro aus dem November 2000.

Biotechnologie
Vogelgrippe führt zu Fieber bei Biocryst-Aktie
© Reuters, Reuters

Diese Beschreibung zeigt, was die Aktionäre von Biocryst mitunter mitmachen müssen. Das liegt nicht zuletzt daran, daß Biocryst immer noch ein Forschungsunternehmen ist, das bislang keine nennenswerten Umsatzerlöse, geschweige denn irgend eine Form von Gewinnen verzeichnet hat.

Die einzigen nenneswerten Einnahmen jenseits von Kapitalmaßnahmen sind Meilensteinzahlungen und Forschungszuschüsse von Kooperationspartnern. Die Bilanzen von Biocryst zeigen dabei deutlich, daß sich die Lage von Forschungsunternehmen in diesem Sektor seit Beginn des Jahrtausends nicht gerade zu ihrem Vorteil entwickelt hat. 2001 wurden noch über sieben Millionen Dollar verbucht. Doch dann kündigten die Partner Ortho-McNeil and RWJPRI ein weltweites Lizenzabkommen zur Entwicklung und Vermarktung von Grippemedikamenten.

Vogelgrippe treibt den Kurs

Seitdem fließt Biocryst weniger als eine Million Dollar jährlich zu. Dementsprechend sind seitdem auch die Verluste des Unternehmens erheblich gestiegen - im Vorjahr auf einen Dollar je Aktie, obgleich sich deren Zahl im gleichen Zeitraum um 21 Prozent auf 26,149 Millionen Stück vermehrt hat.

Kurstreibend wirken daher andere Faktoren. Im Falle Biocryst ist es die Vogelgrippe. Indes ist diese Spekulation eher vage. Das Grippemedikament Peramivir wird derzeit im Rahmen der verzweifelten Suche nach einem wirksamen Medikament gegen die neuartige Krankheit getestet wie viele andere auch. Die Hoffnungen erscheinen dabei ein wenig auf die Zukunft gerichtet - denn das Medikament fiel im Jahr 2002 in den klinischen Studien der Phase III durch. Auch das Ende der Partnerschaft im Jahr 2001 war ein Resultat schlechter Verkaufszahlen der Grippemedikamente.

Wer daher Hoffnungen auf Biocryst-Medikamente setzt, sollte sich auf andere Präparate fokussieren. Selbst stellt Biocryst auch vielmehr das Leukämie-Mittel Fodosine in den Vordergrund, das im Frühsommer den bevorzugten Bearbeitungsstatus durch die Gesundheitsbehörde zuerkannt erhielt. Allerdings ist auch Fodosine nur in Phase II - und die meisten Medikamente scheitern in Phase III.

Die Spekulation auf Biocryst ist also heiß, sehr heiß. Indes hat die Aktie auf ihrem derzeitigen Weg nach oben mittlerweile die Widerstände der vergangenen fünf Jahre überwunden. Zwar existiert eine Widerstandszone bei 15 Dollar, doch diese resultiert aus den Jahren 1996/97, so daß sich über ihre Relevanz streiten läßt. Daher steht die Zone bei 28,50 Dollar aus den Jahren 2000/2001 als Zielgröße daher stärker im Fokus und bis dahin ist noch Platz. Doch sollte Peramivir aus den Forschungen zur Vogelgrippe ausscheiden, wird die Aktie unweigerlich abstürzen. Wer daher auf der derzeitigen Kurswoge mitreiten will, braucht einen flinken Fuß.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot