Computer-Aktien

Apple und Lenovo haben die Nase vorn

Von Martin Hock
19.08.2011
, 11:31
Aus für das Touch-Pad
Hewlett-Packard steigt aus dem Hardware-Geschäft aus. Dies ist eine Folge der Umwälzungen auf dem Computer-Markt, die auch Dell und Acer unter Druck setzen. Lenovo und Apple haben derzeit die Nase vorn.
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Als ob die Rahmendaten an der Börse nicht schlecht genug wären, häufen sich mittlerweile die schlechten Nachrichten aus Unternehmen. Die Krisen von Praktiker oder Air Berlin mögen gering sein, aber was der weltgrößte Computer-Hersteller den Anlegern am Donnerstagabend auf den Tisch packte, war schwer verdaulich.

Der Konzern will sich aus dem Hardware-Geschäft deutlich zurückziehen und künftig vor allem auf Software und Dienstleistungen setzen. Hewlett-Packard (HP) will sich von seinem PC-Geschäft trennen, das nur noch niedrige Margen abwirft. Im vergangenen Quartal erbrachte diese größte Konzernsparte mit 9,6 Milliarden Dollar fast ein Drittel der Konzernumsätze.

HP steigt aus der Hardware aus

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Aufgeben wird HP auch das Geschäft mit Tablet-PCs und Smartphones, obwohl sich der Konzern erst im vergangenen Jahr mit der Übernahme des Spezialisten Palm ein neues Betriebssystem verschafft hatte. Das Geschäft mit Geräten mit dem eigenen mobilen Betriebsystem Web OS wird gestoppt. Das Geschäft hätte weitere Milliarden-Investitionen erfordert, ohne Garantie, das Geld jemals wiederzusehen, erklärte Finanzchefin Cathy Lesjak. HP prüft aber noch, ob sich die Software lizenzieren oder verkaufen lässt. Im Gegenzug erwirbt der Konzern für rund 10,25 Milliarden Dollar die britische Autonomy, die auf Softwarelösungen für Unternehmensdaten spezialisiert ist.

Bild: F.A.Z.

Der Wandel passt in die Strategie, die der frühere SAP-Chef Apotheker in den vergangenen Monaten ausgegeben hatte: Fokus auf das lukrative Geschäft mit Software und Dienstleistungen, effizienteres Wirtschaften, mehr Wert für Aktionäre. Denn die Anleger waren zuletzt unzufrieden mit dem sinkenden Aktienkurs und schwachen Erträgen. Bereits mehrfach musste der Konzern die Prognosen für das Geschäftsjahr zurückschrauben. Mitte Mai hatte Apotheker in einem internen Schreiben vor einem „weiteren schwierigen Quartal“ gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Jetzt wurden die Prognosen abermals gekappt.

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Der Tablet-Effekt

Denn die gleichzeitig vorgelegten Zahlen für das Ende Juli abgeschlossene dritte Geschäftsquartal untermauerten die Probleme. Der Umsatz legte lediglich um 1 Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn verbesserte sich um 9 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Allerdings sank der Umsatz des PC-Bereichs im Jahresvergleich um 3 Prozent, weil die Erlöse im Geschäft mit Privatkunden um 17 Prozent absackten. In der Software-Sparte stiegen die Erlöse hingegen um ein Fünftel bei drastisch höheren Margen.

Vor allem Apple macht HP zu schaffen: Der Tablet-Computer iPad lockt Kunden von Notebooks weg. Das HP-Tablet TouchPad konnte sich nicht als Rivale etablieren - und wird jetzt nach weniger als zwei Monaten auf dem Markt auch keine weitere Chance mehr bekommen. „Der Tablet-Effekt ist real“, sagte Apotheker auf der Telefonkonferenz.

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Dell schwächelt

Die Maßnahmen von HP sind drastisch, aber letztlich nicht überraschend. Denn der Wandel des PC-Marktes vollzieht sich rasch, hat aber nicht erst mit dem iPad begonnen. Der Druck, unter den die asiatischen Hersteller die Amerikaner HP und Dell gesetzt hatten, hatte sie vor allem im Privatkundengeschäft in die Defensive gedrängt.

Erst am Mittwoch hatte Dell schwache Zahlen und einen noch schwächeren Ausblick vorgelegt. Im abgelaufenen Quartal war das Unternehmen kaum gewachsen. Im abgelaufenen Quartal erhöhte sich der Umsatz um ein Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr sagt Dell nur noch ein Umsatzwachstum zwischen 1 und 5 Prozent voraus. Davor hatte die Prognose bei 5 bis 9 Prozent gelegen.

Grund für die Entwicklung ist eine Eintrübung im Geschäft mit Endverbrauchern und Kunden aus dem öffentlichen Dienst. Das Endverbrauchergeschäft, das für weniger als 20 Prozent des Konzernumsatzes steht, schaffte ein kleines Plus von einem Prozent. Dell hat in den vergangenen Jahren versucht, sein Geschäft mit Verbrauchern auszubauen, und hat zum Beispiel auch Tabletcomputer auf den Markt gebracht. Das Unternehmen hat hier aber bislang keine allzu großen Fortschritte gemacht. Nach dem Rückzug von HP stehen nun eher noch mehr Fragezeichen hinter den Erfolgsaussichten.

