Gastkommentar

Mit „Powerhouse-Aktien“ zu überdurchschnittlichem Ertrag

Von John Dorfman, Dorfman Investments/Bloomberg News
18.02.2005
, 11:19
Starke Unternehmensbilanzen sind eine gute Voraussetzung für steigende Aktienkurse. Zumindest im Durchschnitt, so die Erfahrung von John Dorfman von Dorfman Investments. Interessante Werte seien aktuell: Forest Labs und Timberland.
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Börsenneulinge wissen, ob ihre Aktien gerade steigen oder fallen. Aktionäre mit etwas mehr Börsenerfahrung können dagegen angeben, ob sich die Gewinne ihrer ausgewählten Unternehmen gut oder schlecht entwickeln.

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Nur ernsthafte Anleger wissen jedoch wirklich wie stark die Bilanzen der jeweiligen Unternehmen ausfallen. Denn die dort ausgewiesenen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten genau unter die Lupe zu nehmen, gibt einem sehr viel wertvollere Hinweise als nur die Betrachtung der reinen Gewinn- und Verlustrechnung.

Powerhouse-Liste - Unternehmen mit starker Bilanz

Einmal im Jahr zeichne ich die Unternehmen aus, die in meinen Augen die beste Bilanz vorweisen, indem ich sie auf meine „Balance Sheet Powerhouse-Liste“ aufnehme. Seit der ersten Liste vor fünf Jahren waren Forest Labs, Microsoft und Scientific-Atlanta jedes mal mit von der Partie. Ebay und Qualcomm kamen auf vier der fünf Listen vor. In diesem Jahr habe ich 38 Unternehmen aufgenommen, so viele wie noch nie zuvor.

Um sich für die „Powerhouse-Liste“ zu qualifizieren, muß ein Unternehmen sechs Kriterien erfüllen:

• einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar

• liquide Mittel oder hochliquide Anlagen in Höhe von mindestens 300 Millionen Dollar

• weniger als 200 Millionen Dollar langfristige Verbindlichkeiten

• Gesamtverbindlichkeiten von weniger als zehn Prozent des Eigenkapitals

• eine Liquidität dritten Grades (Verhältnis des gesamten Umlaufvermögens zu kurzfristigen Verbindlichkeiten) von 2,0 oder besser

• einen Gewinn je Aktie von mindestens 0,10 Dollar je Aktie im vorangegangenen Geschäftsjahr

Forest Labs - starkes, profitables Wachstum bei vernüftiger Bewertung

Es auf die „Powerhouse-Liste“ zu schaffen, ist eine Auszeichnung, aber nicht unbedingt mit einer Aktienempfehlung gleichzusetzen. Alle Namen stehen für hoch-qualitative Unternehmen, viele sind daher einfach teure Aktien.

In diesem Jahr empfehle ich zwei Werte zum Kauf: Timberland Co. und Forest
Laboratories. Forest Labs mit Unternehmenssitz in New York stellt rezeptpflichtige Arzneimittel - sowohl Markenpräparate als auch Generika - her sowie einige freiverkäufliche Medikamente. Die beiden bedeutendsten Produkte sind zwei Antidepressiva: Celexa und Lexapro. Außerdem verkauft Forest Pharmazeutika zur Behandlung von Alzheimer, Bluthochdruck, Schmerzen sowie Reizdarmbeschwerden.

Nach einem Verlust im Jahr 1997 konnte das Unternehmen sieben Jahre in Folge positive und vor allem steigende Gewinne vermelden. In den vergangenen fünf Jahren sind die Unternehmensgewinne mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 57 Prozent gewachsen. Das Unternehmen ist zudem schuldenfrei und verfügt über liquide Mittel in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar. In Anbetracht dieser vielen Vorzüge stellt Forest Labs mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 eine gute Wertaktie dar.

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Robuste Bilanzrelationen bei Timberland

Timberland, mit Hauptsitz in Stratham, New Hampshire, produziert Schuhe und stabile Outdoor-Bekleidung für Herren, Damen und Kinder. Zwar konnte das Unternehmen sogar neun mal in Folge einen Jahresgewinn vermelden, aber seine Wachstumsentwicklung stellt sich weniger beständig und auch weniger dramatisch dar als die von Forest. In den vergangenen fünf Jahren betrug das durchschnittliche Gewinnwachstum 15 Prozent pro Jahr, das Umsatzwachstum lag bei zehn Prozent. Die Unternehmensbilanz ist genauso robust wie echte Timberland-Schuhe: keine Schulden und in den Büchern stehen liquide Mittel oder hochliquide Anlagen in Höhe von 309 Millionen Dollar.

