Finanzmarkt

"Mini-Dax-Future" startet verhalten

18.11.2002
, 18:08
Die Eurex startet den „neuesten Schrei“: Optionen und Futures auf börsengehandelte Indexfonds. Klingt „überdreht“, ist aber interessant.

Der internationale Terminmarkt Eurex hat am 18. November wie geplant den Handel mit Optionen und Futures auf börsengehandelte Indexfondsanteile, so genannte Exchange Traded Funds (ETF), gestartet. Allerdings scheint die Nachfrage am ersten Handelstag nicht gerade überzuborden. Denn bis zum späten Nachmittag sind gerade einmal sechs Futures auf die Dax EX-Aktien der INDEXCHANGE Investment AG umgegangen - und sonst nichts.

Es wurden keine weiteren Futures oder gar Optionen gehandelt. Dabei werden sie auch auf weitere börsengehandelte Fonds angeboten. Aber neue Produkte sind und waren wohl schon immer gewöhnungsbedürftig. So erscheint es möglich, dass sich die Eigenschaften und möglicherweise sogar Vorteile erst noch herumsprechen müssen. Denn die gibt es durchaus.

„Mini-Dax-Future“ für den Privatanleger interessant

Zunächst stellt sich die Frage, wieso man neben dem Dax-Future und den Dax-Optionen auch noch entsprechende Kontrakte auf börsengehandelte Indexfonds benötigt. Immerhin bewegen die sich doch ähnlich wie die Indizes selbst. Diese Frage ist zunächst berechtigt, allerdings gibt es Unterschiede.

Erstens in der „Stückelung“. Während der Dax-Future ein richtig „schweres Kaliber“ mit einem Gegenwert von aktuell etwa 40.000 Euro ist und für den Handel eine entsprechende Kapitalbasis voraussetzt, bezieht sich der Dax EX-Future auf 100 Aktien des Dax EX-Fonds. Bei einem Kurs des Index-Fonds von 32 Euro ist dieser Kontrakt also „nur 3.200 Euro schwer“. Er könnte als eine Art von „Mini-Dax-Future“ sogar für den kleineren Privatanleger interessant werden.

Direkter Einstieg in den Markt möglich

Zum Zweiten werden die neuen Kontrakte - im Unterschied zum Dax-Future - physisch beliefert. Wenn Anleger Hempel einen Future gekauft hat, erhält am Ende der Laufzeit 100 Dax EX-Aktien. Hat er verkauft, ist er verpflichtet, die Aktien zu liefern. Hempel kann also über den Future direkt in den Fonds ein- oder aussteigen. Das eröffnet interessante Optionen. Angenommen er rechnet mit einem steigenden Markt und möchte sein Geld eigentlich voll investieren. Leider ist das aber gebunden und wird erst später frei. In diesem Fall ist der Future eine interessante Alternative. Denn für ein Kontrakt wird beim Kauf nur die so genannte Einschussmarge fällig - und die ist geringer, als die Direktinvestition.

Für ein Dax EX-Futures-Kontrakt mit Dezemberverfall ist nur eine Marge von 360 Euro fällig. Damit aber kann er denselben Gewinn erzielen, als wenn er 100-Dax EX-Aktien sofort erworben hätte. Steigt der Dax, so werden ihm die entsprechenden Gewinne täglich gutgeschrieben - oder die Verluste abgebucht. Bis im Dezember ist er dann wieder „flüssig“ und kann die 100-Dax EX-Aktien direkt übernehmen. Wenn er etwas spekulativer orientiert ist, kann er diesen so genannten „Leverage-Effekt“ natürlich auch dazu nutzen, eine „größere Position“ am Markt zu fahren, als er es sich eigentlich bei einem Direktengagement leisten könnte.

Feinjustierung des Depots möglich

Ein weiterer Vorteil ist der, dass Hempel sein Depot aus Dax EX-Aktien sehr genau gegen fallende Kurse absichern kann. Entweder, indem er die entsprechende Anzahl an Futures verkauft oder indem er beispielsweise Verkaufsoptionen erwirbt. Auch das fällt ihm mit der idealeren „Stückelung“ leichter. Außerdem folgt der Dax EX-Future der Dax EX-Aktie genauer als der Dax-Future das tun würde. Das ist ein weiterer Vorteil für die immer größer werdende Gemeinde XTF-Anhänger. Insgesamt mag zwar der Handelsauftakt enttäuschen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend.

Quelle: @cri
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