Einzelhandel

Tesco-Aktie regt weiter zum Kaufen an

21.09.2004
, 08:54
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Tesco-Aktie in London.
Während deutsche und französische Einzelhandelsaktien deutlich unterhalb ihrer Spitzenwerte rangieren, liegt Tesco auf Mehrjahreshoch-Niveau. Neutral bewertet und im Aufwärtstrend laufend, hat sie ihr Rekordhoch im Blick.
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Europäische Einzelhandelsaktien können nicht von sich behaupten Kursraketen zu sein - zu schwach laufen vor allem auf dem Kontinent die Geschäfte, um entsprechende Phantasie zu erzeugen. Auch starkes Engagement in Übersee und in Asien reicht nicht für eine stetig gute Kursentwicklung aus. Bei dem britischen Marktführer Tesco sieht es dagegen anders aus.

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So hat sich die Metro-Aktie zwar binnen Jahresfrist um 17,5 Prozent verteuert, in den vergangenen drei Monaten aber drei Prozent eingebüßt. Bei Carrefour sieht es umgekehrt aus: Binnen Jahresfrist ist der Kurs um neun Prozent gesunken, dafür hat der Titel seit Mitte Juni etwa fünf Prozent gewonnen. Die Aktie von Tesco läuft indes seit Anfang vergangenen Jahres ohne nennenswerte Unterbrechungen aufwärts. Seitdem ist ein Kursplus von gut 70 Prozent aufgelaufen; binnen Jahresfrist hat sich der Titel um 14 Prozent verbessert. Maßgeblich dazu beitragen hat im Huntergrund die gute Stimmung unter den Konsumenten auf der „Insel“, die im Zuge deutlich gestiegener Immobilienpreise gerne shoppen gehen und dabei auch kräftig einkaufen.

Im Halbjahresbericht von Tesco spiegelt sich die Kauflust der Briten wider: Der Konzern hat seinen Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 11,8 Prozent auf 15,1 Milliarden Pfund gesteigert und damit die Prognosen der Analysten weitgehend erfüllt, die ein Plus von zwölf Prozent erwartet hatten. Beim Gewinn je Aktie hat der Konzern indes besser als gedacht abgeschnitten: Er erzielte 7,22 Pence nach 5,94 Pence vor Jahresfrist. Die Konsensprognose lag indes 1,1 Prozent darunter. Vor diesem Hintergrund blickt der Konzern zuversichtlich in die Zukunft.

Lob von Analysten für Geschäftsmodell

Obwohl sich die Immobilienrally im Vereinigten Königreich nicht mehr fortsetzt, sind im August die Einzelhandelsumsätze um 0,6 Prozent gegenüber Juli gestiegen. Im Vergleich zum August 2003 hat sich ein Zuwachs von 6,5 Prozent ergeben. Davon können deutsche Einzelhändler nur träumen. Entsprechend zuversichtlich sahen Analysten auf Tesco.

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Helaba Trust traute dem Unternehmen eine Steigerung des Umsatzes in den ersten sechs Monaten des Jahres um 11,4 Prozent nach Umsatzsteuer auf 15,3 Milliarden Pfund zu. Das Ergebnis je Aktie sah Analyst Michael Otto bei 775 Millionen Pfund und mithin um zwölf Prozent höher als vor Jahresfrist. Und beim Gewinn rechnete er mit einer Steigerung um 17,2 Prozent auf 505 Millionen Pfund. Damit war Otto etwas „bearisher“ als der Durchschnitt der Prognosen, die einen Gewinn von 510 Millionen Pfund oder 7,14 Pence je Aktie sahen; beim Umsatz lag er genau den Konsens.

Tesco hat in der jüngeren Vergangenheit durch Zukäufe in Osteuropa sowie China Fuß gefaßt sowie in die Regale der Supermärkte auf dem Gebiet des Vereinigten Königreichs auch Bekleidung, Haushaltswaren und DVDs gepackt, um die Umsätze anzukurbeln. Mit seinem Bekleidungssortiment hat Tesco unter anderem Marks & Spencer unter Druck gesetzt.

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Strategie gegen wenige Wachstumsaussichten in der Heimat

Für sein Geschäftsmodell erntet der Einzelhändler Lob von Analysten: „Tesco ist dem Rest einen Schritt voraus“, meint David Stoddart von Teather & Greenwood in London. Er empfiehlt wie Helaba Trust die Aktie zum Kauf. Und genau wie Analystenkollege Michael Otto sieht er den Heimatmarkt als weitestgehend gesättigt an, weshalb das gewünschte Wachstum auf auswärtigen Märkten verwirklicht werden müsse.

Tesco selbst gibt sich optimistisch: „Wir sind gut aufgestellt, um die Herausforderungen härterer Vergleiche mit Wettbewerbern anzunehmen.“ Auf dem Heimatmarkt will der Konzern seine Position stärken, indem er 1,5 Millionen Quadratmeter für „Non-Food-Angebote“ seinem Bestand hinzufügt. Auch will er Finanzprodukte für Privatkunden anbieten.

Und an der Börse von London glänzt der Titel seit langer Zeit. Binnen fünf Jahren hat sich um 50,3 Prozent verteuert, in den vergangenen drei Jahren um knapp 15 Prozent und in den jüngsten zwölf Monaten um 13,7 Prozent. Dabei eilt er dem FTSE 100-Index voraus. Dies dürfte auch so bleiben. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,9 ist er noch nicht teuer, und im Branchenvergleich ist die Bewertung noch im Rahmen: Metro ist mit 14,7 bewertet, Carrefour mit 14,1 und Marks & Spencer mit 13,1, wobei der britische Konkurrent weitaus schwächere Zahlen bietet als Tesco und fallende Umsätze verzeichnet. Der Trend spricht für die Tesco-Aktie, die bei einem Sprung über das bisherige Rekordhoch von 286 Pence ein technisches Kaufsignal senden würde. Vor Handelsbeginn in London steht sie bei 270,50 Pence. Unter dem Strich bleibt der Titel attraktiv. Bis gegen 10.30 Uhr verbessert er sich an der Heimatbörse um 2,6 Prozent auf 283 Pence.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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