Energiebranche

Aktien von Energiewerten werden volatiler

24.10.2005
, 20:44
Die Aktien der Energiewerte haben in den vergangenen Tagen deutlich korrigiert. Angesichts der Gewinnschätzungen scheinen sie jedoch günstig zu sein. Kurzfristig machen sie einen „überverkauften“ Eindruck. Mittelfristig gibt es Risiken.

„Amerikanische Energieaktien sind so günstig wie seit 1995 nicht mehr,“ kann man gegenwärtig in Agenturmeldungen lesen. Das klingt nicht schlecht, allerdings sollte man solche Aussagen wohl relativieren.

Denn der alleine schon der gewählte Zeitraum könnte die Vermutung nahelegen, die Aktien seien nach der zwischenzeitlichen Börsenhausse mit überzogenen Erwartungen und Kursen wieder auf einem „normalisierten Bewertungsniveau“ angelangt. Auf der anderen Seite sprechen natürlich die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten in den vergangenen Monaten schon für sich. Denn sie führten bei vielen dieser Unternehmen zu deutlich steigenden Gewinnen, ohne daß sich auf der Kostenseite zunächst besonders viel verändert hat.

Aktien sind angesichts der Ergebnisschätzungen günstig ...

Abgesehen von den jüngsten Korrekturen nach unten, die von einem etwas nachgebenden Ölpreis ausgelöst wurden, haben die Aktien des Sektors jedoch in den vergangenen zwei Jahren deutlich angezogen und auf diese Weise einen großen Teil der Gewinnentwicklung nachvollzogen.

Bild: FAZ.NET

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von zehn, acht und gar 6,6 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr scheinen die Aktien von Unternehmen wie Exxon Mobile, Chevron und ConocoPhillips auf den ersten Blick unglaublich günstig zu sein. Auf der anderen Seite stellt sich mit Blick nach vorne die Frage, ob die Erwartungen nicht überzogen hoch sein mögen. Immerhin können die hohen Ölpreise die Inflation weiter in Bewegung bringen, die Notenbank zu weiteren Zinserhöhungen zwingen und auf diese Weise das Wirtschaftswachstum bremsen. Das wiederum würde die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen dämpfen und auf diese Weise möglicherweise auch die Gewinnentwicklung der Branche.

Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik. Denn „der Cashflow ist sehr kräftig und sie sind sehr profitabel. Das wird diese Aktien in nächster Zeit antreiben“, sagte etwa Brian Hicks, Co-Manager des Global Investors Global Resources Fund in San Antonio zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Aktien sind „extrem preisgünstig bewertet“, wenn der Ölpreis zwischen 55 Dollar und 70 Dollar je Barrel bleibt.

„Die Ölwerte sind in Relation zum Markt wirklich sehr günstig“, erklärt David Dreman, Vermögensverwalter bei Dreman Value Management in Jersey City, New Jersey. „Sie sind sehr niedrig bewertet.“ Die Bewertungen werden sogar noch weiter sinken, da die Analysten nach Ansicht von Nathaniel Paull, Vermögensverwalter bei New Amsterdam Partners, das Gewinnwachstum zu niedrig eingeschätzt haben. Die Energie-Analysten „sind schon die ganze Zeit weit hinterher“, so Paull gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Bislang ist Rohöl lediglich auf etwas weniger als 60 Dollar gefallen, das ist immer noch wesentlich höher, als noch vor einem Jahr erwartet worden war.“

... aber es gibt mittelfristige Risiken

Aufgrund solcher Aussagen bleibt zu vermuten, daß die Aktien der Unternehmen bei anhaltender Nachfrage nach ihren Produkten den kurzfristig unterbrochenen Aufwärtstrend wieder aufnehmen werden. Technisch scheinen sie im Moment „überverkauft“ zu sein. Die Risiken dürften mittelfristig in einer wirtschaftlichen Abschwächung und in steigenden Kosten bei der Akquisition neuer Reserven zu finden sein. Sie könnten die Phantasie nach oben deutlich dämpfen. Denn mittel- und langfristig können die Unternehmen nur verkaufen, was sie tatsächlich haben und fördern können.

Insgesamt dürften die Anleger auf dem erreichten Niveau gute Nerven benötigen. Den die Charts von Exxon, Chevron und auch Occidental sehen ramponiert aus. Das Bild spiegelt sich bei den europäischen Werten wie Statoil wider. Anleger müssen ihre Stop-Loss-Orders entsprechend großzügig plazieren oder riskieren, zwischenzeitlich auch einmal aus dem Markt „gekegelt“ zu werden. Möglicherweise wäre das nicht die schlechteste Lösung, denn sie ließe immer wieder hinterfragen, ob die Aktien das Risiko noch wert sind, für das sie nun einmal stehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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