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Börsengang

Facebooks Gewinn sinkt - die Aktie ist trotzdem interessant

Von Martin Hock
 - 11:27

Selten ist wohl so viel Brimborium um einen angekündigten Börsengang gemacht worden, wie um den von Facebook. Werte von bis zu 100 Milliarden Dollar werden für das Unternehmen kolportiert, obwohl noch gar nicht feststeht, wie viele Aktien zu welchem Preis verkauft werden sollen.

Indes sind die Vorschusslorbeeren immens. Immerhin machte Facebook laut Wertpapierprospekt im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinn von 1 Milliarde Dollar, immerhin ein Plus von rund zwei Dritteln, nach einem Zuwachs von 164 Prozent im Jahr davor. Der Umsatz hatte sich auf 3,7 Milliarden Dollar knapp verdoppelt, nachdem er 2010 um rund 150 Prozent gewachsen war. Dass die Reingewinnmarge von knapp 30 auf immer noch hohe 27 Prozent gefallen war, vermag da das Bild wenig zu trüben, wenngleich Marktforscher mit deutlich höheren Umsätzen gerechnet hatten.

Hohe Kosten drücken Gewinn

Einen Kratzer erhält das Bild von der schönen neuen Facebook-Welt und Google II aber am Dienstag. Mit 205 Millionen Dollar liegt der Gewinn des ersten Quartals des laufenden Jahres um ein Achtel niedriger als im Vergleichsquartal des vergangenen Jahres, obgleich der Umsatz um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar gewachsen ist. Die Reingewinnmarge nimmt sich mit weniger als 20 Prozent damit schwach aus.

Ursache der Gewinnschwäche sind Kosten, die mit 677 Millionen Dollar fast doppelt so hoch ausgefallen sind wie im Vorjahr. Bei einem leicht niedrigeren operativen Gewinn von 381 Millionen Dollar hat Facebook damit für jeden Dollar Umsatz mehr 1,021 Dollar aufgewendet. Da werden schon einmal rasch Erinnerungen an die New-Economy-Ära wach, wonach nicht die Knappheit der Güter deren Preis bestimmt, sondern erst ihre universelle Verfügbarkeit und Unternehmen erst einmal wachsen müssen, bevor sie richtig Geld verdienen können.

Und just dies ist die Ursache des Gewinnrückgangs. Dieser beruht zum einen auf dem Ausbau der technischen Infrastruktur, aber auch auf höheren Ausgaben für den Ausbau der Werbeabteilung und der zielgruppenspezifischen Werbung. Laut Facebook wird der Anteil dieser Kosten am Umsatz im laufenden Jahr höher sein als 2011. Das bedeutet, dass 2012 mit niedrigeren Margen zu rechnen ist.

Mehr User bedeuten nicht mehr Gewinn

Zu spüren bekam Facebook auf der Einnahmenseite zudem per saldo unveränderte Anzeigenpreise und eine Verschiebung des Anzeigenvolumens nach Asien und Südamerika. Dort sind die Preise niedriger. Da zu allem Überfluss die preise in Europa fielen, konnten auch höhere Preise in Nordamerika dies nicht überkompensieren.

Die Facebook-Zahlen zeigen, dass im Internet mehr User nicht automatisch mehr Gewinn bedeuten. Im Gegenteil: Trotz 56 Millionen monatlich aktiver Nutzer mehr machte das Unternehmen 97 Millionen Dollar weniger Gewinn, bezogen auf die Ergebnisse des vierten Quartals 2011. Die Werbeerlöse fielen vielmehr um 71 Millionen Dollar. Allein 43 Millionen Dollar weniger nahm Facebook dabei in Nordamerika ein. Bei unveränderten Anzeigeerlösen bedeutet das, dass die Anzeigenauslieferungen gesunken sind. Facebook macht saisonale Effekte dafür verantwortlich, was insofern plausibel erscheint, als das Weihnachtsgeschäft in das vierte Quartal fällt.

Letztlich muss man auch die Kirche im Dorf lassen. Facebook hat weiter Geld verdient und ein schwächeres Quartal muss kein Indiz für die Hohlheit einer Wachstumsgeschichte sein. Vielmehr zeigt sich, dass auch Facebook das Geld nicht in den Schoß fällt und dass das Unternehmen wie alle Firmen, deren Umsätze im wesentlichen aus Werbeerlösen stammen sich saisonalen und konjunkturellen Effekten ausgesetzt sieht. Das dürfte für Facebook auch stärker gelten als für Google, da viele Google-Anzeigen gar nicht so sehr als Anzeigen denn als Suchergebnisse wahrgenommen werden.

Vergleichbar mit Googles Börsengang

Facebook hat sicherlich das Potential, ein großes, gut verdienendes Unternehmen zu werden, das auch Aktionären Freude macht. Aber ein Selbstläufer wird das Unternehmen nicht werden. Ganz anders sieht das erst einmal für die Facebook-Aktie aus. Die Erwartungen sind hoch, die Stimmung gut.

Geht man von den kolportierten 75 bis 100 Milliarden Dollar für das Unternehmen aus, so ergäbe sich auf Basis des Jahres 2011 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 48 bis 64. Das liegt noch unter dem KGV, mit dem die Google-Aktie im Jahr 2004 auf Basis des laufenden Geschäftsjahres plaziert wurde. Insofern ist eine Bewertung in dieser Größenordnung angesichts der Erwartungen gar nicht so unwahrscheinlich.

Der Kurs der Google-Aktie stieg in den folgenden zwölf Monaten nach dem Börsengang um 230 Prozent, wodurch sich ein KGV auf Basis des seinerzeit laufenden Geschäftsjahres 2005 von 52 ergab. Mittlerweile ist das Google-KGV auf ein normales Maß von knapp 14 für das laufende Jahr gefallen, weil Googles Gewinne stärker wuchsen als der Kurs stieg. Einem Gewinnanstieg je Aktie um den Faktor 14,6 seit 2004 steht ein Kursanstieg um „nur“ das Siebenfache seit Emission gegenüber.

Erfolgsfaktor Fingerspitzengefühl

Von der Unternehmensgröße her ist Facebook mit dem Google von 2004 vergleichbar. Der Suchmaschinenbetreiber machte seinerzeit auch nur einen Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar und mit 399 Millionen Dollar sogar deutlich weniger Gewinn als Facebook.

Zwei Faktoren sind für den Erfolg von Facebook ausschlaggebend. Zum einen muss es gelingen, das Wachstum zu managen. Der Zukauf von Instagram und von AOL-Patenten hat 1,55 Milliarden Dollar gekostet, 850 Millionen Dollar davon in bar. Das sind 56 Prozent des Barmittelbestandes zum 31. Dezember, der seit dem 2010 schon kontinuierlich geschmolzen ist. Allerdings ist der operative Mittelzufluss im selben Zeitraum beständig gestiegen - sogar im ersten Quartal 2012.

Zum andern muss Facebook das Werbepotential seiner Nutzer mit so viel Fingerspitzengefühl wie nötig auszubeuten, dass diese nicht verprellt werden. Letztlich wollen diese kommunizieren und nicht beworben werden. Zwar ist Fingerspitzengefühl im Umgang mit Nutzern nicht immer die starke Seite von Facebook gewesen, ernsthaft geschadet hat sich der Konzern aber bisher damit nicht und es spricht einiges dafür, dass das so bleibt.

Quelle: FAZ
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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