Genauso wie Forest Labs wird auch die Timberland-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 gehandelt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei moderaten 1,6 und ist damit günstiger als das von Forest in Höhe von 4,6. Im vergangenen Jahr war Timberland mit einer Eigenkapitalrendite von 32 Prozent im Gegensatz zu der von Forest in Höhe von 26 Prozent das profitablere der beiden Unternehmen. Von beiden Aktien wäre ich gerne ihr stolzer Besitzer, halte jedoch derzeit weder die eine noch die andere.

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Was ist mit Microsoft? Der weltweit größte Softwarehersteller ist ein extrem erfolgreiches Unternehmen, aber es widerstrebt mir einfach, für ein alterndes Unternehmen mit einer sich verlangsamenden Wachstumsrate ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 in Kauf zu nehmen. 1999 stieg der Gewinn von Microsoft noch mit einer Rate von 57 Prozent. Im laufenden Jahr erwarten die Analysten eine Gewinnsteigerung von gerade einmal 2,7 Prozent. Für die kommenden fünf Jahre sieht die Wall Street die Wachstumsrate von Microsoft bei elf Prozent.

Scientific-Atlanta - gut gelaufen, aber teuer geworden

Scientific-Atlanta habe ich vor zwei Jahren empfohlen. Die Aktie hat einen Kursgewinn von 161 Prozent geschafft. Heute wird die Aktie des zweitgrößten Herstellers von Empfangsgeräten für Kabelfernsehen mit Sitz in Lawrenceville, Georgia, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 gehandelt. Das ist etwas mehr als ich zu zahlen gewillt bin.

„Ehrenmitglieder“ auf meiner „Powerhouse-Liste“:

Dreimal mit dabei waren Barr Pharmaceuticals, CDW Computer Centers, Foundry Networks,
Imation, KLA-Tencor, National Semiconductor, Pixar und William Wrigley Jr.

Zwei mal auf der „Powerhouse-Liste“ standen Abercrombie & Fitch Co., Altera, Analog Devices, Apple Computer, Bed Bath & Beyond, Benchmark Electronics, Compuware, Electronic Arts, Gentex, Lexmark International, Novellus Systems, Oracle, Robert Half International und SanDisk.

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Neumitglieder auf der Liste

Neu aufgenommen wurden Activision, Adobe Systems, Broadcom, Gilead Sciences, Google,
Hyperion Solutions, Siebel Systems, Storage Technology, Timberland, W.W. Grainger und Xilinx.

In den vergangenen vier Jahre habe ich insgesamt neun Unternehmensaktien meiner „Powerhouse-Listen“ als Aktienkauf empfohlen: vier im Jahr 2001, eine im Jahr 2002 und jeweils zwei in den Jahren 2003 und 2004. Diese Aktienempfehlungen haben eine durchschnittliche Jahresrendite, einschließlich Dividendenzahlungen, in Höhe von 38 Prozent erzielt. Insgesamt haben die Unternehmen der „Powerhouse-Liste“ eine durchschnittliche Zwölf-Monats-Rendite von 7,3 Prozent erreicht. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Rendite des Standard & Poor's 500-Aktienindex lag bei 2,6 Prozent. Der Ertrag der „Powerhouse-Liste“ des vergangenen Jahres entspricht einer durchschnittliche Rendite von knapp zwölf Prozent (bis zum 15. Februar 2005), obwohl 16 der 26 Aktien gefallen sind. Aber der Kursgewinn von Apple Computer in Höhe von 273 Prozent hat natürlich wesentlich zum Gesamtergebnis beigetragen.

Vor einem Jahr habe ich Abercrombie & Fitch und Imation empfohlen. Abercrombie ist bis zum 15. Februar 2005 um 99 Prozent gestiegen, während der Kurs der Imation-Aktie um 0,75 Prozent gesunken ist. Die durchschnittliche Rendite beträgt somit 49 Prozent.

Quelle: Bloomberg
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