Finanztheorie

Das Beta ist mit Vorsicht zu genießen

25.02.2002
, 12:27
Nicht stabil: das Beta
"Im Aufschwung sollte man in Aktien mit hohem Beta investieren", lauten manche Empfehlungen. Solche Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen.
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Gerade in jüngster Zeit waren in Fachzeitschriften wieder Formulierungen zu lesen wie „im Aufschwung Aktien mit hohem Beta kaufen und Werte mit geringem Beta abstoßen“. Aber was sagt mir das als Anleger?

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Beta - in vielen Börsenzeitschriften wird die Kennzahl regelmäßig erwähnt und in manchen Aktienranglisten ist sie vermerkt. Per Definition verdeutlicht die Kennzahl die Korrelation eines einzelnen Wertpapieres im Verhältnis zu einem vergleichbaren Index. Sie sagt aus, wie stark die Rendite des betrachteten Wertpapieres ansteigt oder fällt, wenn sich die Rendite des Index - oder besser des Marktes - ändert.

Das Beta zeigt die relative Entwicklung zum Gesamtmarkt an

Der Markt selbst hat ein Beta von eins. Läuft eine Aktie also völlig parallel zum Markt, so hat auch sie ein Beta von eins. Steigt die Performance im Aufschwung allerdings stärker an als die des Marktes, dann hat die Aktie ein Beta, das größer ist als eins. Allerdings funktioniert dieses Konzept auch im fallenden Markt, das heißt die Rendite nimmt im Abschwung schneller ab als die des Marktes. Ein Wertpapier mit einem Beta kleiner als eins reagiert grundsätzlich träger als der betrachtete Index. Steigt der an, steigt es„langsamer“. Fällt er, so fällt es ebenfalls langsamer. Man könnte so das Beta auch als „Trägheitsmaß“ für ein Wertpapier im Verhältnis zur Kursentwicklung des Gesamtmarktes betrachten.

Anders herum kann die Kennzahl auch als eine Art Risikomaß betrachtet werden. Je höher das Beta ist, desto größer ist auch das Risiko, das mit der betrachteten Aktien verbunden ist. Das heißt, der Markt erwartet eine Kompensation für das Risiko des Unternehmens in Form einer höheren Rendite als der des Marktes. In sofern kommt der Vorschlag, im Wirtschaftsaufschwung Aktien mit einem möglichst hohen Beta zu kaufen der Forderung gleich, zunehmend riskanter zu investieren.

Das Beta ist zeitlich nur bedingt stabil

Insgesamt sollte man allerdings auch diese Informationen mit etwas Vorsicht genießen. Denn statistische Messzahlen dieser Art haben die Angewohnheit, nicht oder zumindest nicht immer stabil zu sein. So weist etwa die Investment Bank Morgan Stanley in einem ihrer jüngsten „Euroletters“ darauf hin, dass sich gerade im Technologiesektor nach der Kursblase der vergangenen Jahre die zuletzt sehr hohen Betas dramatisch ändern dürften.

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So hätten schon frühere Bubbles gezeigt, dass Aktien mit hohem Beta zum Teil recht schnell zu Werten mit geringem Beta werden können. Öl-Aktien in den 70iger Jahren, Nahrungsmittel- und Tabakwerte Ende der 80iger Jahre und Autos Mitte der 80iger Jahre hätten jeweils Betas zwischen 1,5 und zwei gezeigt, seien aber bald danach unter eins abgefallen. Selbst Länder wie etwa Österreich oder Italien hätten als Gesamtmärkte im Vergleich mit in Gesamteuropa diesen Entwicklungsprozess durchgemacht. Manchmal dauere der Anpassungsprozess Jahre - zum Beipiel bei den Energiewerten nach dem Ölpreisschock - manchmal benötige er aber gerade einmal zwei Quartale. Zum Beipiel die Tabakwerte Ende der 80iger Jahre.

Damit bestätigt sich die auf Grund der statistischen Zusammenhänge skeptische Haltung vieler Praktiker und erfahrener Portfoliomanager. Man kann sich bei Anlageentscheidungen unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten nicht zu stark auf theoretische Modelle verlassen. Zumindest nicht ohne zu wissen, dass sich manche entscheidende Paramater zum Teil relativ schnell verändern können.

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Quelle: @cri
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