Derivate

Hohes Risiko bei Hebelzertifikaten

06.01.2003
, 09:44
Hebelzertifikate sind ebenso riskant
Hebelzertifikate oder Knock-Out-Warrants seien deswegen interessant, weil die Volatilität keine Rolle spiele, heißt es. Aber das ist ein Irrtum.
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Was tun Banken und Broker in ihrer Verzweiflung, wenn sich an den Börsen kein anständiger Trend mehr etabliert und wenn sie mit Fusionen und Übernahmen oder Neuemissionen kaum noch Geld verdienen? Ganz einfach. Sie trommeln für das, was zumindest bei einigen wagemutigen Anlegern - vielleicht sollte man eher von Zockern reden - noch einigermaßen anzukommen scheint.

Nämlich die Spekulation auf kurzfristige Kursbewegungen mittels Optionsscheinen. "Trotz der negativen Entwicklung der nationalen und internationalen Aktienmärkte hatten Investoren im vergangenen Jahr eine Fülle von Möglichkeiten, eine positive Performance zu erzielen", heißt es dann so schön. Und das stimmt, aber nachträglich betrachtet kann sich jeder schnell reich rechnen.

Barriere entscheidendes Merkmal von Hebelzertifikaten ...

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Der neueste Schrei in dieser Beziehung dürften ohne Zweifel die so genannten Hebelzertifikate oder Knock-Out-Optionsscheine sein. Ihr Vorteil sei, dass sie bei der Wahl des richtigen Instruments zur richtigen Zeit nicht nur zu überproportional hohen Gewinnen führen könnten, sondern dass auch ihre Preisbildung nicht oder kaum von der Volatilität abhinge. Denn die ist in unsicheren Zeiten hoch und macht normale Optionsscheine unheimlich teuer. Allerdings wir dieser Vorteil dadurch erkauft, dass die Instrumente sofort wertlos verfallen, wenn das Basisinstrument in die falsche Richtung läuft und dabei eine gesetzte Grenze oder Barriere überschreitet.

Selbst renommierte Zeitungen und Zeitschriften berichten zum Teil naiv, zum Teil aber auch mit etwas zweifelhafter Objektivität über die "Erfolgsgeschichte" dieser Instrumente. Die seien sogar dabei, den an sich schon spekulativen Optionsscheinen den Rang abzulaufen. Wen wundern solche Berichte, wenn sie teilweise sogar von Autoren stammen, die im Hauptberuf vom Geschäft mit solchen Produkten leben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es fragt sich nur, ob sich die betreffenden Medien mit dieser Art von Schleichwerbung längerfristig einen Gefallen tun.

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... je höher die Volatilität, desto eher landen sie im „Aus“

Und wie sieht es aus mit dem Einfluss der Volatilität bei Turbooptionsscheinen, Knock-Out-Warrants oder wie immer auch sie genannt sein mögen? Bei der Preisbildung des Wertpapiers an sich mag sie auf Grund der Konstruktion eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend wird sie allerdings bei der Beurteilung des Risikos, ob die eingebaute Barriere, die das Papier auf der Stelle ins wertlose "Aus" katapultiert, getroffen wird oder nicht.

Und dieses Risiko ist um so größer, je stärker die Kurse schwanken. Eine hohe Volatilität spielt damit auch hier eine entscheidende Rolle. In der Realität weist eine unheimlich lange Liste verfallener Papiere - siehe Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten - auf ein entsprechendes Risiko hin.

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Auch das Beispiel eines fiktiven Euro-Dollar-Turbos zeigt das deutlich an (siehe Grafik). Ausgehend von einem Kurs von 1,04 Dollar pro Euro wurde die Wahrscheinlichkeit bei unterschiedlichen Volatilitäten berechnet, mit der verschiedene Barrieren erreicht werden würden. Und bei hoher Volatilität besteht ein relativ großes Risiko, dass selbst weit entfernte Barrieren erreicht werden können. Von kolportierten Kursmanipulationen gar nicht zu reden.

Seriöse Banken sollten aus diesem Grund dazu übergehen, diese Wahrscheinlichkeiten öffentlich zu machen. Denn das "Bauchgefühl" der Anleger dürfte die Lage zu oft zu optimistisch sehen.

Die Grafik zeigt die Wahrscheinlichkeit an, mit der unterschiedliche Barrieren bei verschiedenen Volatilitäten erreicht werden.

Quelle: @cri
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