Gastkommentar

Pfizer und Chevron oben auf der Favoritenliste

Von John Dorfman, Dorfman Investments/Bloomberg News
18.03.2005
, 11:16
Nach fünf Jahren, in denen die Small Caps besser abgeschnitten haben als die großen Unternehmen, könnten sich „Schwergewichte“ wieder einmal gut schlagen, denkt John Dorfman von Dorfman Investments und nennt seine Favoriten.
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Viele Experten und die meisten Vermögensverwalter gehen davon aus, daß 2005 ein gutes Jahr für Unternehmen mit hohem Börsenwert sein wird.

In der Regel sind solche Large Caps stabiler, agieren in größerem Umfang auf internationaler Ebene - bei einem schwachen Dollar, wie es momentan der Fall ist, eine gute Sache -, zahlen höhere Dividenden und halten sich in einem von Verlusten geprägten Marktumfeld besser als kleinere Unternehmen. Ich für meinen Teil bevorzuge Substanztitel mit geringer Marktkapitalisierung. Ich bleibe bei diesem Ansatz, weil ich meine, daß es sich dabei langfristig aus Performancesicht um den besten Anlagestil handelt. Nach fünf Jahren in Folge, in denen die Small Caps besser abgeschnitten haben als die großen Unternehmen, wäre es jedoch nicht verwunderlich, wenn in diesem Jahr die Titel mit mehr Schwergewicht eine bessere Performance erzielten.

Wenn Sie ein Fan von Large Caps sind, bitte weiterlesen. Gleich nenne ich Ihnen nämlich die Namen von zehn großen Unternehmen, die allesamt günstig bewertet sind, eine Dividende zahlen und über ordentliche Bilanzen verfügen. Solche Titel dürften sich im Vergleich zu den meisten anderen besser halten, sollte der Aktienmarkt in diesem Jahr zufälligerweise seinen Rückzug antreten. Jedes dieser zehn Unternehmen, die sich meines Erachtens gut für den konservativen Anleger eignen, verfügt über einen Börsenwert von fünf Milliarden Dollar oder mehr, notiert mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 15, glänzt mit einer Dividendenrendite von wenigstens zwei Prozent und weist einen Verschuldungsgrad von unter 50 Prozent auf. Nur 2,5 Prozent aller amerikanischen Unternehmen mit einem Börsenwert von über fünf Milliarden Dollar erfüllen diese drei Anforderungen.

Pfizer, ChevronTexaco

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Meine zehn konservativen Favoriten habe ich der Größe nach aufgelistet. Sämtliche Kurse und Kennzahlen entsprechen bzw. basieren auf den Schlußständen vom 15. März. Pfizer ist der größte Medikamentenhersteller der Welt. Die Analysten, die den Titel vor fünf Jahren bei einem Kurs von 45 Dollar geliebt haben, können sich heute bei etwa 26 Dollar kaum noch für ihn erwärmen. Doch der von New York aus operierende Konzern stellt mit einem KGV von zwölf und einer Dividendenrendite von 2,9 Prozent jetzt eine weitaus bessere Kaufgelegenheit dar. Hinzu kommt, daß der Gewinn in sechs der vergangenen sieben Jahre um wenigstens 20 Prozent gestiegen ist.

ChevronTexaco ist nach Exxon Mobil die zweitgrößte Ölgesellschaft in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen hat aber mit 2,7 Prozent die höhere Dividendenrendite und mit zehn das niedrigere KGV von beiden. Seine Gewinnwachstumsrate für die kommenden fünf Jahre wird von Analysten auf 5,7 Prozent geschätzt - ich hingegen glaube, daß dieses Wachstum kräftiger ausfallen wird.

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Merck, Allstate, Chubb

Die Anteilspapiere von Merck & Co. befinden seit vier Jahren auf dem Abstieg. Über die größte Strecke dieses Zeitraums habe ich die Aktie gehalten. Nach meinem Dafürhalten hat Merck die Talsohle erreicht und weist immerhin eine Dividendenrendite von 4,75 Prozent, ein KGV von zehn und im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von 35 Prozent auf.

