Derivate

Hebelzertifikate setzen sich immer mehr durch

15.01.2004
, 15:50
Der Markt mit verbrieften Derivaten ist in jüngster Zeit in Bewegung gekommen. Die so genannten Hebelzertifikate setzen sich gegen die normalen Optionsscheine immer mehr durch. Deutsche Bank als Marktführer.

Auf der einen Seite wird zwar immer wieder behauptet, die deutschen Anleger seien konservativ und eher defensiv orientiert. Auf der anderen Seite ist der Markt mit Optionsscheinen und anderen verbrieften Derivaten in Deutschland im internationalen Vergleich auf Grund seiner Größe schon beinahe etwas Einmaliges. Denn im Jahr 2003 wurden mit solchen Produkten in Deutschland satte 155 Milliarden Euro umgesetzt.

Dabei sind sie sicherlich alles andere als konservativ. Sie lassen sich zwar unter anderem zur Absicherung von bestehenden Wertpapierpositionen einsetzen. Allerdings eignen sie sich auch hervorragend zur Spekulation auf Kursbewegungen an den Finanzmärkten. Das Angebot ist vielfältig und wird immer größer. Bauten aggressivere Anleger in der Vergangenheit ganz gerne auf klassische Optionsscheine, um auf einen schnellen, starken Gewinn zu spekulieren, so kommen seit einigen Monaten immer mehr die so genannten Knock-Out-Produkte auf. Ihr Umsatz ist mittlerweile höher als der mit normalen Optionsscheinen. Der Trend zeigt weiterhin nach oben, während das Geschäft mit Optionsscheinen zu stagnieren scheint.

Hebelprodukte dürften weitere Marktanteile gewinnen

Das dürfte damit zusammenhängen, daß sie für die Anleger leichter einzuschätzen sind (siehe auch: ."Sattes Plus" mit Hebelzertifikaten). Denn im Gegensatz zu Optionsscheinen spielt bei der Bewertung von Hebelprodukten die Zeit kaum und die Volatilität nur in Grenzbereichen eine Rolle. Sie schlägt ganz gerne einmal Kapriolen und hatte deswegen in der Vergangenheit bei etwas weniger sophistizierten Optionsscheinbesitzern immer wieder einmal für Verwirrung und Verärgerung gesorgt. Bei einem Hebelzertifikat braucht der Anleger dagegen vor allem eine „gute Nase“, um auf die richtige Richtung des Marktes zu setzen, ein gutes Händchen bei der Wahl des richtigen Produktes und die Disziplin, möglichst sofort auszusteigen, wenn der Markt gegen ihn läuft. Ansonsten kann er die Vorteile der Produkte voll ausnutzen. Aus diesem Grund gehen Experten von einer weiter zunehmenden Beliebtheit und steigenden Handelsvolumina aus.

„Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ - diese alte, ironische Ökonomenweisheit scheint sich dagegen zunächst auf die Entwicklung der Marktanteile der im Segment tätigen Banken übertragen zu lassen. Denn vergleicht man die Monate November und Dezember des vergangenen Jahres, so fällt auf, daß es zu deutlichen Verschiebungen kam.

Verzerrte Marktanteile durch „Sondertransaktionen“

Auf der einen Seite ist die Deutsche Bank auf Basis der Daten aus dem BöGA-System nach wie vor Marktführer, allerdings taucht auf Platz zwei urplötzlich die HypoVereinsbank auf. Ein Blick auf die Daten zeigt, daß ihr Marktanteil von November auf Dezember einen satten Sprung von etwas mehr als 21 Prozentpunkten auf knapp 23 Prozent gemacht hat.

Auffallend ist, daß das Handelsvolumen der HypoVereinsbank mit Optionsscheinen und anderen verbrieften Derivaten im Dezember etwa 15-mal so hoch war, wie im Durchschnitt der Monate Oktober und November. Dieser Effekt trete jedes Jahr kurz vor dem Jahresende auf, bestätigte ein Sprecher der Bank auf Anfrage. Er habe mit internen Umbuchungen zu tun, die aus bestimmten Gründen über die Börse abgewickelt würden. Die Transaktionen seien allerdings keineswegs deswegen vorgenommen worden, um die Statistik zu frisieren. Denn dafür seien sie doch zu auffällig.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot