F.A.Z.-Index

Die meisten Unternehmen erhöhen die Dividende

Von Daniel Mohr
20.01.2016
, 15:03
Die gute Geschäftslage macht es möglich: 74 von 100 Unternehmen im F.A.Z.-Index dürften mehr Geld an die Aktionäre ausschütten. Das Rekordjahr trüben vier bittere Enttäuschungen.
ANZEIGE

Der Auftakt zu der diesjährigen Hauptversammlungssaison wird in zweierlei Hinsicht getrübt. Wenn die Aktionäre von Wincor Nixdorf am 25. Januar im Hansesaal im Schützenhof Paderborn zusammenkommen, werden sie wissen, dass es zum einen die letzte Hauptversammlung von Wincor Nixdorf sein dürfte und sie zum anderen keine Dividende erhalten werden. Nach 1,75 Euro je Aktie vor einem Jahr, was einer stolzen Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent entsprach, gibt es wegen der schlechten Geschäftslage dieses Jahr nichts. Das deutsche Traditionsunternehmen wird zudem vom amerikanischen Konkurrenten Diebold übernommen.

Den Auftakt zur Dividendensaison macht damit dieses Jahr Siemens, das seine Aktionäre einen Tag später in die Münchener Olympiahalle lädt. Auch hier gibt es wenig Anlass zu ausgelassener Stimmung. Doch an der Dividende dürften die wenigsten Aktionäre etwas auszusetzen haben: 3,50 Euro gibt es je Aktie, das entspricht beim derzeitigen Aktienkurs einer Rendite von 4,3 Prozent. Die Rendite sieht nicht nur wegen der um 20 Cent erhöhten Dividende hübscher aus als im Vorjahr, sondern auch weil der Aktienkurs 20 Prozent tiefer steht als bei der Hauptversammlung vor einem Jahr.

ANZEIGE

Regelmäßige Gewinne führen zu guter Kursentwicklung

Diese Gemengelage ist typisch für den deutschen Aktienmarkt derzeit, und sie ist auch der Grund dafür, warum die Dividendenjäger sich noch in der Deckung halten. Eine steigende Dividende und Renditen von durchschnittlich 3,3 Prozent im 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Index sind gut und schön. Aber was nutzt die schöne Dividende, wenn die Aktienkurse, wie jetzt geschehen, binnen zwei Wochen um 10 Prozent in die Knie gehen? Im Vorjahr war ein klarer Trend der Anleger zu erkennen, die sich auf die Suche nach dividendenstarken Titeln begaben. Dieses Jahr ist davon nichts zu spüren. Die Angst vor der Abschwächung der Weltwirtschaft treibt die Anleger um und lässt die Aktienkurse fallen.

Dabei hat die Dividendenstrategie nichts von ihrem Charme verloren. Unternehmen, die in der Lage sind, auf Basis regelmäßig wachsender Gewinne auch verlässlich hohe und steigende Dividenden zu zahlen, weisen meist auch eine überdurchschnittliche Kursentwicklung auf. Die Dividendenrendite ist dabei nur ein Aspekt dieser Betrachtung. Zahlt ein Unternehmen 1 Euro Dividende je Aktie und weist einen Aktienkurs von 100 Euro auf, beträgt die Rendite magere 1 Prozent – vor Steuern. Bricht der Aktienkurs aber auf 10 Euro ein, steigt zwar die Dividendenrendite auf 10 Prozent, doch von einem attraktiven Dividendentitel würde dennoch kaum jemand sprechen.

ANZEIGE

Allianz ganz oben

Die Landesbank Baden-Württemberg nimmt bei der Auswahl ihrer Dividendenfavoriten daher sechs weitere Kriterien hinzu: die Bonität des Unternehmen, die Deckung der Dividendenzahlungen durch den Gewinn, das Gewinnwachstum, die Gewinnschwankungen und die Zahl der Dividendenerhöhungen und -senkungen in der Vergangenheit. Dadurch sollen Unternehmen herausgefiltert werden, die nachhaltig hohe, sichere Dividenden zu zahlen in der Lage sind.