Allstate mit Sitz in Northbrook, Illinois, hat seine Versicherungspolicen im Vergleich zu vielen Konkurrenzunternehmen intelligenter bepreist, nimmt man zum Beispiel die erfreuliche kombinierte Schaden-/Kostenquote (Summe aus Schadenquote und Kostenquote als Prozentsatz der Prämien) von 93 Prozent im vergangenen Jahr. Amerikas größter börsennotierter Autoversicherer weist eine Dividendenrendite von 2,3 Prozent auf und wird mit einem KGV von 13 gehandelt.
Chubb bietet landesweit und im Ausland Sach- und Schadenshaftpflichtversicherungen an. In den vergangenen fünf Jahren sind die Gewinne des Unternehmens mit einer jährlichen Rate von 20 Prozent gewachsen - und doch begegnen die meisten Analysten dem Titel mit kühler Gelassenheit. Mir persönlich gefällt das KGV von elf und die Dividendenrendite von 2,1 Prozent.

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Reynolds American, XL Capital, Lincoln National

In der Tabakindustrie steht Reynolds American im Schatten von Philip Morris Cos. Seine größte Verlockung besteht in der üppigen Dividendenrendite von 4,7 Prozent. Ich habe Reynolds für viele meiner Kunden im Bestand gehalten, mich vor kurzem jedoch davon getrennt - jetzt da sich der Kurs des Titels in den vergangenen eineinhalb Jahren verdoppelt hat. Für dividendenorientierte Anleger mit einer Vorliebe für große Unternehmen macht er meines Erachtens jedoch nach wie vor Sinn.
XL Capital Ltd. mit Sitz auf den Bermudas hat sich auf Haftpflichtversicherungen spezialisiert und bietet unter anderem Manager- und Berufshaftpflichtpolicen an. Für 14 der vergangenen 15 Jahre weist das Unternehmen einen Gewinn aus. Die Dividendenrendite liegt bei 2,7 Prozent und das KGV bei zwölf.
Lincoln National sieht sein Geschäft in der „Vermögensbildung und -sicherung“. Den Großteil seiner Umsätze generiert das Unternehmen mit dem Verkauf von Lebensversicherungen und Annuitäten. Darüber hinaus bietet es Sparpläne, Investmentfonds und Finanzplanungsdienstleistungen an. Die Aktie rentiert auf Dividendenbasis mit 3,1 Prozent und notiert mit einem KGV von elf.

Fidelity National, Cincinnati Financial

Fidelity National Financial ist Anbieter von Rechtstitelversicherungen und einer Reihe anderer Dienstleistungen im Zusammenhang mit Immobilien. Im vergangenen Monat erklärte John Garamendi, Vertreter der kalifornischen Versicherungsaufsichtsbehörde, er würde prüfen, ob das Unternehmen und sein Konkurrent LandAmerica Financial Group für Neukunden entsprechende Schmiergelder an Immobilienentwickler gezahlt haben. Garamendi liegen den eigenen Angaben zufolge Beweise für solche Zahlungen in Millionenhöhe vor, die er als „eindeutig illegal“ bezeichnete. Die umstrittenen Zahlungen wurden als Rückversicherungsvereinbarungen ausgewiesen. Der Bundesstaat Colorado ermittelt zur Zeit in ähnlicher Sache. Dan Murphy, Senior Vice President bei Fidelity National, erklärte im Februar, daß das Unternehmen sämtliche Rückversicherungsverträge mit Entwicklern gestoppt habe und sich in Schlichtungsgesprächen mit der Aufsichtsbehörde in Colorado befinde. Ich glaube, daß dieser Sturm bei den betroffenen Unternehmen nur geringen Schaden hinterlassen wird. Fidelity National bietet eine Dividendenrendite von 2,2 Prozent und notiert mit einem KGV von zehn.

Cincinnati Financial ist auf dem Gebiet der Sach-, Schadenshaftpflicht- und Lebensversicherungen tätig. Das Unternehmen hat für wenigstens 15 Jahre in Folge einen Gewinn ausgewiesen und in den vergangenen fünf Jahren mit einer jährlichen Gewinnwachstumsrate von 18 Prozent geglänzt. In Anbetracht dessen erscheint die Aktie mit einem KGV von weniger als 15 moderat bewertet. Die Dividendenrendite liegt bei 2,7 Prozent.

Ich würde von vielen dieser Titel kein Kursfeuerwerk erwarten. In einem stagnierenden oder sich nur schleppend vollziehenden Aktienjahr gehe ich jedoch davon aus, daß sie eine ordentliche Gesamtrendite liefern.

Quelle: Bloomberg
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