Branchen-Analyse

Europäische Ölaktien vor neuen Kurshöhen

24.09.2004
, 10:32
Einträglich: Suchen und Fördern von Öl
Der Ölpreis steigt nach einer Phase der Stagnation weiter. Parallel dazu sind Aktien der Ölkonzerne ENI, OMV und Statoil auf Fünfjahreshoch und streben weiter aufwärts. Dabei sind sie noch unterbewertet, so Morgan Stanley.

Die amerikanischen Ölvorräte sind fast so niedrig wie seit 29 Jahren nicht mehr, wie eine Umfrage von Bloomberg ergeben hat. Deshalb erwarten Analysten verstärkte Zukäufe amerikanischer Raffinierien, um die Läger wieder Schritt für Schritt aufzufüllen. Die prognostizierte Folge: Der Ölpreis wird weiter steigen. 50 Dollar je Barrell (159 Liter) könnten nächste Woche schon erreicht werden. Der Rekord steht bei 48,70 Dollar, markiert am 19. August. 48,46 Dollar wurden am Donnerstag an der New York Mercantile Exchange für dieselbe Menge leichten amerikanischen Öls bezahlt, während der Preis für das Barrell der Norsee-Sorte Brent auf 45,10 Dollar nach 44,93 Dollar gestiegen ist.

„Es sieht so aus, als ob wir in eine Phase eintreten, in der der Ölpreis in ungeahnte Höhen klettert“, wird Chuck Hackett, Analyst bei Access Futures & Options Trading, einem Rohstoff-Makler, bei Bloomberg zitiert. Die Wiederaufnahme des Höhenflugs des Ölpreises belastet die Aktienmärkte. Doch es gibt auch Gewinner. Das sind, was wenig verwundert, in Amerika wie in Europa - Ölaktien. Die Papiere der italienischen Eni, der österreichischen OMV und der norwegischen Statoil bewegen sich auf Fünfjahreshoch-Niveau. Dagegen fällt der Titel der spanischen Respol-YPF deutlicher ab, obwohl auch dieser in den vergangenen Monaten zugelegt hat.

Eni, Repsol-YPF und Statoil die größten Profiteure

Und nach Einschätzung der Investmentbank Morgan Stanley spiegeln die Kurshöhen europäischer Ölaktien das Preisniveau des zähflüssigen „schwarzen Goldes“ nicht annähernd wider. Sollte der Preis für europäisches Öl auf dem derzeitigen Niveau über Monate bleiben, dürften die entsprechenden Konzerne im nächsten Jahr gut 50 Prozent mehr verdienen als bisher prognostitiert; bei einem Brent-Preis von 35 Dollar wären es immerhin 27 Prozent, hat Morgan Stanley errechnet. Das größte Kurspotential billigen die Analysten dabei Repsol-YPF, Total und Eni zu. Gemessen am aktuellen Schwung und der Bewertung stechen bisher indes OMV und Statoil hervor.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung die Eni-Aktie.
Der Chart zeigt die Kursentwicklung die Eni-Aktie. Bild:

Morgan Stanley geht einer Studie zufolge davon aus, daß die Kurse europäischer Ölaktien einem Ölpreis von lediglich rund 25 Dollar und der dazu passenden Ertragslage entsprechen. „Es gibt eine ganz klare und zunehmende Trennung zwischen den Märkten für den Rohstoff Öl und den Ölaktien. Jedoch beginnt der Aktienmarkt hin zu steigenden Kursen bei Ölaktien umzuschalten“, so die Analysten der Investmentbank. Sie verweisen auf eine anhaltend stabile Nachfrage, die auf vergleichsweise niedrige Lagerbestände treffen, besonders wie erwähnt in Amerika.

Aus Sicht von Morgan Stanley müßte der Preis für das Barrell Brent regelrecht zusammenbrechen und auf 20 Dollar sinken, um europäische Ölaktien teuer erscheinen zu lassen. Die Bank äußert sich mit Blick auf die Ölpreise konservativ und geht von durchschnittlich 25 Dollar je Barrell aus. Sie gibt aber zu bedenken, daß auch 35 Dollar im nächsten Jahr gesehen werden könnten, sofern es keine Rezession in Amerika und China gibt, die bisher kein Thema ist.

OMV und Statoil am interessantesten

In diesem Fall billigen die Analysten in den Konzernen Eni, Repsol-YPF und Statoil die größten Profiteure einer Hochstufung der Schätzungen des Gewinns je Aktie. Statoil und Repsol-YPF wären auch jene, die den größten Zuwachs beim Barmittelzufluß gewärtigen könnten. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), die zum Teil für 2004 und 2005 noch zweistellig sind, fielen auf einstellige Werte zurück. Dabei bliebe Repsol-YPF der günstigste Wert; derzeit weist er ein KGV von 9,5 auf.

Allerdings scheint die Aktie der Spanier aus charttechnischer Sicht am unattraktivsten zu sein. Sie bewegt sich zwar wie die anderen genannten Ölaktien in einem langfristigen Aufwärtstrend, läuft aber seit April nur seitwärts. Zudem ist ihr binnen Jahresfrist erzieltes Kursplus von 18 Prozent vergleichsweise bescheiden: Der europäische und amerikanische Ölwerte umfassende Ölindex ist im selben Zeitraum um 39,2 Prozent gestiegen. Eni mit einem KGV von 11,8 hat sich um 35 Prozent verteuert, die mit 10,5 bewertete Statoil-Aktie um 49 Prozent - und das Papier von OMV als Krösus ist um 83 Prozent teurer als Ende September 2003, wobei es mit einem KGV von 9,9 zu den günstigen Werten zählt. Mithin wirken OMV und Statoil am interessantesten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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