Gastkommentar

Investoren können noch immer auf Ölexplorationswerte setzen

Von Matthew Lynn, Bloomberg News
19.08.2004
, 10:02
Wer Aktien von Ölexplorateuren im Portfolio hat, kann sich beruhigt zurücklehnen. Und angesichts hoher Energiepreise scheint es noch immer nicht zu spät zu sein, auf den fahrenden Zug zu setzen.
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Möglicherweise ist es noch nicht zu spät, ins Ölgeschäft einzusteigen. Wenn man clever genug war, in eines der kleinen Ölunternehmen zu investieren, die für ihren Gewinn weltweit nach neuen Ölquellen suchen, kann man sich beruhigt zurücklehnen und sich überlegen, ob man einen langen Ausflug mit seinem benzinfressenden Geländewagen machen möchte.

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Die Aktienkurse dieser kleinen Unternehmen sind in die Höhe geschnellt, so daß die Käufer jetzt hohe Preise dafür zahlen müssen. Um die Ölnachfrage befriedigen zu können, werden jedoch zahlreiche neue Ölfelder erforderlich sein. Und daher sind diese kleinen Unternehmen wieder interessant, nachdem sie jahrelang an den Aktienmärkten nur unter „ferner liefen“ registriert wurden.

Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Boom, der durch einen vorübergehenden Ölpreisanstieg ausgelöst wurde? Oder deutet dies auf einen jahrzehntelangen Anstieg der Ölinvestitionen hin, den die Anleger wahrnehmen sollten? Man sollte von letzterem ausgehen. Weltweit mangelt es nicht an Ölreserven, sondern am Angebot an Öl am Markt. Wenn ein Unternehmen dazu beiträgt, diese Angebotslücke zu schließen, dürfte es gut abschneiden.

Cairn Energy kurz vor der Aufnahme in den FTSE-100

Hier lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung einiger kleiner Ölkonzerne in den vergangenen Monaten. Die britische Cairn Energy Plc, die von Bill Gammell, einem der erfahrensten Manager der Branche, geleitet wird, führt das Feld an. Der Aktienkurs des Unternehmens ist von unter vier Pfund Sterling zu Jahresbeginn auf derzeit über 14 Pfund in die Höhe geschnellt. Im vergangenen Jahr lag der Aktienkurs noch unter drei Pfund. Mit einem Marktwert von knapp 2,2 Milliarden Pfund (4,02 Milliarden Dollar) könnte das Unternehmen bald in den britischen Benchmark-Index FTSE-100 aufgenommen werden.

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Der Aktienkurs von Regal Petroleum Plc, das Öl- und Gasfelder in Griechenland und der Ukraine entwickelt, ist von etwas über einem Pfund Sterling zu Jahresbeginn auf derzeit knapp vier Pfund angestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Kurs von Burren Energy Plc, das Öl aus Quellen in Turkmenistan und im Kongo fördert, von 132,5 Pence auf rund 360 Pence geklettert. Von den Unternehmen des FTSE-350-Index haben Cairn und Burren im bisherigen Jahresverlauf am besten abgeschnitten.

Kurs von Hardman Resources verdoppelt

Und nicht nur die europäischen Unternehmen entwickeln sich günstig. Der Aktienkurs des australischen Ölunternehmens Hardman Resources Ltd. hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Und der Aktienkurs von Denbury Resources Inc. aus Plano, Texas, ist von rund 14 Dollar zu Jahresbeginn auf derzeit knapp 20 Dollar angestiegen.

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Diese Erfolgsgeschichten sind häufig auf besondere Umstände zurückzuführen. Als Beispiel sei hier Cairn genannt. Der rasche Aktienkursanstieg beruht vor allem auf den Entdeckungen im nordindischen Bundesstaat Rajasthan. Das Unternehmen hat dort vier einzelne Bohrungen in einem vom britisch-niederländischen Ölkonzern Royal Dutch/Shell im Jahr 2002 übernommenen Bohrfeld durchgeführt. (Shell hielt weitere Bohrungen für sinnlos, was sicherlich ein Hinweis auf die schlechte Entwicklung dieses Konzerns in den vergangenen Jahren ist.)

Umfangreiche Ölreserven vorhanden, aber Angebotsengpaß am Markt

Die kleinen Unternehmen brauchen allerdings viel Glück, denn in der Ölindustrie wird die Zahl der Verlierer immer größer sein als die der Gewinner. Aber es lassen sich auch einige langfristige Trends feststellen. „Der Branche geht das Öl durchaus nicht aus - die Reserven sind umfangreich und steigen weiter an“, so Jeffrey Currie, Rohstoffanalyst bei Goldman Sachs Group Inc. in London, in seiner Antwort-E-Mail auf einige Fragen. „Es fehlt der Branche jedoch an Möglichkeiten, dieses Öl zu fördern.“

Dies ist in der Tat so. Die Investitionen in der Ölbranche boomten mit dem Preisanstieg in den siebziger Jahren und verringerten sich dann in den achtziger und neunziger Jahren, als der Ölpreis real zurückging. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge muß die Branche im kommenden Jahrzehnt rund 2,4 Billionen Dollar investieren, um sicherzustellen, daß die Nachfrage befriedigt werden kann. Damit müssen die Ausgaben etwa dreimal so hoch ausfallen wie in den neunziger Jahren, was einer von zahlreichen Gründen dafür ist, daß die Ölpreise in der nächsten Zeit nicht deutlich zurückgehen dürften.

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Gewinner entlang der Ölförderungs- und -verarbeitungskette

Was auch immer pessimistische Beobachter sagen mögen, auf absehbare Zeit sind ausreichende Rohölreserven vorhanden. Das Problem besteht darin, dieses Öl an den Markt zu bringen. Im vergangenen Jahr wurde deutlich, daß der Ölpreis bereits bei leichten Störungen auf der Angebotsseite in die Höhe schießt. Was bedeutet dies? Das Angebot am Markt ist zu gering, daher sind weltweit mehr Unternehmen gefragt, die Öl am Markt offerieren können.

Die Investitionen finden in Wellen statt. Im letzten Jahrzehnt wurde weltweit in Informationstechnologie investiert. Dieser Trend scheint sich jetzt abgeschwächt zu haben. Roh- und Grundstoffe spielen in diesem Jahrzehnt die wichtigste Rolle, und Öl hat die größte Bedeutung. Die Ölproduktion dürfte auf jeder Stufe von diesem Investitionsboom profitieren, von den großen Ölkonzernen bis zu den Betreibern von Pipelines und den Reedern von Tankern. Die Ölförderung wird jedoch immer eine herausgehobene Stellung einnehmen. Die Entdeckung und Erschließung neuer Ölfelder dürfte der lukrativste Bereich innerhalb der Branche bleiben. Der derzeitige Boom dürfte noch lange anhalten.

Quelle: Bloomberg
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