Börsenzyklen

Mit dem April endet die beste Börsenzeit

25.04.2003
, 10:56
Der Frühling - eine spannende Jahreszeit auch an der Börse
Der April neigt sich dem Ende zu. Doch während in der Natur nachfolgend die Temperaturen steigen, fallen sie an den Aktienmärkten. Zumindest erweist sich die Zeit von Mai bis Oktober als eher schwache Börsenphase.

Es mutet zwar wenig rational an, aber statistisch lässt sich belegen, dass auch Börsen ihre Formhochs und Formtiefs haben. Rückbetrachtungen zeigen jedenfalls, dass der Spruch „Sell in may and go away“ im Schnitt gesehen durchaus eine gewisse Berechtigung hat.

Zumindest deutet eine Untersuchung der Analysten beim amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s an, dass Anleger mit einem saisonalen Denken besser gefahren waren. Denn der historische Performance-Vergleich für den S&P 500 Index zeigt von 1990 an gerechnet für die Monate November bis April ein durchschnittliches Plus von 8,1 Prozent. In der Phase von Mai bis Oktober ergab sich stattdessen im Schnitt ein deutlich geringeres Plus von 0,7 Prozent.

Mit einem Branchenansatz lassen sich die Saisonalitäten noch besser nutzen

Erklärungen für dieses Phänomen gibt es viele. Bewiesen ist dabei bisher aber noch keine der Begründungen. Mit am plausibelsten klingen aber die folgenden Überlegungen. So stehen die Anleger zu Jahresbeginn auf Grund von Mittelzuflüssen oft unter einem gewissen Anlagenotstand, dessen Abbau auch dem Aktienmarkt zu Gute kommt. Zudem ist in der Sommer- und damit Ferienzeit oft Lethargie angesagt. Urlaubsbedingt fehlt es dadurch nämlich an inspirierenden Nachrichten. Am Jahresende dagegen sind viele institutionelle Anleger geneigt, über gezielte Käufe die Jahresperformance noch einmal aufzupeppen.

Wie dem auch sein, für den amerikanischen Markt hat S&P auch noch herausgefunden, dass man sich die jahreszeitlichen Zyklen noch durch einen geschickten Branchenansatz zusätzlich zu Nutze machen kann. Denn während ein allgemeines Investment in den S&P 500 Index von Mai 1990 bis April 2003 ein Plus von im Schnitt 8,2 Prozent brachte, konnten Anleger mit einem geschickten Hin- und Herrotieren zwischen dem S&P und dem Index der Grundnahrungsmittelaktien ein Plus von 13,3 Prozent erzielen. Wer das Gleiche mit dem S&P und der Gesundheitsbranchenindex machte, der kam sogar auf einen Zuwachs von 15,5 Prozent.

Auch am deutschen Aktienmarkt gibt es Zyklen

Ähnliche Phänomene lassen sich im übrigen auch am deutschen Aktienmarkt beobachten. So vertraut etwa der Anbieter der Internetseite www.seasonal-charts.com bei seinen Anlageentscheidungen stark auf saisonale Zyklen. Die Historie bestätigt ihn durchaus in diesem Ansatz, denn laut eigenen Recherchen weist der deutsche Aktienmarkt seit 1974 ausgeprägte Saisonalitäten auf. Am besten läuft es demnach vom siebten November bis zum 17. April. In der anderen Zeit bewegt sich der Dax per saldo dagegen kaum. Allerdings gibt es auch in dieser Phase starke Schwankungen zu beobachten. So erweist sich der Markt zwischen dem 17. April und dem 28. Mai sowie von Mitte August bis zum siebten November als schwach, während dazwischen häufig eine Aufwärtsbewegung einsetzt.

Aus diesen Beobachtungen resultiert die Erkenntnis, dass sich rückblickend die Zeitpunkte letzte Januarwoche, 28. Mai, siebter November und 14. Dezember historisch gesehen als günstige Einstiegszeitpunkte erwiesen. Verkäufe boten sich demnach dagegen am 17. April und am achten August an. Die Jahresendrally vom 19. Dezember bis achten Januar war mit einem Kursgewinn von rund drei Prozent in drei Wochen eine der markantesten und lukrativsten Bewegungen, wie es bei www.seasonalcharts.com heißt.

Quelle: @JüB
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