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Acer bekommt die Lager nicht leer

Doch auch den Asiaten geht es nicht in jedem Fall besser. Gerade bei Acer, die zuletzt sehr erfolgreich mit Notebooks waren, zeigt sich der Tablet-Effekt. Acer versuche seine Lager ohne Erfolg zu leeren, heißt es aus Taiwan. Doch der Absatz fiel im ersten Halbjahr um 10 Prozent erlitten. In Europa fielen die Verkaufszahlen gar um 40 Prozent. Die Verkaufszahlen der Netbooks, dem unmittelbarsten Konkurrenten des Tablet-Pcs, sanken um 44 Prozent.

Darob senkte Acer die Verkaufsprognose für Notebooks von einem Zuzwachs um 25 Prozent auf ein Absatzminus. Und in das Geschäft mit Tablet-PCs kommt Acer nicht richtig hinein. Das Unternehmen senkte vor kurzem seine Absatzprognose für das laufende Jahr den Verkauf von Tablet-PCs um nahezu 60 Prozent von 5 bis 7 auf 2,5 bis 3 Millionen Stück.

Der Konzern will nun in Europa 300 Stellen abbauen und dem Handel 150 Millionen Dollar für Abschreibungen auf .Lagerbestände zur Verfügung stellen. Zudem will man sich wie zuvor Dell und HP nun auch auf das Geschäftskunden-Segment konzentrieren, so die taiwansche „Digi Times“.

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Lenovo mit Vorteilen

Besser schlägt sich der einheimische Wettbewerber Asustek. Das Unternehmen nannte zuletzt die Margen gut, die Nachfrage stabil und will seinen Marktanteil in China von 11 auf 14 Prozent steigern. Ob die Versprechungen im zweiten Quartal eingehalten werden konnten, wird sich aber bei Vorlage der Ergebnisse am 26. August zeigen. Da Asustek vor allem bei Netbooks als Pionier gilt, könnte sich der Markt auch rasch gegen das Unternehmen wenden.

Gut entwickelte sich dagegen zuletzt der Lenovo. Die Chinesen steigerten im zweiten Quartal den Gewinn um 98 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 108 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar, der Weltmarktanteil auf einen neuen Höchstwert von 12,2 Prozent.

Der Branchendritte muss die globale Konjunkturabkühlung weniger fürchten, weil er in seiner Heimat und in anderen asiatischen Wachstumsmärkten einen starken Stand hat. Allerdings setzt auch Lenovo auf eine anhaltend lebhafte Nachfrage von Firmen. Im Verbraucher-Geschäft sei der Markt dagegen sehr schwach. Doch da man nur einen sehr kleinen Anteil an den gesättigten Märkten haben, seien die Auswirkungen gering“, sagte Lenovo-Chef Yang Yuanqing in einer Telefonkonferenz. Für den Gesamtmarkt sieht allerdings auch Lenovo dunkle Wolken heraufziehen.

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Lenovo ist daher im Kommen. Mit dem Kauf von Medion verdoppelte das Unternehmen seinen Marktanteil in Deutschland, dem wichtigsten EU-Land. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit NEC entwickelt sich zur größten PC-Gruppe Japans. Gleichzeitig empfiehlt sich Lenovo als preisgünstige Alternative für Unternehmen, die auch in schwierigen Zeiten ihre Ausrüstung modernisieren müssen. Das verfängt vor allem in Amerika. Lenovos früherer Nachteil, nur in China stark zu sein, entpuppt sich als Vorteil.

Revolution am Computer-Markt

Insgesamt vollzieht sich auf dem Computer-Markt derzeit nichts weniger als eine vollständige Umwälzung. Notebooks und Desktop-PCs verlieren an Bedeutung, Netbooks von Tablet-PCs und Smartphones verdrängt.

Apple hat innerhalb eines Jahres Dell und Lenovo überholt und weist jetzt den zweitgrößten Marktanteil auf, da der Konzern rund drei Viertel des Tablet-Markts beherrscht, dessen Anteil am Computermarkt in den vergangenen zwölf Monaten von 4 auf 14 Prozent gestiegen ist. Der Absatz soll sich nach Prognosen der Schweizer Bank UBS bis 2012 verfünffachen. Apple trauen die Schweizer einen Marktanteil von knapp 60 Prozent zu, dem zweitgrößten Anbieter Samsung lediglich 8 Prozent.

Das schrumpfende Rest-Geschäft kann sich nur noch auf wenige Anbieter konzentrieren und da haben die Festlandschinesen von Lenovo deutliche Vorteile. Attraktiv macht das die Aktie indes nur relativ.

Apple derzeit zukunftsweisend

Acer steckt derzeit in Schwierigkeiten. nach einem Kursverlust von mehr als 60 Prozent in diesem Jahr kann da auch die Dividendenrendite von mehr als 7 Prozent nicht locken. Asustek stellt sich zwar derzeit besser dar. Doch ob sich der Hersteller wird behaupten können, muss sich weisen. Ähnliches gilt für Dell, denen der freiwillige Ausstieg von HP zwar zugute kommen könnte, was aber nichts an der schwierigen Marktsituation ändert.

Für Hewlett-Packard gilt, dass die komplette Neueinstellung den Wert der Aktie derzeit schwer kalkulierbar macht. Daher überrascht nicht, dass die Anleger diese im aktuellen Marktumfeld fallen ließen. Sie verlor an der Wall Street rund sechs Prozent. Nachbörslich kam ein weiteres Minus von knapp zehn Prozent dazu. In Europa notiert sie mehr als 10 Prozent im Minus. Unter diesen Umständen scheint sich im Computer-Geschäft derzeit vor allem die Apple-Aktie anzubieten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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