An der Spitze der Dax-Werte befindet sich die Allianz. Die Analysten erwarten im Durchschnitt eine Dividendenerhöhung von 6,86 auf 7,40 Euro je Aktie und damit eine Rendite von 5 Prozent. Nur eine Dividendensenkung für das Geschäftsjahr 2008 trübt in der Vergangenheit das Bild. Fast gleichauf in der Analyse liegt die Munich Re, von der allerdings nur eine moderatere Erhöhung von 7,75 auf 8 Euro erwartet wird, was einer Dividendenrendite von 4,7 Prozent entspräche. Ebenfalls zu den klassischen Dividendenfavoriten gehört BASF mit einer wohl von 2,80 auf 2,90 Euro steigenden Dividende und damit der neunten Erhöhung in zehn Jahren und einer Rendite von 4,8 Prozent. In der absoluten Höhe der Dividendenausschüttung könnte sich dieses Jahr sogar Daimler mit gut 3,4 Milliarden Euro vor die Allianz an die Spitze schieben: Erwartet wird eine Erhöhung von 2,45 auf 3,30 Euro je Aktie, was einer Rendite von 5,1 Prozent entspräche. Ein starkes Gewinnwachstum und eine gute Deckung der Dividende sprechen für Daimler, meint die LBBW.

ANZEIGE

Was passiert bei Volkswagen?

Insgesamt wird für 74 von 100 Werten im F.A.Z-Index eine höhere Dividende als 2015 erwartet. 15 Unternehmen dürften die Ausschüttung nicht verändern, bei elf gehen die Analysten derzeit von einer Senkung aus. Neben Wincor Nixdorf ist die Deutsche Bank die zweite große Enttäuschung. Deutschlands größtes Bankhaus streicht die Ausschüttung ganz. Selbst für das Finanzkrisenjahr 2008 waren noch 50 Cent gezahlt worden, hernach stets 75 Cent und zuvor für 2007 sogar 4,50 Euro je Aktie. Die schwache Geschäftsentwicklung und die hohen Risiken aus juristischen Auseinandersetzungen sorgen nun für ein Alleinstellungsmerkmal im Dax. Alle anderen 29 Konzerne wollen ihren Aktionären eine Ausschüttung zukommen lassen. Nach sieben Nullrunden will die Commerzbank auf ihrer Hauptversammlung am 20. April eine Dividende von 20 Cent je Aktie beschließen lassen. Auch von der Lufthansa wird nach einer Nullrunde nun wieder eine Ausschüttung von geschätzt 50 Cent erwartet.

Damit träfe sie genau jenes Niveau, das nun auch von RWE erwartet wird. Nach 1 Euro in den beiden Vorjahren wäre dies ein weiterer herber Einschnitt für die einstmals dividendenverwöhnten Aktionäre. Angesichts des dramatisch abgerutschten Aktienkurses betrüge die Dividendenrendite aber immer noch 4,6 Prozent. Freuen dürften sich indes die Aktionäre der Deutschen Telekom. Erstmals seit sieben Jahren rechnen die Analysten für die am 25. Mai in Köln angesetzte Hauptversammlung mit einer Dividendenerhöhung von 50 auf 53 Cent.

Spannend wird die Hauptversammlung von Volkswagen am 21. April auf dem Messegelände in Hannover aus vielerlei Gründen. Auch die Dividendenschätzungen gehen angesichts der unklaren Auswirkungen des Abgasskandals weit auseinander. Im Durchschnitt wird mit 2,81 Euro je Vorzugsaktie nach 4,86 Euro im Vorjahr gerechnet. Unter dem Strich dürfte aber die Dividendensumme trotz der großen Rückgänge von VW, RWE und Deutsche Bank für den Dax auf einen Rekord von knapp mehr als 30 Milliarden Euro und für den F.A.Z.-Index auf gut 40 Milliarden Euro steigen.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Strom-Vergleich: Sparen mit günstigem Strompreis
Kapitalanlage
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Hypothekenrechner
Jetzt Zinsen vergleichen
Englischkurs
Verbessern Sie Ihr Englisch
ANZEIGE